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20.11.2019, Jamal Tuschick

Berlin/Wedding. Vorgestern Abend im Silent Green. Der Jugendrat (der von Claudia Langer ins Leben gerufenen) „Generationen Stiftung“ präsentierte eine visionäre Gemeinschaftsleistung: „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“, geschrieben von acht Jugendrät*innen, erschienen im Blessing Verlag/Randomhouse, stand schon vor der Veröffentlichung auf den ersten Plätzen der Amazon-Bestsellerlisten „Umwelt“, „Klima“ und „Verkehr“. Eine zweite Auflage ging in den Druck, bevor die erste den Handel erreichte.

„Wir leben im Ausnahmezustand“

„Der freie Wettbewerb hat uns an den Rand des Abgrunds geführt.“ So antikapitalistisch argumentierte der Jugendrat der Generationenstiftung vorgestern Abend im Silent Green. Der Kulturanker im Deep-Wedding war mal ein Krematorium. 

(c) Hannah Hernández

(c) Hannah Hernández

(c) Hannah Hernández

(c) Hannah Hernández

Oben links sehen Sie Maja Göpel und Hans-Joachim Schellnhuber. Links unten sehen Sie den Empowerment-Stuhlkreis, gebildet von Claudia Langer, Sarah Hadj Ammar, Franziska Heinisch und Melanie Stein. Daneben in Front: Sarah Hadj Ammar und Franziska Heinisch.

Ökologischer Kollaps

Dystopien bestimmen den Diskurs. Der Jugendrat stemmt sich den vielen negativen Entwürfen von Welt und Sein entgegen. Er tut alles für die Zukunft. Er begreift sich als Motor und Treiber.

„Wenn, dann richtig“, verkündete Franziska Heinisch gewohnt kämpferisch. Ermutigt wurde der Jugendrat auch von Maja Göpel, die zu den konsultierten Expertinnen zählt. Göpels gänzlich unabgeklärter Politikansatz startet mit einer Frage.

Wikipedia weiß: „Maja Göpel ist eine deutsche Politökonomin, Expertin für Klimapolitik und die Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen. Zudem ist sie Hochschullehrerin, zuletzt im Rahmen einer Honorarprofessur an der Leuphana Universität Lüneburg.“

„Warum machen wir uns nicht die Gesellschaft so, wie wir sie uns wünschen.“

Göpel will die Beweislast umdrehen, so dass die transkontinental agilen Puppenspieler*innen die Ruchlosigkeit ihres Tuns nicht mehr einfach so im Grün-Waschgang illusionieren können.

Göpel zitierte aus der Transformationsforschung. Sie erklärte dem begeisterten Publikum das Phänomen des implodierenden Giganten. Ich habe gestern bereits davon unter der Überschrift

Zusammenbruch ohne Niederlage

berichtet.

„Die Zukunft ist das Ergebnis von dem, was wir heute denken.“

Bald mehr.

Die Autor*innen

Eine Jugendratsforderung als Menetekel

Generation Haltung

Heute ist es einfacher, sich über Staatsgrenzen hinweg mit der eigenen Kohorte zu verständigen als über Generationen hinweg mit den eigenen Eltern. Die Grunderfahrung der Quartiermacher ist der Verlust an Prägungskraft. Das erkennen Ivan Krastev und Stephen Holmes in ihrer wegweisenden, explizit als „Abrechnung“ deklarierten Analyse „Das Licht, das erlosch“.

Der Jugendrat der Generationen Stiftung definiert sich als treibende Kraft in die entgegengesetzte Richtung. Er postuliert die „Generation Haltung“. In ihr treffen sich die Klimagerechten altersunabhängig.  

„Seid ihr dabei?“ fragten die Aktivist*innen im Kulturankerzentrum Silent Green.

Der Jugendrat wendet sich mit seinem ersten Buch „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“ an die deutsche Politik und stellt 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft - mit einem Vorwort von Harald Lesch. 

Fünfhundert Premierengäste meldeten ihre Bereitschaft, die Schranken der Alterssegregation zu überwinden und in das Offene einer neuen Politik vorzustoßen.

Zusammenbruch ohne Niederlage

Klimaexperte Hans-Joachim Schellnhuber bezeichnete sich in seiner Vorrede als Bündnispartner in einer Allianz der Generation Haltung. Er bat die Jugend der Welt, nicht nachzulassen in ihrer Radikalität, um auch seinen Enkel*innen ein Leben unter Jetzt-Bedingungen zu ermöglichen.

Selbstverständlich sei das aktuelle Klimapaket unzureichend. Wie einst die Sowjetunion, steuere nun der neoliberale Turbokapitalismus in seiner Totalität auf einen Zusammenbruch ohne Niederlage zu. Die globale Erwärmung birgt beträchtliche Renditechancen.

Die Umwelt darf nicht kollabieren.

Plutokratische Exzesse

Solange „fossile Brennstoffe die lukrativste Substanz der Welt“ (Bill McKibben) sind, werden alte weiße Männer mit Macht im wachsenden Schadstoffausstoß ihr Heil suchen. Die globale Erwärmung verlängert die Spannen der Exploitation unter arktischen Bedingungen. Das Kapital denkt den Klimawandel vom anderen Ende. In seiner Regie werden Bohrinseln gebaut und in Stellung gebracht, die sich dem steigenden Meeresspiegel gewachsen zeigen sollen.

Seit der Feststellung des Treibhauseffekts vor dreißig Jahren haben sich die CO2-Emissionen weltweit verdoppelt. Mehr als die Hälfte der Gase werden in den alltäglichsten Abläufen freigesetzt.

Kann es einen Wandel der Welt ohne eine neue Ordnung und ohne die totale Entmachtung der alten Spieler geben?

„Dreizehn Millionen Deutsche sind vom Wahlrecht ausgeschlossen, nur weil sie unter achtzehn sind.“

„Ihr (Alten) seid zu langsam.“

Der Vorwurf zieht sich wie ein roter Faden durch den Diskurs des Jugendrats.

Ihr bewegt euch im Takt eurer Lebenserwartung. Aus egoistischen Motiven versaubeutelt ihr unsere Zukunft.

Der Jugendrat hatte zur Premiere alle Minister*innen und Bundestagsabgeordnete eingeladen und zudem um eine Stellungnahme gebeten. Gekommen waren allein drei Berufspolitiker*innen. Die Träger*innen der Regierungsverantwortung aka Versager*innen an der Klimagerechtigkeitsfront verzichteten ganz überwiegend auf die Chance, sich zu erklären und vielleicht auch zu entschuldigen, bei denen, die ihre Fehler ausbaden müssen.  

Der Jugendrat der Generationen Stiftung wendet sich mit seinem ersten Buch „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen!“ an die deutsche Politik und stellt 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft - mit einem Vorwort von Harald Lesch

Warum aber ist „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen – 10 Bedingungen für die Rettung unserer Zukunft“ genau das Buch der Stunde? Millionen junger Menschen haben sich im vergangenen Jahr politisiert. Sie wollen die Untätigkeit der Politiker*innen auf zahlreichen Handlungsfeldern – nicht nur dem der Klimapolitik – nicht länger hinnehmen. Dieses Buch ist die rebellische Anklage der jungen an die alte Generation, an überkommene (Lobby-)Politik, die nicht generationengerecht handelt. Doch nicht nur klagen die Jungen an – sie legen einen klar durchdachten Plan zur Rettung unser aller Zukunft dar. Der durch zahlreiche TV-Sendungen bekannte Physiker Harald Lesch, Mitglied des Kuratoriums der Generationen Stiftung, hat die jungen Autoren beim Schreiben beratend unterstützt. Er formulierte in seinem Vorwort zu „Ihr habt keinen Plan also machen wir einen“: „Es ist beschämend, dass dieses Buch geschrieben werden musste.“

Bestsellerautor Frank Schätzing („Der Schwarm“) über „Ihr habt keinen Plan, darum machen wir einen“: 

„Während die Erwachsenen noch übers Schuleschwänzen lamentierten, haben die Jungen ihre Hausaufgaben gemacht – und die ihrer Kritiker gleich mit. Herausgekommen ist ein kluges und kontroverses Buch, dessen Verfasser*innen sicher nicht alles besser wissen, unbestreitbar aber besser verstanden haben als die Eliten aus Politik und Wirtschaft, was jetzt geschehen muss, um unseren Lebensraum vor irreparablem Schaden zu bewahren.

Ich möchte Ihnen hiermit dieses spannende Buch, in dem alle brennenden Fragen des großen Themenkomplexes der Generationengerechtigkeit behandelt werden, ans Herz legen.“

Gregor Gysi erklärt nach der Lektüre: „Man muss nicht alle Forderungen der Jugend teilen, aber es ist mehr als gut, dass sie rebellisch wird. Sie muss uns Alten zeigen, dass es weniger um unsere, sondern um ihre Zukunft geht. Deshalb haben sie ein Recht, uns endlich und deutlich unter Druck zu setzen.

 Der Klimaexperte Hans Joachim Schellnhuber, der als beratender Experte mitgewirkt hat, urteilt: „Was die Welt jetzt braucht, ist der Mut und die Hoffnung der Jugend. Lasst Euch nicht täuschen von denen, die Euch einreden wollen, dass die Erde nicht mehr zu retten sei. Denn das sind genau diejenigen, die nie ernsthaft versucht haben, sie zu retten.“

TV-Umweltaktivist Hannes Janicke: „Danke für dieses Buch!“

 Hauptautorin Franziska Heinisch, 19, Jurastudentin aus Heidelberg, begründet ihr Engagement und erklärt, warum sie und sieben weiteren Aktivist*innen des Jugendrats dieses Buch schreiben und einen Plan zur Lösung unserer dringendsten Probleme erarbeiten mussten, dazu Nächte durchdiskutierten und -schrieben, auf Ferien verzichteten oder auch Urlaubssemester nahmen:

Wir haben Angst um unsere Zukunft. Und wir haben das Gefühl, dass die Entscheidungsträger*innen scheinbar keinen Plan zur Rettung unserer Zukunft haben. Deshalb haben wir jetzt selbst einen Plan erstellt - bestehend aus 100 konkreten Maßnahmen, die mit Wissenschaftler*innen abgeglichen wurden. Unser Plan beginnt bei der Klimakrise - allein schon wegen der Dringlichkeit -, hört dort aber nicht auf. Wir glauben, dass sich die großen Probleme unserer Zeit nur gemeinsam lösen lassen. Also haben wir weitergedacht: beim Thema Wirtschaft, bei sozialer Gerechtigkeit, bei Seenotrettung und Menschenrechten, bei Frieden und Digitalisierung. Wir wollen mit dem Buch eine Debatte erzeugen, die bleibt und Veränderung bewirkt. Denn jeden Tag nimmt die Katastrophe, in die wir hineinrasen, größere Dimensionen an.“

In genau recherchierten Beiträgen, die mit den Erkenntnissen anerkannter Wissenschaftler (z.B. H.J. Schellnhuber, H. Lesch, M. Göpel u.v.m.) abgeglichen sind, warnen die Autor*innen vor den existenziellen Gefahren, denen sich die heutigen 14- bis 25-Jährigen und die nachkommenden Generationen ausgesetzt sehen.

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