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05.01.2020, Jamal Tuschick

Dem überkonfessionellen Dialog Raum gibt die Seniorenschrift „Mutige Entdecker bleiben“. Der Band versammelt Porträts jüdischer und muslimischer Bürger in Deutschland, deren Herkunftsgeschichten Nachrichten aus aller Welt verkünden. Schalom – Salam: Die phonetische Nähe weist den Weg in ein etymologisches Unterholz der Gemeinsamkeiten auf einer Folie biografisch-geografische Diversität etwa zwischen Riga, Lahore und Bielefeld. Dem überkonfessionellen Dialog Raum gibt die Seniorenschrift „Mutige Entdecker bleiben“. Der Band versammelt Porträts jüdischer und muslimischer Bürger in Deutschland, deren Herkunftsgeschichten Nachrichten aus aller Welt verkünden. Schalom – Salam: Die phonetische Nähe weist den Weg in ein etymologisches Unterholz der Gemeinsamkeiten auf einer Folie biografisch-geografische Diversität etwa zwischen Riga, Lahore und Bielefeld.

Gesellschaftlicher Kompass

Der jüdisch-muslimische Dialog dient „der Prävention und dem Abbau von Antisemitismus“. Das betonen Daniel Botmann, Geschäftsführer des Zentralrats der Juden, und Dmitrij Belkin, Projektleiter von „Schalom Aleikum“, in einer gemeinsamen Vorrede: „Wir erheben den Anspruch, einen gesellschaftlichen Kompass für ein Schlüsselerlebnis der deutschen Gegenwart zu schaffen.“

Bei einer älteren Gelegenheit ergab sich die schöne Formulierung:

Das Präventionspotential der Poesie

Dieser Chance widmet sich der Band „Mutige Entdecker bleiben“, der im Mainlabor zum Gegenstand verzweigter Erörterungen werden soll. Jannis Panagiotidis (Universität Osnabrück) bilanziert in einer akademischen Revue: Nach dem Zweiten Weltkrieg war die deutsche Gesellschaft bei weitem nicht so homogen wie die Herolde einer fatalen Neo-Romantik in ihrem falschen Vaterlandslied so gern singen. Panagiotidis erinnert an verschleppte osteuropäische Juden, für die es kein Zurück mehr gab, weil sie kein Zuhause mehr hatten.

„Es war mit den Familien der Überlebenden der deutschen Vernichtungspolitik zum Opfer gefallen.“

Dazu kamen osteuropäische Juden „auf der Flucht vor antisemitischer Gewalt (wie z.B. beim Pogrom von Kielce 1946).

Als Displaced Persons suchten sie Schutz in alliierten Refugien. Viele sahen ihre Zukunft in Israel. Der Staat kündigte sich bereits an. „Manche blieben aber in Deutschland.“ Es bildete sich „die erste kleine Nachkriegsgemeinschaft von Juden in Deutschland“.

Sie entstand auf dem schwankenden Grund einer in allen Gliederungen des Lebens aktiven Traumatisierung.

Der größte Triumph der Täter ist die Sprachlosigkeit ihrer Opfer

Man improvisierte „auf gepackten Koffern“. Zwischen Auspacken und Auswandern mehrten sich die Diversifikationen. „Rückkehrer aus Israel und anderen Zufluchtsländern“ erweiterten die Gemeinden und Muster im Prägestock der Diversität.

Juden im Land der Täter – „Der jüdische Staat und internationale jüdische Organisationen waren (davon) nicht begeistert.“

Es ist ein Verdienst der Publikation, diesen Dissens wenigstens mit einem Streiflicht zu erhellen.

Die Bundesregierung, so Panagiotidis, „versuchte manchmal, die Einreise und Niederlassung von Rückkehrern zu verhindern“.

Bald mehr.   

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