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24.01.2020, Jamal Tuschick

#climatejustice - Auch die 2017 in den Vereinigten Staaten entstandene Sunrise Movement hat eine Graswurzel. Die Bewegung plädiert für eine gesellschaftliche Wurzelbehandlung nach Vorgaben des Green New Deal. Naomi Klein erscheint als Akteurin auch unter dem gelben Emblem.

Das Zeichen der Sunrise Bewegung

Das Deepwater Desaster

Eingebetteter Medieninhalt

Naomi Klein beschreibt das Kleinklein der Auseinandersetzungen zwischen David und den Multis. Sie erzählt von ölverpestetem Marschland, frustrierten Shrimps-Fischern, gebrochenen Versprechen und verhallenden Drohungen. 2012 fuhr sie in einem Flachboot zum Sund von Plaquemines Parish im Bundesstaat Louisiana. Der Ölteppich auf dem Golf von Mexiko zerstört die Lebensgrundlagen an der Küste.  

Erst kamen die Hurrikane und dann die Ölpest. Es schien, „als würde der Golf bluten“. John Wathen

Nach der Explosion der Bohrinsel Deepwater Horizon erreichte der tödliche Teppich rasch Plaquemines Parish. Die Bewohner reagierten auf politische Sonntagsreden ungehalten. Man speiste sie mit Durchhalteparolen ab. Tony Hayward, der BP-Boss machte ein sorgenvolles Gesicht.

Naomi Klein begutachtete die Umweltkatastrophe im Mississippi-Delta. In den zerstörten Kreisläufen der Natur lief alles auf Tod hinaus.

Die Aktivistin fragte sich: „Wie lange braucht ein derart geschädigtes Ökosystem, um … zu heilen.“

Klein exponiert die entscheidende Relation. BP hat zwar eine gigantische Zerstörungsmacht, aber kein Gegengift. Der Konzern kontert die Katastrophe mit der weltweit größten technischen Kompetenz im Zivilbereich. Seit dem Raumfahrtprogramm war nie wieder so ein Aufwand getrieben worden; während die Lösungen, zu denen man schließlich Zuflucht nahm, die Durchschlagskraft von Kartoffelstempeln hatte.

„Alles stirbt“, rief eine Frau in der Bürgerversammlung. So sprach sie Opfer eines politischen Versagens in der Konsequenz „bedenkenlos (erteilter) Baugenehmigungen“ an. Nicht zuletzt ging es darum, „den Arabern die kalte Schulter“ zeigen zu können. (Das war übrigens auch mal der Grund für die Erkundung eines Seewegs nach Indien. Man wollte auf hoher See den orientalischen Zolldiktaturen entgehen.) Ein Sieg im Wirtschaftskrieg ließ ökologische Kosten in den republikanischen Kalkulationen lässlich erscheinen.

Bill McKibben untersucht die Prozesse der Aushöhlung demokratischer Strukturen in einer außer- und innerparlamentarischen Opposition der Reichen. Da die Minderheit bei Mehrheitsentscheidungen oft unterliegt, entfaltet sie ihre Kreativität, so ungefähr sagt es McKibben, bei einer unorthodoxen „Überarbeitung des Gesellschaftsvertrags“. Sie strebt Veränderungen an, die nach ihren Begriffen „die Bezeichnung revolutionär verdienen“.

Der ideologische Sockel unter ihren Interventionen ist flach. Außer Profit steht nichts auf der Agenda. Einer der mächtigsten Agenturen des Planierraupen-Kapitalismus spart seit „einer Steuersenkung für Reiche (im Jahr 2017) jährlich eine Milliarde Dollar“. Ein Hauptziel ist die Diskreditierung der (als Einreden gegen die Exploitation von Bodenschätzen wirkenden) Ansprüche der First Nation of America.  

Während Klein der Hoffnung Nahrung gibt, die neuen sozialen Bewegungen seien in der Lage, orchestral instrumentierte und surreal alimentierte Interessenvertretungen der Reaktion zu überwinden, gibt McKibben zu bedenken, dass in einer unterwanderten Gesellschaft demokratische Instrumente gegen ihren ursprünglichen Zweck eingesetzt werden können; so dass Maßnahmen gegen das Gemeinwohl wie Kampagnen freier Initiativen wirken. Man sagt Reformen und betreibt Sozialabbau.  

Der ethische Furor, den Aktivist*innen in die Debatte um Klimagerechtigkeit tragen, kontert den neoliberalen Marktradikalismus von Leuten, die sich fragen, welcher Nutzen sich synergetisch aus dem Treibhauseffekt ziehen lässt. Schmelzende Polkappen begreifen sie als Invitatio ad offerendum der Natur.

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