MenuMENU

zurück zu Main Labor

09.12.2019, Jamal Tuschick

Die bedeutendsten Maler des Japonismus waren Claude Monet, Vincent Van Gogh und Gustav Klimt. „Was uns im Westen besonders beeindruckt hat, ist diese kühne Art und Weise, die Sujets zu beschneiden: Diese Leute (die Japaner) haben uns eine andere Art der Bildkomposition gelehrt, daran besteht nicht der geringste Zweifel.“ Claude Monet

Japonismus

Die japanische Brücke über dem Seerosenteich in Monets Garten in Giverny ist das bekannteste Beispiel für den Japonismus.

In der europäischen Wahrnehmung war Japan das Ereignis einer plötzlichen Öffnung.  Mitte der 1850er Jahre sah sich Japan nach Jahrhunderten der freiwilligen Isolation gezwungen, seine Häfen zu öffnen. Das ging dann so schnell, dass sich der Westen die Augen rieb. Geschwindigkeit* bewahrte Japan davor, den chinesischen Weg gehen und sich dem Westen ausliefern zu müssen. Maler reagierten auf einen Doppelschlag, in dem starke Autonomiebehauptungen und die Bereitschaft zur Anpassung wie in einer Kernschmelze fusionierten. 
„Was uns im Westen besonders beeindruckt hat, ist diese kühne Art und Weise, die Sujets zu beschneiden: Diese Leute (die Japaner) haben uns eine andere Art der Bildkomposition gelehrt, daran besteht nicht der geringste Zweifel.“ (Claude Monet) 
 
*In Rekordzeit fand ein mittelalterlicher Militärstaat den Weg in die globale Zukunft. Das Tempo war Staatsräson. Die Industrialisierung brachte die Mittel für eine Aufrüstung. Die Kriegsräte frohlockten: Wenn das nächste Mal ein amerikanisches Kanonenboot vorbeischwimmt, schießen wir es mit Gaijin-Knowhow zu Klump.

Links Iemitsu, rechts Mutsuhito

„Deine Pläne sollen dunkel und undurchdringlich sein wie die Nacht, und wenn du dich bewegst, dann stürze herab wie ein Blitzschlag.“ Sunzi

Tokugawa Iemitsu, dritter Shogun der Tokugawa-Dynastie, schloss Japan 1633 von der Welt ab. 1867 veranlasste Mutsuhito (nach einer erzwungenen Öffnung japanischer Häfen) die rapide Beschleunigung des Fortschritts, um Fremdherrschaft zu vermeiden. Zum ersten Mal in der Landesgeschichte war unter seinem Vater eine Invasion nicht vollständig abgewiesen worden.

Freiwillige Isolation

Tokugawa Iemitsu, dritter Shogun der Tokugawa-Dynastie, schließt Japan 1633 von der Welt ab. Das Shogunat beschränkt den Kontakt zu Europäern auf Vertreter der „Verenigden Oostindischen Compagnie”, die ab 1640 als Expatriierte auf einer stinkenden, aus dem Meerbusen vor Nagasaki ragenden, mühsamer Landgewinnung abgetrotzten Erhebung namens Dejima konzentriert werden. So unbequem die Verhältnisse auch liegen, sie bieten sich doch einer Monopolstellung, die erst von amerikanischer Kanonenbootpolitik 1853 gebrochen wird, zur Nachsicht an. Dass die kleinen Niederlande Portugal ausstechen, hat jedenfalls auch diesen Grund: die Protestanten missionieren nicht. Anders als jene katholischen Imperialisten, die Japan am Ende der Magellanstraße „entdeckten” und ihre koloniale Doppelstrategie (Rettung der Seelen, Plünderung der Ressourcen) nach Schema F repetierten. - Und auch wieder nicht. Die besonderen kulturellen Formate Japans werden von allen Reisenden geschildert. Im Gegenzug studieren Japaner europäische Vorsprünge (nach der Abschottung im Rahmen der Hollandkunde-Rangaku).

Die Dutch East India Company hat keinen hoheitlichen Status. Japan unterhält diplomatische Beziehungen zu einem Handelshaus. Die niederländische Regierung erwartet von den jährlich wechselnden Faktoreivorstehern, dass sie über den Betrieb hinausreichende Interessen wahrnehmen und die Vorteile abfischen, die sich aus dem Alleinvertretungsanspruch ergeben.  

Tokugawa Iemitsu betreibt unter seinen Leuten Christenverfolgung im römischen Stil. Viel weiß man über den im Reichseinigungskampf erfolgreichen Shogun von François Caron. Der Sohn hugenottischer Flüchtlinge kommt als Küchenhelfer auf einem holländischen Schiff nach Japan. Er bildet sich zum Dolmetscher aus und findet in dieser Rolle Verwendung beim Fürsten. 1639 wird Caron Chef der Niederlassung. Später orientiert er sich nach Batavia. Er kämpft gegen die Portugiesen auf Ceylon (Sri Lanka). Als Gouverneur auf der Insel Formosa erreicht Caron einen Karrierehöhepunkt. Schließlich entkleidet er sich seiner niederländischen Würden und tritt in französische Dienste. In Frankreich nimmt man ihn als Franzosen und so auch als den ersten Franzosen, der in Japan zum Schriftsteller wurde.

Gaijin-Knowhow

Ein japanischer Ritter sah in einem japanischen Bauern so wenig seinesgleichen wie in einem Hund. Eine Nationalisierung der Gesellschaft auf allen Ebenen fand erst nach der erzwungenen Öffnung des Landes im 19. Jahrhundert statt. Der Homogenisierung des Volkskörpers folgte die Einführung einer bürgerlichen Verfassung im Geist des Code civil. Andere Monarchien bremsten den Fortschritt, Mutsuhito, der 1867 vierzehnjährig den Thron bestieg, seine Residenz von der ewigen Kaiserstadt Kyōto nach Edo verlegte und im Zuge der Meiji-Restauration einer westlich orientierten Oberschicht Raum gab, beschleunigte den Fortschritt, um Fremdherrschaft zu vermeiden. Zum ersten Mal in der Landesgeschichte war unter seinem Vater eine Invasion nicht vollständig abgewiesen worden.

China in Agonie vor Augen, suchten westliche Potentaten ihren Vorteil mit der Vorstellung, Japan ließe sich so einfach erniedrigen wie andere asiatische Staaten.

In Rekordzeit fand ein mittelalterlicher Militärstaat den Weg in die globale Zukunft. Das Tempo war Staatsräson. Die Industrialisierung brachte die Mittel für eine Aufrüstung. Die Kriegsräte frohlockten: Wenn das nächste Mal ein amerikanisches Kanonenboot vorbeischwimmt, schießen wir es mit Gaijin-Knowhow zu Klump.

Um 1900 war Japan eine im Gegenwartsanzug versteckte Feudalgesellschaft mit moderner Armee. Das Kastendenken verschmolz mit dem Nationalismus in den Kasernen. 1945 wurde die kaiserliche Marine versenkt und der pazifische Pazifismus verordnet. Artikel 9 der japanischen Verfassung verbietet den Unterhalt einer Armee. An ihrer Stelle halten die Selbstverteidigungsstreitkräfte seit den Fünfzigerjahren den Traum von einem militärischen Wiedererwachen am Leben.

„Ergreife des Feindes Schwert, kehre es um, und erschlage ihn damit.“ Takuan Shuho

Wirtschaft ist Krieg und Kyokushin Karate die Schrumpfform einer Kriegskunst. We are warriors on the budo path. Schon Ende der Sechzigerjahre verdrängte Japan die Bundesrepublik von Platz drei der wirtschaftlich stärksten Nationen. Nur hundert Jahre zuvor hatten Samurai mit dem Schwert nicht anders als im Mittelalter für ein Land ohne Dampfmaschinen gefochten. Es gab kein hochseetaugliches Schiff, keine Eisenbahn und keine Universität in Japan.

Die Hauptinsel ist kleiner als Frankreich und nur ein Drittel der Fläche bietet sich einer Nutzung an. Vierundfünfzig Vulkane bedrohen die Bevölkerung. Siebentausend Erdbeben werden im Jahr registriert. Bodenschätze sind rar.

Newsletter bestellen
Textland auf Facebook
Karten bestellen