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11.01.2020, Jamal Tuschick

Versäumnis und Versagen – Sowohl Naomi Klein als auch Carola Rackete erkennen in dem Zusammenhang zwischen Kolonialismus und Klimakrise eine moralische, Katharsis anmahnende Krise des Westens. Angesichts der katastrophalen Auswirkungen unseres Lebensstils sei es höchste Zeit, die anglosphärische Leitidee „von der unerschöpflichen Natur“ aufzugeben. Klein nennt diese Vorstellung eine Folge von Erfahrungen, die Einwanderer auf den Territorien der Vereinigten Staaten, Kanadas und Australiens machten. „Die mit enormem natürlichem Reichtum ausgestatteten Gebiete“ wurden als „neue Welten“ begriffen, in denen man Weltraumfreiheit genoss. Die Migranten kamen aus erschöpften Ländern, „in denen die ausbeutbare Natur knapp geworden war“. Die neuweltliche Fülle stiftete einen Gründungsmythos, der sich „tief in die nationalen Narrative“ einschrieb.

Tough & Decisive

Der Widerstand gegen nobilitierte Klimaknilche findet seine radikalste Kohorte in der Sonderbarkeit von „Mittelstandskindern mit Hochschulabschlüssen und Jobs“. Sie sind es, die „den sozialen Krieg, der seit geraumer Zeit an den Rändern des globalen Systems tobt“, auf die Magistralen des siechen Imperiums tragen. Der Publico-Partisan Paul Mason beschreibt Bürgerkriegsszenen am Tag von Trumps Inthronisierung in der Stadt des Weißen Hauses. „Mit Veteranen der Berichterstattung über Länder, die den Bach runtergehen“, klatscht Mason sich ab, während er sich an Szenen in Istanbul erinnert fühlt.

Diskurslücke

In allen Sonntagsreden vom menschengemachten Klimawandel im Anthropozän kursiert die Behauptung, sämtliche Earthboomer stünden auf einer Linie der Verantwortung und seien gleichermaßen in der Not, die Folgen des Klimawandels hinzunehmen oder abzuwehren. Das entspricht einer Perpetuierung der Verursacherperspektive. Die im Geist des Nordens initiierte globale Erwärmung trifft den globalen Süden viel härter als die Klimamacher*innen und die Cliquen ihrer Premium-Profiteur*innen.  

In der Externalisierung von Umweltkosten steckt jede Menge Rassismus.  

Der Norden imaginiert sich als die Sphäre des Guten.   

Dabei sichert er seine Positionen seit Jahrhunderten auf Kosten des Südens. Ohne Rassismus ginge das überhaupt nicht.Klimawandel & Rassismus müssen zusammen gedacht werden. Die Klimakrise gewinnt da ihre Totalität zuerst, wo die Gesellschaften von kolonialen Hierarchien aus ihren ursprünglichen Verankerungen gezogen wurden. Der Klimawandel ist auch insofern die Fortsetzung der weißen Gewalt mit anderen Mitteln.

Der weiße ökologische Fußabdruck im Nacken dem Menschen des Globalen Südens ...

Klein strebt nach einer neuen kosmologischen Vision. Die Stellung des Menschen im Universum bedarf einer Korrektur.   

Der Dreck und die Krisen des Westens werden in den Globalen Süden exportiert. Carola Rackete und Naomi Klein bestimmen die rassistischen Dimensionen sozialer Probleme.   

Rackete schreibt: „Wenn die Klimakrise sich verschärft, müssen sich ungleich mehr Menschen einen neuen Wohnort suchen. Und dann ist das, was ich im Mittelmeer gesehen habe, nur ein Vorgeschmack auf das, was in Zukunft Millionen droht.“

Manche Expert*innen datieren das Anthropozän auf den Beginn der kolonialen Ausschlachtung Amerikas. Viele berufen sich auf Françoise Vergès. Die Politikwissenschaftlerin deutet die Klimakrise als Folge eines bestimmten Menschenbildes“. Sie fordert: Wir müssen uns alle dekolonisieren und eine neue Kosmovision entwickeln.

Françoise Vergès

Koloniale Kontinuität    

Bereits in den 1980er Jahren wurde in einer Graswurzelrecherche ein Zusammenhang zwischen Umweltverschmutzung und Rassismus hergestellt. Zweidrittel aller US-amerikanischen Mülldeponien stanken/stinken in Schwarzen Nachbarschaften.

Nimby - not in my backyard: Die weiße lobbyistisch flottgemachte Devise wies/weist dem Müll, Gestank und Lärm seine Plätze zu.   

Der Dreck und die Krisen des Westens werden nicht nur in den Globalen Süden exportiert, sondern auch in die von Migration und Schwarzer Armut geprägten Territorien der exportierenden Staaten.

Luftverschmutzung tötet Menschen wie Malaria und Aids. In der Umweltzerstörung beweist sich koloniale Kontinuität.

Wissenschaftler*innen beschreiben die kleine Eiszeit ab 1610 (bis ins 19. Jahrhundert) als direkte Folge des Kolonialismus. Eine paläoklimatologische Hypothese nimmt an, dass der spanische und portugiesische Auftritt in Amerika großflächig die ursprüngliche Landwirtschaft zum Erliegen brachte. Diverse Genozide und eingeschleppte Krankheiten könnten eine breite Wiederbewaldung begünstigt und im Geleit eine Verminderung der (die kleine Eiszeit auslösenden) CO2-Konzentrationen bewirkt haben.

Manche Expert*innen datieren das Anthropozän auf den Beginn der kolonialen Ausschlachtung Amerikas. Viele berufen sich auf Françoise Vergès. Die Politikwissenschaftlerin deutet die Klimakrise als Folge eines bestimmten Menschenbildes“. Sie fordert: Wir müssen uns alle dekolonisieren und eine neue Kosmovision entwickeln.

Am Weltabend

Die polyglotte Naturschutzmanagerin und Nautikerin war an Polarexpeditionen beteiligt. Sie lenkte einen deutschen und einen britischen Eisbrecher und fuhr auf dem Greenpeace-Forschungs- und Kampagnenschiff „Arctic Sunrise“. Als Verantwortliche auf der „Sea-Watch 3“ traf Carola Rackete eine weltweit diskutierte Entscheidung. Sie setzte sich über ein Verbot des italienischen Innenministeriums hinweg, indem sie ihr Schiff mit vierzig aus dem Mittelmeer geretteten Geflüchteten an Bord (und einundzwanzig Crewmitgliedern) in den Hafen von Lampedusa steuerte.

„Handeln statt Hoffen. Aufruf an die letzte Generation“ - Der Titel könnte in seiner ganzen Komplexität auf einen Vers von Hölderlin anspielen: „Wir sind am Abend unsrer Tage. Wir irrten oft, wir hofften viel und taten wenig. Wir wagten lieber, als wir uns besannen. Wir waren gerne bald am Ende und …“

Wir sind am Abend unserer Welttage. Wir hofften zu oft und taten zu wenig. Nun lasst uns handeln statt hoffen. Wir sind die letzten, die in das Rad der Klimageschichte mit Erfolg greifen können.

Das ist die Botschaft. Ihr zu folgen, bedeutete für Carola Rackete sich über geltendes Recht hinwegzusetzen.

Carola Rackete, „Handeln statt Hoffen. Aufruf an die letzte Generation“, Droemer Knaur, 170 Seiten, 16,-

Sechzehn Tage wartete Rackete auf die Erlaubnis, einen Hafen der Europäischen Gemeinschaft anlaufen zu dürfen. Die Kapitänin schildert, wie die Bojen der Hoffnung sich von ihren Ankern lösen und davontreiben. Es ist glühend heiß an Bord, die Geborgenen sind „entkräftigt und mutlos“.

Jeder Notfall könnte nun tödlich verlaufen. Die Küstenlinie von Lampedusa schimmert wie ein Schmucksaum.   

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„Wo sind denn die Männer?“

Das fragt Hindou Oumarou Ibrahim in einem Vorwort zu Carola Racketes Handlungsaufforderung. Auf der Suche nach Arbeit wurden die Männer zu Nomaden. Viele existieren in der Armut von Tagelöhnern an den Rändern afrikanischer Mega-Agglomerationen. Nicht wenige erdulden das Schicksal von in die Sklaverei Verschleppten. Die Wenigsten befinden sich auf Rettungsbooten im Mittelmeer oder in den Flüchtlingslagern auf dem europäischen Festland.

Die Aktivistin verschränkt die Nöte der Chancensucher mit Folgen des Klimawandels.

„Unsere fruchtbaren Felder verwandeln sich in Wüste.“

Stets war die Natur eine Verbündete indigener Gemeinschaften. Sie ist nun zur Feindin jener geworden, die sie am meisten achten.

Tagelang anhaltende Temperaturen über 50 Grad töten Menschen und Tiere.

Hindou Oumarou Ibrahim nennt den Klimawandel „eine Krankheit, die Seen auslaugt, aber auch die Herzen“ der Anrainer. Kaum jemand verstünde den Zusammenhang zwischen dem luxuriösen Lebensstil des globalen Nordens und der Dürre im Süden.

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Die Rückkehr der Wolfsbarsche

„In Süditalien herrscht ein gewissen Unvermögen zu kommunizieren, Frucht einer jahrhundertealten Kultur, in der das Schweigen ein Ausdruck von Männlichkeit war.“

Das Gesetz des Schweigens, die Omertà, wird mitunter gebrochen. Alle Bewohner*innen von Lampedusa sind mit dem Tod einer neuen Boatpeople-Generation vertraut. Die Dauerschleife des Sterbens auf See wirkt sich auf das Inselklima aus. Das berichtet Davide Enia in seiner Recherche „Schiffbruch vor Lampedusa“.

Bevor das Mittelmeer zum Massengrab wurde, gab es vor Lampedusa keine Wolfsbarsche mehr. Die Rückkehr des Branzino, sein starkes Aufkommen in Küstennähe, zeigt an, was auf Lampedusa keinem entgehen kann: dass ein paar Kilometer vor dem europäischen Festland Menschen ertrinken und diese Ernte einige Kreisläufe beschleunigt.

Davide Enia, „Schiffbruch vor Lampedusa“, aus dem Italienischen von Susanne Van Volxem und Olaf Matthias Roth, Wallstein, 238 Seiten, 20,-

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Keine Leidenschaft verbindet Rackete mit der Seefahrt. Doch nun trägt sie die Verantwortung einer Kapitänin. Die Sea-Watch 3 ist ein altes Offshore-Versorgungsschiff … sie wurde von der Ölindustrie genutzt, und diente der Seenotrettung von Ärzten ohne Grenzen.

Der Kahn ist ein Pflegefall. Rackete sehnt sich an Deck nach schottischer Ursprünglichkeit; nach dem Geruch nasser Wiesen und harzender Bäume. „Abends die langgezogenen Laute der Sterntaucher über dem nebligen See.“

Während die Sea-Watch 3 in einer bürokratischen Quarantäne liegt, gelangen bei Geisterlandungen dreihundert Migrant*innen auf Lampedusa an Land. Es gibt sogar ein amtliches Procedere für die illegalen Landungen. Die Erhebungen erfolgen unter dem Schirm einer gewissen Diskretion. Die Sea-Watch 3 ist aber zum Politikum geworden. Deshalb bleiben die in der Mehrzahl „durch Gewaltanwendung in (libyschen) Lagern“ traumatisierten Passagiere weiter unversorgt.

„Keinem Europäer, keiner Europäerin würden unsere Regierungen das zumuten.“

„Es ist Rassismus, nichts anderes.“

Carola Rackete ruft Heinrich Böll in den Zeugenstand der Menschlichkeit

Heinrich Böll

Heinrich Böll 1981: „Das ist ganz einfach. Ich bin der Meinung, daß man Menschenleben retten soll, wo man sie retten kann. Und keine Institution, die Leben zu retten vermag, darf auf offener See Selektion betreiben. Das hieße ja, Menschen willkürlich zum Tode zu verurteilen.“

„Wer zu ertrinken droht, dem muss geholfen werden.“ Böll, der die Wiederkehr des Nationalsozialismus so sehr fürchtete, dass zu seinen häuslichen Verhältnissen auch eine solide Fluchtperspektive gehörte, förderte den Rettungsbetrieb der „Cap Anamur“. Mit der Aufnahme tausender vietnamesischer Boatpeople begann Ende der 1970er Jahre die Geschichte des Kölner Vereins „Cap Anamur/Deutsche Not-Ärzte“.

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Es ist müßig, Racketes Entschlossenheit in einer Besprechung aufzubereiten. Sie zieht alles in die Klammer der kolonialen Verbrechen, die nicht aufhören:

„Unser Elektroschrott wird … nach Ghana exportiert, unsere T-Shirts kommen aus … Billiglohnländern … die Rohstoffe für unsere Handys aus dem Kongo, wo Kobalt und Coltan unter unmenschlichen Bedingungen teils von Kindern geschürft werden.“

Naomi Klein

Invitatio ad offerendum der Natur

Der ethische Furor, den Aktivist*innen in die Debatte um Klimagerechtigkeit tragen, kontert den neoliberalen Marktradikalismus von Leuten, die sich fragen, welcher Nutzen sich synergetisch aus dem Treibhauseffekt ziehen lässt. Schmelzende Polkappen begreifen sie als Invitatio ad offerendum der Natur.

How dare you?

Eingebetteter Medieninhalt

Auf einem Gipfel von Davos und in einem Konferenzregime, das gewöhnlich alles Störende vor der Tür standfinden lässt, kontert Greta Thunberg die Routinen der Strateg*innen mit einem Aufschrei:

„Ich will Ihre Hoffnung nicht … ich will, dass Sie in Panik geraten.“

Daran erinnert Naomi Klein in ihrem Klimagerechtigkeitstraktat „Warum nur ein Green New Deal unseren Planeten retten kann“, aus dem Englischen von Gabriele Gockel, Sonja Schuhmacher und Barbara Steckhan, Hoffmann und Campe, 351 Seiten, 24,- 

Die Aktivistin begrüßt Thunbergs Diskursemotionalisierung. Klein exponiert ein Detail, dass in der Berichterstattung selten herausgestrichen wird. Thunberg hadert nicht mit Generationen gedankenloser Energieverschwender*innen, die gedankenlos handelnd in das „sechste große Massenaussterben“ hineingeraten sind. Vielmehr stellt Thunberg eine Lobby von Profiteuren an den Pranger der Geschichte. Ihnen wirft sie nicht allein moralisches Versagen vor. Sie wirft ihnen vor, ihre Intelligenz in der Errichtung Potemkin’scher Greenwashing-Villages zu erschöpfen. Sie wirft ihnen vor, nach den Maximen der schrankenlosen Ausbeutung fossiler Energieträger Kapital aus der Klimaerwärmung zu schlagen.

Der ethische Furor, den Aktivist*innen in die Debatte um Klimagerechtigkeit tragen, kontert den neoliberalen Marktradikalismus von Leuten, die sich fragen, welcher Nutzen sich synergetisch aus dem Treibhauseffekt ergibt. Schmelzende Polkappen begreifen sie als Invitatio ad offerendum der Natur.  

Aus Greta Thunbergs Wutrede

You have stolen my dreams and my childhood with your empty words. And yet I'm one of the lucky ones. People are suffering. People are dying. Entire ecosystems are collapsing. We are in the beginning of a mass extinction, and all you can talk about is money and fairy tales of eternal economic growth. How dare you!

Insektenapokalypse

Das Verbrennen fossiler Materialien im denkbar größten Stil hört nicht auf, da alles darauf aufbaut. Wir, die wir von gestern sind und morgen tot sein werden, bestimmen in einem Stonehenge-zeitlich anmutenden Selbstherrlichkeitsfestival über unsere Perspektiven hinaus, anstatt jene in die Bütt der Partizipation steigen zu lassen, die mit der Zukunft ins Geschäft kommen müssen. 

In semi-fiktiven Bereinigungsprozessen erlösen wir uns von Widersprüchen, die zu kognitiven Dissonanzen führen, und streben konsistente Zustände von der Qualität fauler Schecks an. Wir „teilen Artikel über die Insektenapokalypse und Videos (über) Walrosse“, deren Habitate von der globalen Erwärmung bedroht sind, „während wir durch unseren Twitter- oder Instagram-Account scrollen“.  

Politisches Antidepressivum

Seine Verführungskraft und politische Potenz bezieht der „Green New Deal“ aus der Ansage, dass wir zwar alles umstellen, jedoch unseren Lebensstil nicht ändern müssen, um auf dem Ticket der Klimagerechtigkeit in Generationen noch zu überleben. „Green New Deal“ spielt auf Franklin Roosevelts „New Deal“ an – einem als politisches Antidepressivum eingesetzten Arbeitsbeschaffungsprogramms. Planetarische Sozialpolitik - Auf einer Gegengerade Wälder fressender Marktradikalität formieren sich seit Jahren Aktivist*innen der Klimagerechtigkeit. Ihnen bietet „The Green New Deal“ (GND) eine Hoffnung darauf an, dass wir die Weltwirtschaft in dieser Dekade im Geist ökologischer Verträglichkeit umbauen können, ohne auf dem Zahnfleisch der Vernunft unsere lieben Gewohnheiten opfern zu müssen. Die Aktivistin Naomi Klein exponiert in ihrer alle Motoren des Grand Changement hochfahrenden GND-Interpretation den engen Zusammenhang zwischen Umwelt- und Sozialpolitik. Klein fordert eine Planetarische Sozialpolitik. Im Stil narrativer Geschichtsschreibung resümiert die Kanadierin die explosive Progression des Grève climatique Movement. Sie zitiert eine Schätzung, nach der an einem Freitag im März 2019 rund „2100 Klimastreiks in 125 Ländern mit insgesamt 1.6 Millionen (mehrheitlich jugendlichen) Teilnehmer*innen“ stattfanden. 

Unser Haus in Flammen

Klein glaubt, dass der „Überlebensinstinkt der Menschheit außer Kraft gesetzt“ wurde. „Unser Haus steht in Flammen“, erklärt die Autorin. 

Schmelzende Gletscher

Seine Verführungskraft und politische Potenz bezieht der „Green New Deal“ aus der Ansage, dass wir zwar alles umstellen, jedoch unseren Lebensstil nicht ändern müssen, um auf dem Ticket der Klimagerechtigkeit in Generationen noch zu überleben.

Politisches Antidepressivum

Eingebetteter Medieninhalt

„Green New Deal“ spielt auf Franklin Roosevelts „New Deal“ an – einem als politisches Antidepressivum eingesetzten Arbeitsbeschaffungsprogramms. Übrigens riefen Roosevelts sozialdemokratische Interventionen, so behauptet es zumindest das Urgestein der Umweltbewegung Bill McKibben, bereits die ersten, noch rein akademischen Agenturen des Neoliberalismus auf den Plan. Die Reaktionäre, die heute in Trump ihren mächtigsten Promoter haben, formierten sich erstmals in einem Lesekreis und als Publikum um/von Ayn Rand (1905 – 1982). Die Schriftsteller lieferte den Marktradikalen, die in der globalen Erwärmung eine Erfüllungsgehilfin ihrer Exploitationsziele sehen, schlagende Argumente.  

Ayn Rand's philosophy of rational selfishness, limited government, individualism, and moral capitalism, expressed in her bestselling novels The Fountainhead (1943) and Atlas Shrugged (1957), has been deeply influential on libertarian and conservative thought.

Quelle: credoreference.com

Auf der Gegengerade des Wälder fressenden Marktradikalismus formieren sich seit Jahren Aktivist*innen der Klimagerechtigkeit. Ihnen bietet „Green New Deal“ (GND) eine Hoffnung darauf an, dass wir die Weltwirtschaft in dieser Dekade im Geist ökologischer Verträglichkeit umbauen können, ohne auf dem Zahnfleisch der Vernunft unsere lieben Gewohnheiten opfern zu müssen. 

Die Aktivistin Naomi Klein exponiert in ihrer alle Motoren des Grand Changement hochfahrenden GND-Interpretation den engen Zusammenhang zwischen Umwelt- und Sozialpolitik. Klein fordert eine

Planetarische Sozialpolitik

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Apocalyptic Camp Saveur

Im Stil narrativer Geschichtsschreibung resümiert die Kanadierin die explosive Progression des Grève climatique Movement. Sie zitiert eine Schätzung, nach der an einem Freitag im März 2019 rund „2100 Klimastreiks* in 125 Ländern mit insgesamt 1.6 Millionen (mehrheitlich jugendlichen**) Teilnehmer*innen“ stattfanden. An die Spitze dieser Entwicklung stellt Klein eine Person. Sie spricht von „einem fünfzehnjährigen Mädchen, das in Stockholm den Anfang“ gemacht hat.

* Unerbittlich friedlich - Dem ständig betonten Revolutionscharakter zum Trotz erinnern viele Justice climatique-Environments an Kopenhagener Straßenszenen in den 1970er Jahren.

**Alterung ist ein Informationsverlust, sagt David A. Sinclair. Deshalb verstehen Ältere die Zukunft nicht. Das verunsichert sie. 

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