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08.11.2019, Jamal Tuschick

Der Thron des alten Nazis landet im Arbeitszimmer eines roten Barons. Ines Geipel zieht in „Umkämpfte Zone“ ihren faschistisch-linientreuen Großvater und ihren nicht weniger realsozialistisch-linientreuen Vater als unrühmliche Beispiele dafür heran, wie Ehrgeiz und Anpassung zusammenspielen.

Drei Liter vom Fass

Jeder Sieg wurde dem Sozialismus gewidmet

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Bruder und Schwester - Für Robby „gibt es nur eine Stadt nur einen Strom, diese wilden Uferböschungen … Er will nie weg aus Dresden“.

Sonntags holen die Geschwister Bier für den Vater in einem Zinkkrug. Drei Liter vom Fass. Das Fass steckt am Hahn einer Kneipe, die wie ein Vereinsheim Erholung heißt zur Ermahnung der Werktätigen, sich im Wechselbad von Arbeit und Freizeit in Form zu halten und nicht aus dem Ruder tüchtigen Gemeinsinns zu laufen.

Ines Geipel, „Umkämpfte Zone“, Klett-Cotta, 276 Seiten, 20,-

Der Vater geht als Terroragent auf Feindfahrt. Dann ist Lothar G. wieder daheim bei den Lieben, ein bewährter Genosse mit zahlreichen zivilen Aufbauverdiensten und einer Vergangenheit als Hitlerjunge. Er ist so eifrig Sozialist und Funktionär, wie sein Schwiegervater Nazi war.

Ines Geipel schildert ihren Vater als Prototyp der postfaschistischen DDR. Seine Genossen-Generation schmiedet das Gegenstück zum westdeutschen Wirtschaftswunder. Sie fühlt sich verantwortlich für das Erscheinungsbild des neuen Deutschlands. Sie agiert angesichts einer trägen Masse.

Geipel kehrt dahin immer wieder zurück: dass von „Hitler sozialisierte“ Sozialisten, eingekeilt zwischen alter und neuer Doktrin, ihre Hochformate suchen. Das sind Leute, die bereits bewiesen haben, wie gläubig sie sein können. Sie haben alle schon Fähnchen im Tausendjährigen Reich geschwenkt. Um nicht schizophren zu werden, forcieren sie ihre „Gedächtnisbetonierung“. Die Aufarbeitung ist ein Ritual, das gar nicht hohl genug sein kann.

„Hinter der Pappfassade ein Nichts, das wächst.“ Inge Müller

Lothar G. wiederholt den Aufstieg des Schwiegervaters unter anderen Vorzeichen. 1971 ist er stellvertretender Stadtbezirksschulrat. Ein Jahr später steht er als Leiter des Pionierpalastes auf der nächsthöheren Stufe.

„Der Weltgeist will nicht fesseln uns und engen, er will uns Stuf´ um Stufe heben, weiten.“ Hermann Hesse

Lothar G. agitiert im Akkord. Er fordert Optimierung in einer Mangelwirtschaft. Nutzt die Nebenprodukte, schreit er in die Flüstertüte. Seine soldatische Performance erschöpft sich nicht in der Attitüde, die Beobachterin töchtert auf den Schultern eines an Stechpuppen ausgebildeten Kundschafters des Friedens, der regelmäßig in dem Sessel Platz nimmt, in dem ein anderer Funktionär familiär zum nationalsozialistischen Schreibtischtäter wurde.

Geipels Unversöhnlichkeit wirkt als starker Attraktor. Ich erlebe die Autorin auf einem Kollisionskurs zu Erinnerungsstrategen aller Couleur. Geipel will die SED- und DDR-Schönrednerinnen nicht mit ihren Versionen allein im Regen stehen lassen. Sie hat sich aus der Weltrekordliste streichen lassen, der 1984 aufgestellte Rekord* gilt noch. 

*1984 stellten Ines Geipel, damals I. Schmidt, „die blonde Startläuferin mit den langen Beinen“ („Der Spiegel“), Bärbel Wöckel, Marlies Göhr und Ingrid Auerswald als Staffel des SC Motor Jena in Erfurt mit 42,20 Sekunden den bestehenden Vereinsweltrekord über 4 × 100 Meter auf. 

 

Familiengeschichte als Gesellschaftslehre

„Umkämpfte Zone“ - In einer sehr persönlichen Betrachtung betreibt Ines Geipel Familiengeschichte als Gesellschaftslehre.

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Eine Paradoxie der deutschen Nachkriegsgeschichte besteht darin, dass sich das Schweigen der Heimkehrer in einem Erzählgestrüpp verfing und gemeinsam mit dem Buschwerk erst verkümmerte, bevor es das Eigenleben von Totholz begann. Das Schweigen war zu keinem Zeitpunkt beredt. Es hatte keine metaphorische Funktion. Es verwies auf nichts. Man schwieg nicht heikle Themen an, so wie man Umstrittenes situationsgerecht anschneidet oder ausspart. 

Kein Wittgenstein munkelte: „Wovon man nicht sprechen kann, darüber muss man schweigen.“

Zwei Energiequellen sorgten für Spannung im dauernden Plausch, der ein ausdauerndes Schweigen übertönte: ein Schuldumkehrimpuls, der Um- eigentlich Ab-dichtungen erzeugte, und der Trotz, in dem die nationalsozialistische Gesinnung überlebte. Daraus entstand im geteilten Deutschland ein psychologischer Untergrund. Bringt man die Impulse auf einen Nenner, gelangt man zu dem Fazit:

Unfähig zur Einsicht. Das war der Nachkriegsdeutsche. Fünf Generationen später kann man sich den Typus kaum noch vorstellen. Für uns ist Schuld als nationales Erbe etwas so Selbstverständliches, dass die alte Abwehr nirgendwo mehr einen gesellschaftlich repräsentativen Manifestationsraum findet. Da setzt Ines Geipel an. Sie zählt auf.

„Anfangs waren achtzig Prozent der Lehrer (in der sowjetisch besetzten Zone) ehemalige NSDAP-Mitglieder, außerdem fünfundvierzig Prozent der Ärzte und rund drei Viertel der Hochschulmediziner.“

Der Terroragent als Vater

Man lässt sie ihren Dienst verrichten und ihre Nützlichkeit unter Beweis stellen – in einem vom Mangel ständig demontierten Provisorium.

Hunde und Katzen werden als Dachhasen serviert.

Der „im Sessel erstarrte Großvater“ versteinert zum Denkmal des Verschweigens. Auf ihm lastet eine von der Enkelin erforschte Schuld.

Geipel betreibt Familiengeschichte als Gesellschaftslehre.

Der Vater genießt eine Terroragentenausbildung (HVA-Jargon).

Über neunzigtausend Bürger*innen dienten der Stasi mit der Haut und dem Haar der Hauptberuflichkeit.  

Jahrelang lebt der Terroragent im Rausch großer Feindfahrten. Im Verlauf von zwölf Dienstjahren kommt er mit acht verschiedenen Identitäten zum Einsatz. 1984 ist die Party vorbei. Der Kundschafter wird demobilisiert und wirkt weiterhin als Direktor des Dresdner Pionierpalastes Schloss Albrechtsberg.

Geipel exponiert die Kontinuität der Karrieren in sehr verschiedenen Systemen. Der Großvater ist NS-Funktionär, der Vater der Treuesten einer in der DDR. Der dem eigenen Vorteil dienende Charakter wurde vererbt. Ich stelle mir einen Korb voller Eigenschaften vor, die systemunabhängig ihrer Entfaltung entgegenblühen.   

Aus der Ankündigung

Fremdenfeindlichkeit und Hass auf »den Staat«: Verlieren wir den Osten Deutschlands? Das Buch sucht Antworten auf das Warum der Radikalisierung, ohne die aktuell bestimmende Opfererzählung nach 1989 zu bedienen. Es erzählt von den Schweigegeboten nach dem Ende der NS-Zeit, der Geschichtsklitterung der DDR und den politischen Umschreibungen nach der deutschen Einheit. Verdrängung und Verleugnung prägen die Gesellschaft bis ins Private hinein, wie die Autorin mit der eigenen Familiengeschichte eindrucksvoll erzählt. Seit 2015 haben sich die politischen Koordinaten unseres Landes stark verändert – insbesondere im Osten Deutschlands. Was hat die breite Zustimmung zu Pegida, AfD und rechtsextremem Gedankengut möglich gemacht? Ines Geipel folgt den politischen Mythenbildungen des neu gegründeten DDR-Staates, seinen Schweigegeboten, Lügen und seinem Angstsystem, das alles ideologisch Unpassende harsch attackierte. Seriöse Vergangenheitsbewältigung konnte unter diesen Umständen nicht stattfinden. Vielmehr wurde eine gezielte Vergessenspolitik wirksam, die sich auch in den Familien spiegelte – paradigmatisch sichtbar in der Familiengeschichte der Autorin. Gemeinsam mit ihrem Bruder, den sie in seinen letzten Lebenswochen begleitete, steigt Ines Geipel in die »Krypta der Familie« hinab. Verdrängtes und Verleugnetes in der Familie korrespondiert mit dem kollektiven Gedächtnisverlust. Die Spuren führen zu unserer nationalen Krise in Deutschland. 

 

Antifaschistischer Urstoff

„Umkämpfte Zone“ - In einer das Private politisierenden Betrachtung betreibt Ines Geipel Familiengeschichte als Gesellschaftslehre. Zum Titel: Eine umkämpfte Zone ist zweifellos die Erinnerung. Wie erinnert man etwas? Auch dieser Frage geht Geipel auf den Grund am Beispiel der parteiischen Erinnerungspolitik, die in beiden deutschen Staaten keilförmig vorangetrieben wurde. Es war ein Kampf bis aufs Messer. Erst heute mit beinah sechzig erkenne ich den eingeimpften Hass. Selbstverständlich war die antikommunistische/antikapitalistische Erziehung im Westen/Osten. Die Verschärfungen der Gegensätze kamen aus den Erfahrungen, die Deutsche mit Deutschen nach 1919 gemacht hatten. Der Westwall der Restauration ließ sich erst und auch dann kaum an den Zinnen schleifen, als sich die Sowjetunion als Siegermacht auf Deutschland unmittelbar auszuwirken begann. Bis dahin hatten die antidemokratischen Kräfte ein großes Spielfeld. Es gab die Vorstellung: Die Demokratie ist dem Deutschen fremd. Auch die Gruppe Ulbricht folgte einem antidemokratischen Marschbefehl. Es sollte nur so aussehen … Fortsetzung meiner Besprechung vom 24.09.

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Bald nach dem Krieg wird Buchenwald zum „Gegenstand strategischer Geschichtspolitik“. In diesem Kontext betrachtet Ines Geipel dann auch Bruno Apitz‘ „Nackt unter Wölfen“. Im Handlungsvordergrund steht der Kampf deutscher Kommunisten …

„Noch einmal (die Buchenwald-Tour). Noch einmal der riesige Himmel über der Ebene, die hohen, flirrenden Wolken und meine Frage(n) …“

 

Kommunistischer Kyffhäuser

„Strafrechtlich Relevantes verschwand hinter hochemotionalen Textmasken.“

Geipel konstatiert und moniert ein im Roman „zensiertes Buchenwaldgedächtnis“, das für den informierten Leser von 1957 noch regelrechte Kassiberfunktionen gehabt haben könnte. Eine bereinigte (bereinigende) Schrift ließ sich mit Anforderungen des Klassenkampfes stets einfach rechtfertigen. Die von der Zensur um ihre Ambivalenzen gebrachten Schilderungen des Buchwaldalltags sanken auf das Niveau eines „Politmärchens“ ab, dass geeignet war, „eine solidarisch verbundene Opfergesellschaft“ zu festigen.

Man durfte dem Feind keine Munition liefern. Es gab eine höhere Wahrheit als die klägliche Bilanz des Unvermeidlichen in der Ohnmacht.

Die an wichtigen Stellen platzierten Häftlinge konnten doch immer nur der SS gehorchen. Die einzige Macht, die sich aus ihren Positionen ergab, ergab sich im Verhältnis zu anderen Häftlingen. Dies galt wenigstens solange, bis die nationalsozialistische Lagerführung infolge des Kriegsverlaufs unter Druck geriet.  

Geipel spricht von einem „kommunistischen Sprachverdikt“. Man könnte das auch ein zur Deckung geeigneten Sprachverhau nennen. In Frank Beyers hochgelobtem Buchenwaldstreifen „Nackt unter Wölfen“ sind die Kommunisten im Konzentrationslager jedenfalls so fest und famos wie der Brigadier Balla auf dem Bau in der (drei Tage nach der Premiere 1966 im Giftschrank verschwundenen) Verfilmung von Erik Neutschs Roman „Spur der Steine“.

„Sechzehn Schornsteine stützten den Himmel über der Stadt.“ 

So beginnt Erik Neutschs Roman „Spur der Steine“. Das Werk erschien 1964 im Mitteldeutschen Verlag.

Die DDR generierte aus dem Buchenwald des antifaschistischen Leidens ihren „Staatsmythos“. „Der kommunistische Widerstand“ war in keinem anderen Lager so effektiv organisiert worden. Geipels Darstellungen der Verhältnisse suggerieren eine partielle Übernahme von Schlüsselstellungen in Aushandlungsprozessen, die den kommunistischen Häftlingskader wie einen Teilhaber der Macht erscheinen lässt.

„Als das Lager befreit wurde, zeigten sich … US-Geheimdienstler irritiert darüber, einer … Gruppe deutscher Kommunisten gegenüberzustehen, die wie wohlhabende Geschäftsleute aussahen.“

Kapo-Karrieren

In dem Dossier sei die Rede von „einem tödlichen Terror innerhalb des Naziterrors“ gewesen. Die Herren unter den Häftlingen hätten sich selbst geadelt und über das Gros gestellt. Geipel skizziert die Laufbahn von Erich Reschke, der als Kommunist in Buchenwald interniert war, 1945 Thüringer Polizeipräsident – und 1950 als angeblicher Kriegsverbrecher nach Workuta deportiert wurde. Er überlebte seine Rehabilitation um Jahrzehnte, schließlich als pensionierter Major der Volkspolizei.

Geipel erwähnt Ernst Busse, der seit 1934 eine Odyssee durch Gefängnisse und Lager hinter sich gebracht hatte, bevor er ab 1937 in Buchenwald zum Funktionshäftling avancierte. Das war der Anfang einer Kapo-Karriere. Später war Busse Innenminister und stellvertretender Ministerpräsident von Thüringen. Er starb in einem sowjetischen Sonderlager in der Konsequenz einschlägiger, in der Konsequenz eines (in einem postumen Rehabilitierungsverfahren unter stalinistischer Willkür verbuchten) Verfahrens, das ehemalige Mithäftlinge angestrengt hatten.

Opas Opportunismus     

Geipel denkt die roten Reschkes mit ihrem braunen Großvater zusammen. Dessen Karriere im Dunst nationalsozialistischer Vernichtungsfeldzüge ist ein Agens der semi-biografischen Produktion. Opas Opportunismus treibt Geipel um.

Die Kinder der Teilung - „Generation Mauer“ versammelt „Biogramme einer gebrochenen Generation“.

„Das, was für uns als Leben vorgesehen war.“ - Hier ein Eindruck, den ich mir bei einer Geipel-Lesung vor Jahren verschafft habe

 

Ines Geipel stellt ihr neues Buch vor. „Generation Mauer“. Geipel ist eine Galionsfigur. Von ihr geht etwas Vorbildliches aus. Wenn Ines Geipel sagt, sie habe recherchiert und nicht bloß auf eine Lücke im Bewältigungsbedarf und auf Google gesetzt, glaube ich das. Sie war eine Ausnahmeathletin. In einer 4 x 100 Meter-Vereinsweltmeisterstaffel sprintete sie gemeinsam mit Marlies Göhr. Das beeindruckt mich mehr als ihr publizistischer Radius. Mir bleibt schleierhaft, wie sie es seelisch fertigbrachte, ihren Namen aus der Rekordliste streichen zu lassen. Sie veranlasste das als Protest gegen „das Zwangssystem Doping in der DDR“.

Jetzt erzählt sie von „einer unerzählten Generation“. Die 1960 geborene Athletin erzählt von der eigenen Generation.

„Wir waren die Babyboomer des Ostens und die Kinder der Teilung.“

„Wir bekamen den vollen Einschluss von Geburt an mit. ... Meine Eltern waren beinharte Kommunisten.“

Der Vater war Terroragent, ein roter Haudegen. Daher die Skepsis gegen jede Ideologie und daher keine DDR-Nostalgie.

„Die DDR war eine Verratskultur und ein Angstsystem“, behauptet Geipel zur rechten Zeit.

„Wie kriegt man das ein bisschen markant“

Mit dieser Frage sei sie ans Werk gegangen. Sie habe sich „selbst markiert, um Unterschiede herauszustellen“. Die Unterschiede zu den BRD-Zeitgenossen so wie die Unterschiede zu Älteren (mit der doppelten Diktaturerfahrung) und Jüngeren (der Klassenfeind im Klassenzimmer) in der DDR.

Geipel vergleicht einen fünfzigsten Geburtstag als opulente Mottoparty in Mariendorf mit einem fünfzigsten Geburtstag in Pankow. Das Gegenstück zum Westen war eine Angelegenheit mit Buletten und Kartoffelsalat. Es wurde viel geraucht. Es fiel ein Schlüsselsatz der Entmündigung:

„Das, was für uns als Leben vorgesehen war.“

Der Plural betrifft „die verzögerte Identität einer Stotterer-Generation.“

Man habe dem „Ost-Existenzialismus nicht entgehen können“.

„Generation Mauer“ versammelt „Biogramme einer gebrochenen Generation“.

Das geht so zwei Stunden, ich werde nicht müde, zuzuhören. Ich kenne sonst nur ostdeutsche Nostalgiker, die in ihrem Gefühlsosten schwelgen. Oft sind das Wendegewinner in der zweiten Generation, die mit ihrer Kaufkraft und der Kaufkraft ihrer Eltern Tag für Tag Restposten einer Ursprünglichkeit schleifen, die sie mit einem besseren Deutschland assoziieren. Den armen Ossi kennen die auch nur aus dem Fernseher und vom Spätkauf. Lustig ist, wenn so Sieger den Kollwitzplatz mit der Begründung verweigern, dass da die Schwaben sind. Schwaben als Sammelbegriff für „die anderen“. Dabei sind sie selbst längst die anderen, also Schwaben. Entweder bist du Schwabe oder weg vom Fenster des Prenzlauer Bergs.

Nach meinen Beobachtungen stehen DDR-Dissidenten dem vereinten Deutschland besonders fern. Jemand könnte zudem einwenden, dass meine Westsozialisation in der Berliner Republik Fremdheitsgefühle nicht ausschließt. Schließlich gibt es auch die alte Bundesrepublik nicht mehr. Meine Prägungsfiguren, von Willy Brandt bis Siegfried Unseld, repräsentieren außer Kurs gesetzte Werte. Doch will ich daraus keinen Kranz flechten. Ich muss mir nur Fünfzigjährige im Allgemeinen angucken, um klarzusehen, dass ich kein gemeinsames Band brauche.

Aber so ist das mit den Ossis. Selbst wenn sie ihre Herkunft verfluchen, verhehlen können sie die Herkunft nicht. Sie kommen aus einer Konsensgesellschaft. Sie suchen Übereinstimmung. „Generation Mauer“ soll ein Debattenbeitrag sein. Ich wünsche Ines Geipel, dass viele mit ihr ins Gespräch kommen wollen.

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