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30.11.2019, Jamal Tuschick

Ennui - Ein Gedicht von Lina Atfah

Die syrische Dichterin Lina Atfah - fotografiert von ihrem Mann Osman Yusufi

Lina Atfah lebt als Geflüchtete in einer Arbeits- und Lebenssymbiose mit Osman Yousufi in Berlin. Von manchen Gedichten werden verschiedene Fassungen überliefert - in dem im Pendragon Verlag erschienenen Band Das Buch von der fehlenden Ankunft

Verleger Günther Butkus berichtet, dass mitunter drei Übersetzer an zwei Sätzen feilten. Nach seinen Begriffen schaffen Transformationen zwischen Sprachen „neue Bücher“, die als bloße Übersetzungen anzusprechen, eine Verkürzung sei. Deshalb sei es sinnvoll, Dostojewski alle zwanzig Jahre neu zu übertragen. Große Werke wachsen weiter im kulturellen Transfer. Wir kennen das auch von Joyce und Nabokov.

„Wir sind diejenigen, die den Gesang erschufen.“

– Was tut die Sprache?

Sie hält dir einen Spiegel vor, in dem du die Einsamkeit bar

jeden Lärms siehst

– Wo soll ich hin mit meinen Gedichten?

Hebe ein Grab aus im Kissen und schlaf, so werden die Träume

wahr

– Was mache ich mit den Wolken?

Starre sie an, schon werden sie Regen

– Was fange ich an mit den Engeln auf meinen Schultern?

Rauche – der duftige Dunst lässt sie fliehen

– Was tun mit den Schmetterlingen, die die Luft liebkosen?

Zünde sie an und folge den Flammen

– Wie werde ich all die Gedanken los?

Mit dem Stock des Begehrens

– Was stelle ich an mit der Zeit?

Zerpflück sie als wär’s ein Granatapfel

– Was soll ich lesen?

Lies, was im Verborgenen ruht

– Warum sterben die Dichter?

Um die Unsterblichkeit ihrer Namen zu prüfen

– Warum sterben die Tyrannen?

Damit die Völker leben können

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