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19.02.2020, Jamal Tuschick

Brain Food - La nourriture du cerveau - Denkproviant - Aus Eckart Britschs fortlaufender Sammlung wunderbarer Zitate

Blitzlicht der Erinnerung

„Natürlich ist ein Selbst viel umfassender als der innere Erzähler. Die Insel des selbst-bewussten Geschichtenerzählers liegt mitten in einem Meer von Unbewusstem, über das wir nichts wissen, nie etwas wissen werden oder das wir vergessen haben. Es gibt vieles in uns, das wir nicht beherrschen oder wollen, aber das bedeutet nicht, dass es unwichtig wäre, eine Erzählung für uns selbst zu finden. In der Sprache bilden wir den Lauf der Zeit so ab, wie wir ihn empfinden – das Es war, es ist, es wird sein. Wir abstrahieren, denken und erzählen. Wir ordnen unsere Erinnerungen und verknüpfen sie miteinander und diese Bruchstücke bekommen einen Besitzer: das autobiographische Ich, das nicht ohne ein Du ist. Für wen erzählen wir denn schließlich? Auch allein in unseren Köpfen ist ein vorausgesetzter anderer dabei, die zweite Person unserer Rede.“ (Siri Hustvedt)

„Es gibt keine Liebe ohne Erinnerung, keine Erinnerung ohne Kultur, keine Kultur ohne Liebe. Deshalb ist jedes Gedicht ein Faktum der Kultur wie ein Akt der Liebe und ein Blitzlicht der Erinnerung, und ich würde anfügen - des Glaubens.“ (Joseph Brodsky)

"Wie einer, der am Reck die Riesenwelle schlägt, so schlägt man selber als Junge das Glücksrad, aus dem dann früher oder später das große Los fällt. Denn einzig, was wir schon mit fünfzehn wußten oder übten, macht eines Tages unsere Attrativa aus. Und darum läßt sich eines nie wieder gut machen: versäumt zu haben, seinen Eltern fortzulaufen."
(Walter Benjamin)

"Was wird also aus dem Menschen? Werden sie zu Herrschern über das absolute Werkzeug, oder zu Sklaven einer entfesselten Macht? Natürlich ist das Science Fiktion. Aber wir alle sollten deshalb auf der Hut sein: Seit ungefähr hundert Jahren hat Science Fiktion, im Modus der Fantasie oder des Unmöglichen, viele Wunder (oder Katastrophen) in Szene gesetzt. Schon Jules Verne zeigte in "Das Karpatenschloß" ein perfektes singendes Hologramm...Maschinen denken schneller als wir, sie schöpfen noch mehr aus dem Zufall, nun gut, warum nicht? Aber was ist mit unseren irrationalen Gefühlen, unseren wahnsinnigen Wünschen?
(Michèle Bernstein)

All das, was wir erleben, hat jemand bereits gelebt: all die Sehnsüchte, den Schmerz, aus eigener Kraft etwas schaffen zu wollen. Wir sind aus den gleichen Atomen, wie das Universum, wir können gar nicht anders, als Eins in ihm zu sein. (Tomas Tranströmer)

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