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03.11.2019, Jamal Tuschick

Im Rahmen ihrer Bundeskonferenz trafen sich gestern Abend die „Neuen deutschen Medienmacher*innen“ im Kreuzberger Südblock zu einer Diskussion über Haltung im Journalismus. Auf dem Podium saßen Ferda Ataman, Konstantina Vassiliou-Enz, Samira El-Ouassil und Olivera Stajić.

Aktivist*innen der Wahrheit

Von links: Ferda Ataman, Konstantina Vassiliou-Enz, Samira El-Ouassil, Olivera Stajić

Ferda Ataman, Konstantina Vassiliou-Enz

Keine Solidarität unter Kolleg*innen

In Österreich vollziehe sich die gesellschaftliche Selbstvergewisserung gegen die alt- und neurechte Hydra rituell und schematisch zwischen den Polen „Verharmlosung und Erschrecken“. Das erklärte Olivera Stajić vom „Standard“ in der Südblock-Runde der Medienmacherinnen. Der Faschismus wohnt in aller Gemütlichkeit im Haus der zulässigen Meinungen und da gewiss nicht im Souterrain. Er gehört zur Meinungsvielfalt und kann sich deshalb jederzeit so gekränkt zeigen, dass er kritische Journalist*innen ausschließt, wo immer er sich geriert.

Dem Ausschluss antifaschistischer Berichterstatter*innen folge keine Solidarität unter Kolleg*innen.

Das klang niederschmetternd.

Stajić erinnerte daran, dass in Österreich Faschisten zu keiner Zeit geächtet waren. Im Gegenwartskostüm des Rechtspopulismus schützt die Meinungsfreiheit von „demografischer Panik“ (Ivan Krastev, Stephen Holmes) erfasste Ethnopluralisten und Remigrationsbefürworter so sehr, dass man „nach einem scharfen (antifaschistischen) Kommentar“ mit publizistischer Reichweite, vom Pressesprecher einer sich düpiert gebenden, regierungserfahrenen Partei ins Gebet genommen würde. Man müsse super gut vorbereitet sein und stets damit rechnen, hart angegangen zu werden.

Antidemokratische Energien

Samira El-Ouassil sprach von „antidemokratischen Energien“ im öffentlichen Raum. Der Frame Journalismus versus Aktivismus sei ein Popanz; erdacht von Journalisten, die ihre Anti-Merkel-Agenda offensiv-aktivistisch verfolgen, wenn auch im Brustton staatstragender Überzeugungen.

El-Ouassil riet zur Begriffsklärung. Im Feuilleton ist Haltung nach allgemeiner Auffassung weiter nichts als Meinung; während Haltung in der Politik dann als Aktivismus in Verruf zu bringen versucht wird, wenn sich die Haltung gegen eine Ausbreitung des Faschismus wendet. Alte weiße Männer führten aus Angst vor Verlusten an der Deutungshoheitsfront Aktivismus als Feindbild im Schild.

El-Ouassil bezeichnete „Journalisten als Aktivisten der Wahrheit“. Sie genderte nicht, anders als ich im Titel.

Am Rand: „2008/2009 verließen mehr Mittel- und Osteuropäer ihre Heimat Richtung Westeuropa, als (später dann syrische) Kriegsflüchtlinge dorthin kamen.“ Ivan Krastev, Stephen Holmes

Ferda Ataman präsentiert sich so wie sie wahrgenommen wird.

„Ich bin Aktivistin. Bei mir ist alles transparent.“

Wird fortgesetzt.

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