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16.11.2019, Jamal Tuschick

Ankündigung - Literatur-Gespräch mit Un-su Kim im Koreanischen Kulturzentrum am 04.12.

Die Geldsorgen eines toten Mannes - Un-Su Kim schildert die Berufsmörderbranche als Metabusiness. Die titelstiftenden Plotter sind Unternehmer, die ihren Auftraggebern geräuschlose Auftragserfüllung garantieren. Patzen sie, sind sie sofort weg vom Fenster. Wie auf einem Fließband rückt ein anderer bis zu ihrer Stelle auf. Un-Su Kim gewinnt dem seriellen Charakter der Angelegenheit viel ab. Er beschreibt die Prozesse der Ablösung in ihren Varianten. Die Agenten der Mordmühlenbesitzer bezeichnet er als Einwegspritzen, deren Wegwerfcharakter sie von Würde freistellt und es ihnen noch nicht einmal erlaubt, sich mit einem negativen Schwur zu identifizieren. Es gibt keine Räuberehre und schon gar keinen Kriegerkodex für schlichte Totmacher.

Der Tod ist ein Witz in der Unterwelt des koreanischen Schriftstellers Un-Su Kim. Am besten, man findet ihn so erheblich wie die Geldsorgen eines toten Mannes, oder wie den Wunsch einer Zielperson, als schöne Leiche in jenen Himmel zu gelangen, den ein Mörder ihr verspricht.  

Raeseng ist Killer von Beruf, seit ihn Old Raccoon als Kind bei sich aufnahm und ausbildete. Aufgewachsen an einem geheimen Rückzugsort in Seoul, einer Bibliothek voller alter Bücher, gehört er zur Killer-Elite Koreas. Denn Old Raccoon ist ein Plotter. Als Kopf der Organisation »Library of Dogs« hat er seit Jahrzehnten alle politisch gewollten Exekutionen in Korea geplant. Doch als die Macht der Diktatur schwindet, gerät auch der Einfluss der Plotter ins Wanken – und eine neue Generation beginnt, ihr eigenes tödliches Netzwerk aufzuziehen. Als Raeseng vom Plan der Plotter bei der Ausführung eines Auftrags abweicht, geraten die Dinge außer Kontrolle – und Raeseng rückt selbst an die erste Stelle der Todesliste…

 
Un-Su Kim, geb. 1972 in Busan/Südkorea, ist ein mehrfach preisgekrönter Autor, der mit seinem ersten Kriminalroman „Die Plotter“ international für Furore sorgte. Kim studierte Literatur an der Kyung-Hee-Universität und feierte sein literarisches Debüt im Herbst 2002 mit der Kurzgeschichte „Easy Writing Lessons". Er hat in seiner Heimat mehrere Preise gewonnen, darunter den renommierten Munhakdongne-Literaturpreis. 2016 war er für den „Grand prix de littérature policière“ (dt.: „Großer Preis der Kriminalliteratur“) nominiert, womit ihm der Durchbruch auf internationaler Ebene gelang. Die englischsprachige Ausgabe der "Plotter" wurde 2019 im New York Times Book Review und in der Chicago Review of Books als einer der besten Thriller des Winters gelistet.

 
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Podium
  • Un-Su Kim (Autor)
  • Moderation: Katharina Borchardt
  • Sprecher: Matthias Scherwenikas
  • Dolmetscherin: Irene Maier

Im Rahmen der Lesung haben Sie Gelegenheit, Fragen zu stellen und Bücher signieren zu lassen. In dem Fall bitten wir Sie, die Bücher mitzubringen, da am Veranstaltungsabend kein Bucherwerb möglich ist.
Im Anschluss an die Lesung laden wir Sie zu einem kleinen Umtrunk ein. Ein persönliches Gespräch mit dem Autor ist bei der Gelegenheit jederzeit möglich.


Zeit: Mi, 04. Dezember 2019, 18:00 Uhr
Ort: Koreanisches Kulturzentrum
       -- Space GODO -- 
       Leipziger Platz 3
       10117 Berlin

Die Geldsorgen eines toten Mannes

Eingebetteter Medieninhalt

Raeseng ist ein Kind des Regens und der Missachtung. Man fand ihn im Nonnenmüll vor einem Kloster. Ein Plotter der alten Schule erzog ihn zum Killer in einer Bibliothek voller Enzyklopädien. Old Racoon ist ein Brockhaus-Fetischist, ein satyrischer Sarkastiker, der den Auftragsmord auf eine neue Stufe der Effizienz gestellt hat.

Er weiß: „Auch ein Löwe, der sich von seinem Rudel entfernt, wird zur Beute wilder Hunde.“

Im Jetzt der Romanereignisse gibt ein Optimierer, der in Racoons Schmiede geformt wurde, den Meister zum Abschuss frei. Da erklingt kein Ruf der Wildnis, vielmehr folgt das Kommando der kapitalistischen Logik: das Bessere ist des Guten Feind.

Un-Su Kim, „Die Plotter“, Roman, aus dem Englischen von Rainer Schmid, Europa Verlag, 360 Seiten, 18,-

Der Tod ist ein Witz in der Unterwelt des koreanischen Schriftstellers Un-Su Kim. Am besten, man findet ihn so erheblich wie die Geldsorgen eines toten Mannes, oder wie den Wunsch einer Zielperson, als schöne Leiche in jenen Himmel zu gelangen, den ein Mörder ihr verspricht.  

Mordmühlen im Monsun kapitalistischer Optimierung

Täter führen mit ihren Opfern makabre Beratungsgespräche zum Thema mehr oder weniger angenehme Todesarten. Raeseng lässt sich von einem greisen General, der mit seiner Macht jeden Schutz verloren hat, ausgiebig bewirten, bevor er ihn ins Jenseits transferiert. Er erschießt auch den Hund des Alten aus lauter Empathie. Schließlich macht ein Blindgänger im Klo Raeseng darauf aufmerksam, dass seine Lebensuhr so gut wie abgelaufen ist. Ausgerechnet dieser Spezialist für das Unvermeidliche (nach den Gesetzen des Marktes) fängt an mit seinem Schicksal zu feilschen und gegen die Bank zu spielen. Er taucht unter, degradiert sich beruflich in der Verchromungsstation einer Fabrik und gewinnt die geradezu hysterisch zukunftsorientierte Liebe einer Kollegin.

„Sie erwies sich als unvorstellbar gute Hausfrau.“

Un-Su Kim schildert die Berufsmörderbranche als Metabusiness. Die titelstiftenden Plotter sind Unternehmer, die ihren Auftraggebern geräuschlose Auftragserfüllung garantieren. Patzen sie, sind sie sofort weg vom Fenster. Wie auf einem Fließband rückt ein anderer bis zu ihrer Stelle auf. Un-Su Kim gewinnt dem seriellen Charakter der Angelegenheit viel ab. Er beschreibt die Prozesse der Ablösung in ihren Varianten. Die Agenten der Mordmühlenbesitzer bezeichnet er als Einwegspritzen, deren Wegwerfcharakter sie von Würde freistellt und es ihnen noch nicht einmal erlaubt, sich mit einem negativen Schwur zu identifizieren. Es gibt keine Räuberehre und schon gar keinen Kriegerkodex für schlichte Totmacher. 

Neben Killern agieren Tracker (Späher) und Cleaner (Killerkiller).   

Der kommende Mann heißt Hanja. Unter der Oberfläche leichtfertigen Betragens lauert ein Predator. Raeseng tippt auf einen Alligator.   

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