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29.10.2019, Jamal Tuschick

Auf der Zielgerade des Young Curators Academy Marathon äußerte sich Ida Ślęzak im Micro Context Container - einem der Schauplätze des Berliner Herbstsalons im erweiterten Maxim Gorki Theater - zu einem in Deutschland weitgehend unbekannten Phänomen. In Polen gibt es einen Feministisch-Patriotischen Antifaschismus.

The Power of Storytelling

Ida Ślęzak über den Black Umbrella Strike

Keng Sen Ong

The Young Curators Academy Marathon - Keng Sen Ong rief gemeinsam mit Shermin Langhoff die Young Curators Academy ins Leben. Die beiden Chef-Empowerer boten Power-Programmmacher*innen aus aller Welt im Micro Context Container eine ideale Bühne , um einen Informations- und Vernetzungs-Zusammenhang zu bilden. Die Autor-Aktivist*innen teilten ihre Erfahrungen untereinander und mit dem Publikum. Man sah die nächste Generation der Macher*innen am Start. 

Bananenprotest 

Ordnung herrscht in Warschau

1919 erschien in der „Roten Fahne“ ein Artikel von Rosa Luxemburg, der mit einer Bemerkung anhob, die zu ihrer Gültigkeit in unserer Gegenwart aufschließt.

„Ordnung herrscht in Warschau, teilte der Minister Sebastiani im Jahre 1831 in der Pariser Kammer mit, als Paskiewitschs Soldateska nach dem furchtbaren Sturm auf die Vorstadt Praga in der polnischen Hauptstadt eingerückt war und ihre Henkerarbeit an den Aufständischen begonnen hatte.“

Die Luxemburg-Losung

Ordnung herrscht in Warschau – Das Wort wurde zur heimlichen Losung und zum öffentlichen Aufruf im Widerstand gegen die ausgreifend fortschreitenden polnische Restauration.  

Ida Ślęzak hielt mit einem streng gebauten Vortrag dagegen.

„Ich rede nicht von mir“, verkündete sie vorab, um fortzufahren: „Ich weiß nicht, ob ich bei euch richtig bin.“

Ślęzak sprach über die polnische Sektion des Slut Walks, der als Black Umbrella Strike in die Annalen einging. Der feministische Widerstandsakt wurde von kleinen Medienfischen gefressen, bevor die weißen Haie der internationalen Aufmerksamkeit zuschnappen konnten.

Ślęzak schilderte den vergeblichen Bananen Protest (#Bananagate), mit dem auf die Entfernung einer Arbeit von Natalia Lach-Lachowicz im Warschauer Nationalmuseum reagiert wurde. Direktor Jerzy Miziolek begründete seine Intervention pädagogisch und erklomm dabei einen Gipfel des Rückschritts.

„Ordnung herrscht in Paris (und in Berlin)“ schrieb Luxemburg rhapsodisch. „So laufen die Meldungen der Hüter der Ordnung jedes halbe Jahrhundert von einem Zentrum des weltgeschichtlichen Kampfes zum anderen. Und die frohlockenden Sieger merken nicht, dass eine Ordnung, die periodisch durch blutige Metzeleien aufrechterhalten werden muss, unaufhaltsam ihrem historischen Geschick, ihrem Untergang entgegengeht.“  

Das war, wie wir schon lange wissen, zu optimistisch gedacht. Es gibt eine Kontinuität des verweigerten Fortschritts, auch wenn Isabel Allende gestern Abend an anderer Stelle behauptete, wir würden in der besten aller Zeiten leben. Überall sei die Demokratie auf dem Vormarsch: mit Fridays for Future an der Spitze.

Ich dachte an Salvator Allende in der Stunde des Halbschalenhelms wieder an einem elften September. Der Präsident demonstrierte Kampfbereitschaft, ich komme darauf zurück. Bald füllte sich in der Regie des Putschgenerals Pinochet das Estadio Nacional de Chile, in dem nur zehn Monate zuvor der greise Superstar Pablo Neruda als Ikone der lateinamerikanischen Linken geehrt worden war.

Eingebetteter Medieninhalt

Die Geschichte ist ein Albtraum, sagt James Joyce. Ślęzak berichtete von einem patriotisch-feministischen Antifaschismus mit polnischen Graswurzeln.    

Salvador Allende kurz vor dem Ende

Spaces of Reflection

Jeder weiß, wer Shermin Langhoff ist, doch noch kennen nicht alle Keng Sen Ong. Er stammt aus Singapur und ist Theaterdirektor. Er schafft „Räume der Reflexion“.

Art & Activism

Zusammenführen will er Kunst und Aktivismus. Keng Sen Ongs Ziel ist der Aufbau weltweiter Solidarität im Geist einer feministisch-intersektional-klimagerechten Super-Community.

Keng Sen Ong, der Doyen der Kurator*innen

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