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12.02.2020, Jamal Tuschick

Rudi ratlos in Wien

Jahrzehnte galt: „Egal, was ist, wir kriegen das wieder hin.“ Doch dann verflüssigt sich die Formel in neuen Erfahrungen. Rotwein reicht nicht mehr in einer Aussichtslosigkeit zwischen Krebs und Hexenschuss.

Anna Herzig, Herr Rudi“, Roman, Voland & Quist, 140 Seiten, 18,-

Anna Herzig beschreibt den Verfall eines Mannes, dessen genazino‘eskes traut-trauriges Lebensbehagen sich vielleicht schon seit einer Dekade in Abgangsempfindungen verflüchtigt. Man sieht den Stern noch, obwohl er längst erloschen ist, weil das Licht so einen langen Weg hat.

Die sozialen Koordinaten sind kaum der Rede wert. Jedenfalls steht Herr Rudi als „passionierter Nachtesser“ und pünktlicher Gerichtsvollzieher unmittelbar vor Pensionierung. Man könnte ihn kauzig finden, aber Herzig macht keinen Hehl aus ihrer Abneigung.

Sie zeichnet eine auf das Fäkale konzentrierte Karikatur ihres Helden, dem gerade alles abhanden kommt – einschließlich der Erinnerungen. Nur eine frühe Liebe namens Livi bleibt Rudi merkwürdig erhalten. Dabei hat ihn Livis „Sterben (vor bald einem halben Jahrhundert) in seine elementarsten Teile zerlegt“.

Die wenigsten Leute werden so alt wie Herr Rudi, ohne vorher nicht schon ein paar Mal beinah gestorben zu sein. Vom Tod und seinen Rändern spricht auch Freund Fritz, ein zutraulich-bescheidener Höhenangsthase, der in drolligen Nebenrollen aufgeht.

Endlich reist Herr Rudi nach Salzburg zum Untersberg, sich so doch noch einen Traum erfüllend. 

Der Untersberg

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