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14.01.2020, Jamal Tuschick

Sie ging der Frauenbewegung voran und war doch am liebsten allein in der Wüste - Isabelle Eberhardt: Agentin und Poetin.

Die unfassbare Existenz

Frauen in der Wüste

Ihrer Zeit erscheint sie unbegreiflich. Hans Christoph Buch nannte sie viel später „Rimbauds Tochter“ und überschrieb so eine Versammlung von Vermutungen. Buch hatte 1977 einen von Paul Bowles übersetzten Band der in Europa vergessenen Schriftstellerabenteuerin Isabelle Eberhardt (1877-1904) in der Buchhandlung von Lawrence Ferlinghetti „auf der Grant Avenue in San Francisco“ entdeckt, und sich mit dieser Entdeckung ein Feld erschlossen.

„Was mich zum Kauf bewogen hatte, war vor allem das Photo der Autorin auf dem Frontispiz: (eine männlich wirkende Europäerin) in tunesischer Tracht ... die mit einer Mischung aus Stolz und Verachtung über den Photographen hinwegsah.“

Buch las die „Vergessenssucher“, magnetisch angezogen von den Begleitumständen.

„Kein Zweifel, Isabelle Eberhardt hat wirklich gelebt.“

Aktive Träumerin

Auf mich wirkt sie wie eine Romanfigur von Albert Camus und vielmehr noch als Akteurin eines verfrühten Existenzialismus. Im ersten Jahr des schwarzen Jahrhunderts beginnt sie eine Serie von Eintragungen mit der Bemerkung:

„Ich bin allein.“

Und zwar nicht vorübergehend, sondern von jeher und für immer.

Die Pionierin der Selbstbestimmung (als einer seelennautischen, navigatorischen Leistung) verbessert ihre Technik des Träumens. Das werden nach ihr viele projekthaft betreiben.

Eberhardt gelingt das ganze Bild der aktiven Träumerin ohne Vorbild und Umgebung. Die Liebhaberin des müßigen Streifs beobachtet sich und erkennt vor allen den ikonografischen Charakter ihrer sozialen Gebärden. Ein filigranes, genderfluides Geschöpf „versteift“ sich darauf, „der Säufer, der Verderbte, der Scherben stiftende Rohling zu bleiben“.

„Wer gibt mir je die Streifzüge zurück, zu Pferde, mit fliegenden Haaren, durch die Berge und Täler der Sahel.