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16.02.2020, Jamal Tuschick

Die Kollegin Sabine Schaub schickte so brillantes Material, dass ich es ganz einfach nicht bei zwei schnöden Hinweisen auf eine gewiss hervorragende Veranstaltung belassen kann. Lauter Kleinode der noch unerschrockenen Moderne bieten sich einer Besichtigung an. Heute präsentiert das Mainlabor mit großem Dank für einen unerwarteten Gewinn ein Gedicht von Kurt Schwitters.

PORTRÄT HERWARTH WALDEN

Gleiten Stillstand Bahnen bahnen.

Die Zigarette Lippen Gold.

Der Stiel der Zigarette drahtet Stiel.

Ein Thee die Hand, und Noten bären Bahnen, Bahnen.

Und Kreisen Bahnen, Hand die Hände weich den Rädern.

Kreis Stillstand Bahnen kreisen Hand

Sonore Bahnen bahnen.

Weich Zigarette weichen Haare Ziel.

Den Ziel, den Ziel.

Und Bahnen, Bahnen, Bahnen.

Die Seide seidet Watte Hand in Hand.

„Der Expressionismus ist keine Mode. Er ist eine Weltanschauung. Und zwar eine Anschauung der Sinne, nicht der Begriffe.“ Herwarth Walden

Stellen Sie sich vor: Franz Hessel flaniert am Landwehrkanal bis zum Potsdamer Platz, Robert Walser arbeitet in der Galerie Paul Cassirers, Rilke schwärmt für Henry van de Velde, Irmgard Keuns "kunstseidenes Mädchen" sitzt im Café Josty und aus dem VOX-Haus an der Potsdamer Straße tönen die neuen Couplets der "goldenen Zwanziger Jahre". Tilla Durieux und Paul Cassirer, Marie von Bunsen, Herwarth und Nell Walden, Harry Graf Kessler, Walther Rathenau und Gerhart Hauptmann - sie alle waren im alten Berliner Tiergartenviertel zwischen 1900 und 1933 zu Hause.

Und sie alle kommen in einer Veranstaltung am 21. Februar ab 18 Uhr in der Matthäus-Kirche am Matthäikirchplatz (10785 Berlin-Tiergarten) noch einmal zu Wort.