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02.11.2019, Jamal Tuschick

Sollten Sie nicht wissen, wo Taiwan liegt, fragen Sie Ihr Telefon. Sollte es darin ein wirklich intelligentes Teil geben, kommt es totsicher aus Taiwan. So begann ein Vortrag des Taiwanesischen Theatermachers Huang Ding-Yun beim Performance-Marathon der „Young Curators Academy“ im Micro Context Container des Maxim Gorki Theaters.

Temporary Community

Der Berliner Herbstsalon war auch eine große Party. Rechts sehen Sie die griechisch-syrische Theaterkünstlerin Rafika Chawishe und den griechisch-deutschen Regisseur Asteris Kutulas.

Huang Ding-Yun überwindet die Grenzen zwischen Arena und Passivität. Er lädt zu theatralischen Terminen ein, die dann als soziale Interventionen über die Bühne gehen. Er presst ambulante Skulpturen aus Zuschauertrauben. Der Künstler fragt nach den Bedingungen des Zustandekommens vorübergehender Gemeinschaften. Er untersucht Prozesse der Annäherung unter Fremden.

 

Aus der Ankündigung

Huang Ding-Yun ist Mitbegründer des interdisziplinären Kollektivs Co-Coism in Taipeh, das durch ortsspezifische Projekte eine flexible Beziehung zwischen Publikum und Darsteller*innen schafft. Darüber hinaus ist Ding-Yun aktiv in der LGBTQI+ -Community und untersucht, wie Projekte mit einer queeren Methodik organisiert werden können.

Er präsentiert seine Recherche zum Theater als »Treffpunkt«. Welche Möglichkeiten gibt es, wenn der Grund des Zusammenkommens nicht nur die Schöpfung des/der Kunstschaffenden ist? Dadurch, dass die Menschen sich an diesem »Treffpunkt« zusammenfinden, erzeugen sie eine vorläufige Gemeinschaft. Warum identifizieren sie sich plötzlich als solche und welche Mechanismen beginnen hier zu wirken?

„Wie können wir von unserer Isolation profitieren?“

Sie sind noch da. Heute tragen die Khmer Rouge Anzüge und Brillen und sehen so aus, wie die Leute, die unter Pol Pot totgeschlagen wurden. Stichwort Killing Fields. Sie sind nicht nur noch da, sie haben auch immer noch die Macht. Samdech Hun Sen ist einer von ihnen; ein gefährlicher Mann, sagt man. Ob der kambodschanische Präsident persönlich dafür gesorgt hat, dass Sreyneang Khon nicht ausreisen konnte, um zu verhindern, dass Sreyneang Khon in der Young Curators Academy auftritt? Zum Glück gibt es ihre Arbeit als Video-Präsentation.

„Wie können wir von unserer Isolation profitieren?“

Das fragt Sreyneang Khon in ihrem Video.  

Keine Kunst. Nur Folklore gäbe es in Kambodscha.

„Wir sind national allein, international jedoch vernetzt.“

Normalerweise verdienen Tänzerinnen ihr Brot in Hotelshows. Sreyneang Khon und ihre Kombattantinnen performen nach dem Geschmack der Manager nicht animierend genug.   

Aus der Ankündigung

Sreyneang Khon ist Leiterin der nur aus Frauen* bestehenden zeitgenössischen Tanzkompanie New Cambodian Artists (NCA) in Siem Reap, Kambodscha. Die Kompanie widmet sich sozialen Themen wie Gender-Ungleichheit, Konservatismus oder soziale Isolation und organisiert gemeinschaftliche Kunstprojekte.

Sie präsentiert ihre Arbeit mit NCA im Kontext des institutionalisierten kambodschanischen Kunstsystems, wo klassischer Tanz und klassische Musik die einzigen anerkannten performativen Kunstformen sind – ein System gleichermaßen unterstützt von internationalen NGOs und Expats sowie Tourist*innen, was die Frage nach alternativen Arbeitsformen aufwirft.

Kunst braucht Raum

Sasapin Siriwanij erscheint superexpressiv. Sie kommt ganz ohne staatliche Kulturförderung aus. Mit den Steinen, die man ihr in den Weg räumt, macht sie Krafttraining. Sie betreibt Space Creating als Kunstform.

Aus der Ankündigung

Sasapin Siriwanij arbeitet als Theatermacherin und Produzentin in Bangkok und ist Mitglied des B-Floor Theatre, Mitbegründerin des For What Theatre und Leiterin des Bangkok International Performing Arts Meeting (BIPAM). Sie performte in zahlreichen Tanztheaterproduktionen sowohl in Thailand als auch im Ausland und entwickelte gleichzeitig eigene Arbeiten wie die Solo-Performance Oh! Ode (Oh! Welche Freude, welche Güte, welche Schönheit verlangt nach Ode Nr. 7012).

Im Rahmen der Young Curators Academy präsentiert sie ihre künstlerische »(non-)army«, die sich der ignoranten Heimat entgegenstellt indem sie den Blick weg von den »spotlight Künstlerinnen« und hin auf die vernachlässigten und unterschätzen Künstlerinnen richtet. Eine Armee, die weder wie eine Armee aussieht, noch sich wie eine ausdrückt. Sollte diese Mission gelingen, kommt die Heimat auf Knien angekrochen, damit wir sie noch eines Blickes würdigen.

Heritage Pride

Chepkemboi J. Mang‘ira findet Europa und die westliche Welt überschätzt. Ihr artistischer Aktivismus zielt auf eine Erschließung des afrikanischen Erbes. Sie sucht Anschluss an die vom Kolonialismus unterbrochenen Verbindungen.

Aus der Ankündigung

Chepkemboi J. Mang‘ira ist Journalistin und Gründerin von OwnYourCulture, einer Online-Plattform, die präkoloniale kenianische Kunst, Mode und Design sichtbar macht. Sie kuratiert Kunst- und Modeausstellungen, die sich auf fair produzierte Arbeiten aus Kenya konzentrieren und sich mit ihrem Erbe befassen. Außerdem ist sie Mitglied in verschiedenen online und offline Initiativen, die sich für die Selbstbestimmung afrikanischer Narrative einsetzen.

Mit #OwnYourCulture setzt sie sich mit den Themen Identität und Zugehörigkeit in einer postkolonialen, globalisierten Welt auseinander, um die negativen Auswirkungen des Kolonialismus auf kenianische Mode und Kunst umzukehren.

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