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21.02.2020, Jamal Tuschick

Am Anfang steht das Wort. Seit den 1990er-Jahren gibt es in Deutschland ein Minenfeld der Akzeptanz für rechtsextremistische Überschreitungen bis hin zu Gewaltverbrechen. Eine Tendenz zur Verharmlosung vorbereitender Ansichten wurde schon viel zu oft festgestellt. Aufgeheizt von populistischen Parolen, fühlen sich viel zu viele dazu ermutigt, republikanische Gepflogenheiten zu ignorieren.

Vorbereitende Ansichten

„Der Feind steht rechts“, sagt Armin Laschet. 

Im Gewaltvorfeld lässt sich eine Erosion der demokratischen Standards im Verbund mit individueller Regression beobachten. Der Gesellschaft droht die Mitte abhanden zu kommen. Sendungsstarke Außenseiter übernehmen Lautsprecherfunktionen. In ihrem Lärmschatten sind wir kaum noch zu hören.  

Der Rassismus ist in der Gesellschaft.

Bürger*innen werden seit Jahr und Tag von Rassisten angegangen, die behaupten, sie seien gar keine. Andere erlauben es den Protagonisten einer Brutalisierung des Alltags, sich unter vermeintlich harmlosen politischen Labelbegriffen mit verdeckten Manövern gesellschaftlich zu inkorporieren. Die Morde des Rechtsterroristen Tobias Rathjen schockieren die Republik, aber die Akteure einer furchtbaren Transformation sitzen längst an republikanischen Hebeln. Sie schaffen ein Klima, in dem einzelne über ihre Ufer treten und aus sich herausgehen bis zum Mord. So stabilisiert sich ein Milieu, das sich jederzeit von Gewalt distanzieren kann und sie trotzdem begünstigt.

Bekanntlich ist niemand eine Insel. Der einsame Wolf ist eine gefallsüchtige Projektion einfallsreicher Publizist*innen. Kontaktarm erscheint die Figur des solistischen Hasskriegers nur im Vergleich. Für sich genommen braucht jeder Mensch ein gravierendes Umfeld. Anders gesagt, auch Tobias Rathjen fühlte sich von Propagandist*innen der Menschenfeindlichkeit aufgerufen.   

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