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11.11.2019, Jamal Tuschick

Er übt, wo er steht und geht. Er hört nie auf zu trainieren. Tony will im Leben weiter nichts als Judo. Der Held in Johnnie Tos 2004 realisierten Surreal-Eastern „Throw Down“ fordert jeden heraus, von dem er eine hohe Meinung hat. Man muss auf dem Budo bis zum Anfang zurückgehen, um zu verstehen, warum es To geht. Der einigermaßen offenen, in vielen Animositäten sich verherrlichen Gegnerschaft zwischen Japan und China zum Trotz lässt der Produzent und Regisseur in seiner Kurosawa-Hommage klassische Figuren der Japanischen Saga mit chinesischem Profil auftreten. Konkret bezieht er sich auf Kurosawas Debüt „Sanshiro Sugata“, einer Judo- versus Karate-Geschichte der Meji-Epoche - einer Schilderung des MMA*-Mutterkonflikts. *Mixed Martial Arts. Einmal fokussiert das Kameraauge ein Porträt von Kanō Jigorō (1860 -1938), einem Generaltransformator auf der Bogenbrücke zwischen Bushido (dem Weg des Kriegers) und Budo (der säkularisierten, entschärften, manche sagen: entkernten Variante, deren größter Unterschied zum Original sich im Nachlassen der ständigen Todesbereitschaft äußert).

Auf der Suche nach dem Spirit

In the chaos of fight, thinking is loosing

To bezieht sich auf Kurosawas Judo-Saga von 1942

Eingebetteter Medieninhalt

Es gab bis in die 1980er Jahre einen Riesenmarkt für Filme, in denen Chinesen nach allen Regeln des Gong-fu japanische Karateka umhauen. Die Japaner-Darsteller sind stets aus dem Holz der unfähigen Bösartigkeit geschnitzt. Furchtbare Nussknacker repräsentieren die Repression in besonders infamen Spielarten. Sie herrschen, obwohl sie nichts auf dem Kasten haben. Chinesen interessiert der Widerspruch nicht, und Nicht-Chinesen interessieren sich nur für die Kampfkunstszenen. Das erlaubt den Protagonisten des Genres, sich komplett von der Wirklichkeit abzukoppeln. Eine serielle Produktion gleichermaßen basaler und irrlichtender Dramen spiegelt die superirdische Transzendenz des chinesischen Überbaus. Die staatsphilosophische Metaebene ist in einer U-Bahnstation untergebracht.

 

 

Gestern sahen wir #Sundays for Hongkong gemeinsam mit Kurator Thomas Oberender (rechts neben Frank Raddatz) im Kino des Gropiusbaus. Ich sagte: Sie sind doch der Kurator der Reihe. Oberender korrigierte konsterniert: Ich bin der Leiter der Berliner Festspiele. 

 

To übernimmt das Absurde dieses Kinos in seiner Verherrlichung einer Kunst, die es nie leicht hatte. Judo war immer Beamten-Budo und wurde von Aikido überflügelt. Blättert man den chinesischen Katalog der Analogien und Gegenentwürfe durch, ergibt sich die Aussicht auf etwas Überwältigendes. To reagiert also in erster Linie auf Kurosawa, dessen Inszenierung auf einer Gestaltungsfolie des Nō Theaters stattfindet. To adaptiert auch diese Theatralik.

To erinnert an Sanshiro Sugata.  

In „Throw Down“ spielt auch eine aus der Bahn geworfene Geisha mit. Tanz und Musik werden eingeflochten in einer Triaden/Yakuza-Spielhöllen-Unterwelt-Parodie. Der Pate läutet ständig die Tea Time ein. Er sanktioniert eine Abweichung, ein Mann schleppt sich blutend davon, schon ruft der Nebelfürst die Akteure im engsten Kreis zur Zeremonie. Im weiteren betrinken sich die Verbrecher so wie alle anderen Milieulieferanten mit San Miguel-Bier.

In der ersten Szene fordert Tony den fresssüchtig-übergewichtigen Sumotori-Bouncer jenes Nachtclubs heraus, in dem sein Idol, eine zum alkohol- und spielsüchtigen Karaoke-Punk heruntergekommene Judolegende die Geschäfte führt, da auch selbst auf der Bühne agiert und regelmäßig im Vollrausch zusammenbricht. Nichts erinnert an die glanzvolle Verfassung eines Vorzeigeathleten.

Tony besiegt Sze-Te mühelos. Das macht ihm keine Freude. 

Wikipedia weiß: Throw Down ist ein amerikanischer Kampfkunstfilm von Johnnie To aus dem Jahr 2004 mit Louis Koo, Aaron Kwok, Cherrie Ying und Tony Leung Ka-fai in den Hauptrollen.

Bald mehr.  

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