MenuMENU

zurück zu Main Labor

03.12.2019, Jamal Tuschick

Ein existenzieller Augenblick auf Dauer gestellt - Eckart Britsch bejubelt Giuseppe Tomasi die Lampedusa

Der Roman von Giuseppe Tomasi die Lampedusa ist kein „historischer“ Roman, sondern steht darüber, denn er ist für allen Zeiten gültig. Sein Fälligkeitsdatum ist der 11. Mai 1860  - die Landung von Garibaldi auf Sizilien. Der Roman bezaubert ohne Ende: ein existenzieller Augenblick auf Dauer gestellt. Das entfachte Feuer des Liberalismus. Die Schönheit der falschen Übersetzung gilt auch hier. Dass Il Gattopardo eine Pardelkatze ist, weiß mittlerweile jeder. Daher ist es erlaubt, sie Leopard zu nennen. Übersetzungen haben immer fahrplanmäßig Befürworter und Gegner. Mir gefallen bei Ulysses manche Sätze - besonders der erste - von Georg Goyert aus dem Jahre 1927 besser als die von Hans Wollschläger aus dem Jahre 1975 mit den vielen Fummeleien. Doch auch vor ihr habe ich Respekt. Der Anspruch von erstklassig ist immer Real-time-Feeling oder mit mehr Prachtentfaltung die Echtzeit. „Der Leopard“ ist ein Volltreffer. Vergleichbar mit Margaret Mitchells „Gone by the wind“ (Vom Winde verweht) mit dem Traumpaar Scarlett O'Hara und Rhett Butler. Beide Romane entwickeln ihre Großartigkeit auch deshalb, weil die Leser weder über die Katastrophenangst und das Katastrophenheil des Risorgimento und der Sezessionskriege da große Ahnung haben. Es sind einmalige Traumerzählungen, ohne die eine Welt trostlos wäre.

Newsletter bestellen
Textland auf Facebook
Karten bestellen