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30.10.2019, Jamal Tuschick

Der neoliberale Sturm und Drang berief sich auf Ayn Rand. Sie hielt sich selbst für die wichtigste Philosophin ihrer Zeit. In einem historischen Augenblick bestimmte ihr Weltbild den Kurs der Weltmacht USA.

Wer Donald Trump verstehen will, muss Ayn Rand lesen. Die Hohepriesterin einer einst neuen Rücksichtslosigkeit predigte Härte gegenüber Schwachen.

Peter Unfried, Clara Meyer, Bill McKibben im Kesselhaus

Toxisch und kindisch-rigide findet McKibben Rands (von einem schroff Grenzen ziehenden Schematismus geprägten) Gesellschaftsidee.

„Rand hätte genauso gut mit Wachsmalkreide schreiben können.“

McKibben variiert das Sujet der Einfalt in der Kombination mit eigener und fremder Intelligenz. Rands militante Eindimensionalität verband sich mit der steinbrechenden Intelligenz hardcore-antikommunistischer Harvard-Absolventen.

Auf Rand reagierten Vordenker einer US-imperialistischen Politik, die sich nicht genierte, auf Schwäche mit Stärke zu reagieren. Rands planetarische Wirkung stand im Zenit, als die Leitlinie des Neoliberalismus in reaktionären Thinktanks formuliert wurden.

Wikipedia sagt: „Ayn Rand (1905 geboren in Sankt Petersburg; gestorben 1982 in New York) war eine russisch-amerikanische Bestsellerautorin jüdischer Herkunft. Rand war Atheistin. Sie äußerte sich zu Ökonomie, politischer Philosophie und Ethik. Dabei vertrat sie eine Variante des Libertarismus und u. a. die Ansicht, dass Moralität in rationalem Selbstinteresse gründe, sowie einen uneingeschränkten Kapitalismus. Ihre Bücher erreichten eine Gesamtauflage von 25 Millionen Exemplaren. Rand zählt in den Vereinigten Staaten zu den einflussreichsten politischen Autoren des 20. Jahrhunderts.“

Mission accomplished

Alan Greenspan zählt bis heute zu den potentesten Rand-Verehrern. Als „Hauptarchitekt der Weltwirtschaft“ nach der Entriegelung des Warschauer Pakt in der Folge einer erfolgreichen Demontage der UdSSR garantierte er eine transkontinentale Durchsetzung des Neoliberalismus. Greenspan gehörte zu Rands Jüngern mit Zugang zu dem New Yorker Salon der Schriftstellerin. 

Man traf sich jeden Samstag. Rand las den Erlauchten aus dem Manuskript von „Atlas wirft die Welt ab“. Nach der Veröffentlichung des zweiten Meilensteins in Rands Oeuvre kritisierte Greenspan einen New York Times-Kritiker, weil jener es versäumt hatte, die Hohepriesterin eines kultischen Egoismus in den Himmel zu loben. Mit Gerald Ford zusammen beriet Greenspan den Schauspieler Ronald Reagan in dessen Paraderolle als Präsidenten der Vereinigten Staaten.

Man erinnere sich. Reagan bezeichnete die Sowjetunion als „Reich des Bösen“. Er wollte keine Gefangenen machen und keinen Ausgleich schaffen, sondern die Weltherrschaft so strahlend wie in einem Kinotriumph erringen. Für ihn und seine Leute gab es keine Zwischentöne und Alternativen.

Die Intellektuellen im Verein der Kompromisslosen nannten sich „Objektivisten“.

„Ich schwöre bei meinem Leben und bei meiner Liebe …: Ich werde nie für andere leben, noch werde ich von anderen erwarten, dass sie es für mich tun.“  Aus „Atlas wirft die Welt ab“

Margaret Thatcher setzte das Programm in Großbritannien um. Es gab eine Thatcher-Reagan-Achse der wirtschaftlichen Brutalität mit einer literarischen Quelle. Ein Coverwort zur Abdeckung finsterer Absichten war/ist Laissez-faire. In diesem Kontext gelten Steuern als Diebstahl. Der einzige Wertmaßstab ergibt sich aus der Arbeit. Wer eine schlecht bezahlte Arbeit gut macht, ist trotzdem wertlos (in der objektivistischen Weltordnung).

Wer Donald Trump verstehen will, muss Ayn Rand lesen.

Bald mehr.

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