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13.01.2020, Jamal Tuschick

Brain Food - La nourriture du cerveau - Denkproviant - Aus Eckart Britschs fortlaufender Sammlung wunderbarer Zitate

Die Sprache verrät dich

Julian Przybos - Wer hat sich diesen Abgrund erdacht und ihn nach oben geworfen?

"Sind wir vielleicht voreilig in der Annahme, daß das Lächeln des Säuglings nicht Verstellung ist?" (Ludwig Wittgenstein)

 

"Man zitiert immer wieder Talleyrands Satz, die Sprache sei dazu da, die Gedanken des Diplomaten (..) zu verbergen. Aber genau das Gegenteil hiervon ist richtig. Was jemand willentlich verbergen will, sei es nur vor andern, sei es vor sich selber, auch was er unbewußt in sich trägt: die Sprache bringt es an den Tag." (Victor Klemperer) 

 

"Inzwischen ist es wirklich Nacht, das Licht war verschwunden und hatte einer unnatürlichen Dunkelheit Platz gemacht. Kilometerweit ringsum gab es keine künstliche Lichtquelle, und der Mond war noch nicht aufgegangen. Blieben die Sterne. Die herrlichen Sterne der Jugend, die man später kaum noch betrachtet, während sie weiterhin funkeln mit ihrem körnigen, unruhigem Licht, selbst in der größten Stille. Ihr beharrliches Flackern (war) wie eine Sprache. Und hinzu gesellte sich unversehens die brudergleiche Sprache des Grillkonzerts, nah und unendlich weit. Die beiden Sprachen schienen ohne Unterbrechung nur das eine, doch Unerschöpfliche sagen zu wollen: allzu leicht wäre es, wenn wir dächten, es spräche von Traurigkeit und Tod; es war viel mehr: es war reines Wissen, ein ungeheuer bedeutungsvoller Gedanke, doch gegenstandslos. (Pier Paolo Pasolini)

 

"Wer hat sich diesen Abgrund erdacht und ihn nach oben geworfen?" (Julian Przybos)

 

"und wie schön ist erst die welt, wenn jeder seine Dreckschleuder dem spuken aufhebt; wenn da der feind steht und ich muss ihn nicht beschreiben und nicht hassen sondern töten oder anders getötet werden, und der feind will meine frau vögeln oder mein fleisch fressen oder einfach meine knochen brechen und nichts weiter, jedenfalls nicht einen eindruck machen. in solchen sachen sind wir jung und kräftig und stossen zu und töten ohne applaus. und deine sprache kann mir nicht den krebs erregen ich werde sterben weil ich schlicht und ohne zorn getötet werde weil ich im weg stehe und weil ich nahrhaft bin." (Oswald Wiener)

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