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19.11.2019, Jamal Tuschick

#30jahremauerfall

„Hamlet“ als letztes Stück (der) DDR

Dagmar Manzel hilft Margarita Broich in den Rollstuhl - Hamlet/Hamletmaschine, Deutsches Theater 1990

Was du getötet hast, sollst du auch lieben. Ulrich Mühe als Hamlet 1990 

„Meines Vaters Geist in Waffen, das ist nicht gut“ – Hamlet 1990 – Ich sehe mir Heiner Müllers „Hamlet“-Inszenierung am Deutschen Theater auf DVD an.

„Mich gehen diese (römischen) Kaiser nichts an ... mich interessiert nur, dass sie zu Text von Tacitus geworden sind.“ Heiner Müller

Dänemark im Packeis, der Kontinent im Planetensturm. Die DDR vor ihrer Auflösung – Müller inszeniert „Hamlet/ Hamletmaschine“ 1990 als lange Strecke am Deutschen Theater. „Was du dem Zuschauer nicht antun willst, das tut er dir an.“ Westliche Berichterstatter sprechen voller Vertrauen in den Abstand von „Ost-Berlin“ und „DDR-Dramatik“. Die deutsche Spaltung ist nicht nur noch sichtbar, sondern nun auch zu besichtigen wie ein Riss in der Erde. In den Köpfen steht die Mauer.

Darum geht es bei Müller, und im Augenblick geht es darum überall: Was macht man mit Erfahrungen, die sich nicht begreifen lassen? Was machen Erfahrungen mit einem, der sie nicht begreift?

„Aus dem Ruf nach mehr Freiheit wird der Schrei nach dem Sturz der Regierung“, heißt es nach ein paar Stunden „Hamlet“. Im Erfahrungsdruck kondensiert der Text. Erst bei Shakespeare, dann bei Müller. Er arbeitet mit seiner eigenen Übersetzung. Geprobt wurde „Hamlet“ noch unter Honecker, gespielt wird nach dem Abgang der Gerusia. Die politischen Ereignisse erreichen Höhen des elisabethanischen Theaters. Müller: „So lange Shakespeare unsere Stücke schreibt.“

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