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20.01.2020, Jamal Tuschick

"Ich glaube an den Konflikt, sonst glaube ich an gar nichts." Heiner Müller

Lieber Jamal Tuschick, eine Polemik ist losgerollt iRv Jamsids Spiegelkelch. Hier meine finale Replik, wenn Sie sie im Mainlabor publizieren mögen. Nichts lieber als das, lieber Şafak Sarıçiçek.

Der II. Streich

Ich mag aber zB meine jetzigen Gedichte, auch mit heftigen Zweifeln, was dazugehört, mag sie auch gerne komplex, explosiv, ggf manchmal bis zum Überladen sein, dass es brennt und dass es was aufrüttelt in der eingetrockneten Lyrikwelt heutzutage (die Pauschalisierung ist mir bewusst und zum Teil als Spaß gemeint).

Nein, ein Gehalt kriegen, heißt nicht, dass man eine Sache stets gut macht!

Liebe Slata, werteste Slata, warum lässt du weg, was die Schnecken spinnen ?

Mehr sag ich dazu mal nicht. (Außer, dass ich deswegen einen Shitstorm diverser es sicherlich gut meinender PoetInnen auf Facebook erleben musste. In meiner Staatsexamensphase, weil Du Wörter weglässt…)

  1. Zwischenergebnis: Vermeintliche ,Thesen’ meinerseits, 2 und 7, wurden soeben nochmals ernsthaft zementiert.
  2. Das berüchtigte tragende Kompositionsprinzip

Nach dem von Dir wissenschaftlich (und Du bist ja nebenbei Wissenschaftlerin) festgelegten Methode (ich gebe Ihr jetzt keinen Namen), wird a. ein Wort des Satzes bzw des Verses im nächsten aufgegriffen, b. wiederholt mit aa. einem Ausruf, bb einem anderem Attribut ergänzt cc. oder durch eine Alliteration ersetzt. Wenden wir die Slata Roschal’sche Methode der Poetologie an:

Gedicht 1

Wolkenscheiben des Flusses treiben ins Land des Hafis.

Schatten des Abhangs knetet Kamele, knetet und knetet.

Ellenbogen und Rücken der Gebirgsgötter. Älteste Sprachen:

Dunst ihrer Abendpfeife. Dunst wabert wolkig. Verklebt Zwischenräume.

Ups, passt nicht.

 

Gedicht 2

Der Weihrauch. Blau-Weiß-Türkis-Augen der Fatima.

Sie schützt. Land von Ahura Mazda, Sonnengebet

unsrer Hände.

Passt nicht.

 

Gedicht 3

 

»Wahrheit bin ich« eröffnet Knospenviolett.

Geköpfte Wahrheiten blüten zu Boden.

Vom Henkerwind, Tag für Tag.

Gekreuzigt.

Al-Hallaj starb ein und kein Mal.

Schon wieder nicht.

 

Liebe und allerwerteste Slata Roschal. Wie viele Gedichte soll ich noch aufzählen, um darzustellen, dass Du das Buch entweder nicht gelesen hast, oft flüchtig rezensierst (Glaub ich nicht, Du bist Doktorandin und außerdem wirst Du bezahlt für das Rezensieren, Du kannst es sehr gut, ja) oder aber… okay, das überlasse ich den bösen Zungen.

 

  1. Zwischenergebnis: These 3 – CHECK !
  2. Vorläufiges Gesamtergebnis:
  3. Irgendwie werde ich das Gefühl nicht los, wenn man die anderen Punkte auch durchgeht, wird man auch auf ähnliche ‘Flüchtigkeitsfehler’ und Versehen stoßen, aber ich will mal nicht so sein. Und ich muss wieder ans Lernen.

Okay über Pathos, Surrealismus, Wiederholungen und Interjektionen im Sinne von (und ich maße mir hier nichts an, ich benenne lediglich, die Nähe zu einer allgemeinen lyrischen Strömung, in die ein, sei es auch ein Anfängertext, wie dieses Buch, fallen würde) Whitman, Char, Hölderlin, Böhmer, Celan und viele gegenwärtige AutorInnen der heutigen Zeit und zu ‘explosiv’ und ‘zu komplex’ für die Leser und LeserInnen, mag man streiten und da respektiere ich alle Farbpaletten. Ich mag auch manche Gedichtsschulen nicht.

Ich mag aber zB meine jetzigen Gedichte, auch mit heftigen Zweifeln, was dazugehört, mag sie auch gerne komplex, explosiv, ggf manchmal bis zum Überladen sein, dass es brennt und dass es was aufrüttelt in der eingetrockneten Lyrikwelt heutzutage (die Pauschalisierung ist mir bewusst und zum Teil als Spaß gemeint).

 

Aber liebe, werte und verehrteste Frau Slata Roschal:

 

Nein, ein Gehalt kriegen, heißt nicht, dass man eine Sache stets gut macht !

Es ist auch okay, Fehler, Schludrigkeiten, Unkenntnis oder Flüchtigkeit oder gelegentliches Nichtkönnen auch zuzugeben.

Manchmal muss es ja auch kein Fehlen von etwas sein oder hat man keine Lust.

Dann soll man aber kein Chaos darstellen in der Besprechung oder eine impräzise Poetik.

Ich habe das Gefühl, dass die Rezension mehr sagen könnte, wenn man sie ließe, wenn sie mehr Zeit und Geduld in ihrer Bearbeitung erfahren hätte… (Ihre Worte wenn Sie es bemerkt haben, man weiß ja nie)

 

Şafak Sarıçiçek

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