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15.11.2019, Jamal Tuschick

Gestern Abend veranstalteten die „Frauenkreise“ eine Paneldiskussion im Rahmen der Reihe TOUCH BASE - Intersektionale Perspektiven auf Politik. Zu Wort kamen Sigrid Werner, Mia Jakob, Fatou Mandiang Diatta, Niki Drakos, Raphael Hillebrand und Neelesha Barthel.

Zu viel Hautfarbe

Von links: Sigrid Werner, Mia Jakob, Fatou Mandiang Diatta, Niki Drakos, Raphael Hillebrand, Neelesha Barthel

„Wir möchten, dass alle Menschen auf der Erde gut leben können.“

Hauptsatz aus dem Programm der Partei „Die Frauen“.

Sigrid Werner vertritt die 1995 gegründete, feministische Partei „Die Frauen“. Seit sieben Jahren ist sie aktiv. In einer Frauenkneipe leitet sie einen Stammtisch. Gemeinsam mit ihren „Mitfrauen“ (es gibt auch männliche Mitfrauen) nutzt sie die Chancen, die Parteien in einer repräsentativen Demokratie eingeräumt werden.

Es war an der Zeit, uns selbst zu repräsentieren

Parteien haben in der Bundesrepublik einen grundgesetzlich verankerten Auftrag. Sie wirken mit an der Willensbildung. Daraus ergibt sich eine institutionelle Wahrnehmung dieser Organisationsform. Sobald die geringen Anforderungen an eine Parteigründung erfüllt sind, schwimmt man mit im demokratischen Bassin; auch wenn das Kleinparteienspektrum einen Kuriosa-Status hat, wie Raphael Hillebrand bemerkt. Der Tänzer und Choreograf vertritt die Hip-Hop Partei „Die Urbane“. Hillebrand beherzigt die Graswurzler-Devise:

Wenn auf dem Wahlzettel nichts steht, womit du dich identifizieren kannst, musst du eben deinen eigenen Namen auf die Liste setzen.   

Hillebrand fordert eine grundlegende Veränderung des Systems. Zugleich nimmt er die GG-Freiheitsgarantien sehr ernst. Er weiß: Demokratie ist das, was wir daraus machen.

Mia Jakobs Engagement in „Demokratie in Bewegung“ ist dem Rechtsruck geschuldet. Es stört Jakob, dass die Öffentlich-Rechtlichen dem „AfD-Gedöns“ so viel Aufmerksamkeit schenken. Sie interveniert „gegen Hass im Netz“.

Wie alle anderen in der Runde, fühlt sie sich von den etablierten Parteien nicht ausreichend repräsentiert.

Ganz anders und viel glühender erscheint Fatou Mandiang Diatta in diesem Kreis. Sie dreht ein großes Rad im Kampf gegen Beschneidung. Die Künstlerin tritt als Tabubrecherin auf. Sie tritt Türen ein. Ihr Motor vibriert; das ist keine Freizeitbeschäftigung und geht über Flux & Lax des zivilgesellschaftlichen Sesselaufstands weit hinaus.

In Deutschland geborene Töchter afrikanischer Eltern werden in Belgien und in Frankreich beschnitten. Man fliegt mit Ryanair, übernachtet bei Bekannten. Die Verstümmelungen sind Verbrechen, die in europäischen Wohnzimmern stattfinden.

Neelesha Barthel macht Filme und bewundert Aktivismus. Sie stärkt den Verein „Pro Quote“; sie sagt:

„Ich bin Frauenquotenregisseurin.“

Barthel plädiert für „intersektionale Quoten“. Zuletzt verlor sie einen Kampf gegen Diskriminierung. Immerhin war ihre Opponentin, eine Produzentin, so blöd, ihren Rassismus zu entblößen, anstatt mit Kunst & Können zu argumentieren.

Es ging um eine männliche PoC, die nach dem Willen der Regisseurin als bayrischer Handwerker besetzt werden sollte. Erst hieß es, wir müssen die ganze Gesellschaft abbilden und „brauchen Hautfarben“. Dann war das aber zu viel Hautfarbe.  

Zwei Diskussionsergebnisse

Die „Frauenkreise“ fordern flächendeckend Antidiskriminierungsbeauftragte.  

Vereine versus Parteien

Vereine wirken lediglich kosmetisch in gesellschaftlichen Aushandlungsprozessen. Deshalb sollte man sich in Parteien organisieren. Parteiarbeit macht aber anfällig für das System.

Bald mehr   

Aus der Ankündigung

Welche politischen Diskurse in Deutschland sind auf der Höhe der Zeit? Welche und wessen Perspektiven werden angewandt, um gesellschaftliche Realitäten zu analysieren und Programme dazu zu entwickeln? In welchen Politiken spiegelt sich die Vielfalt, die wir längst geworden sind und die Repräsentation und Agency fordert und auch verdient.

Welchen Stimmen aus der Zivilgesellschaft wird geglaubt? Welche Stimmen kommen zu Wort und wer dominiert den Diskurs? Wir laden diesmal Aktivist*innen und Parteiangehörige von Kleinparteien aus Berlin ein, die außerparlamentarisch unterwegs sind.

Was kann auf dieser Ebene überhaupt geleistet werden? Was kann gerade auf dieser Ebene geleistet werden?

 

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