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23.02.2020, Jamal Tuschick

Fly with the flow lautet die Maxime. In Evas Jobwelt ist alles gorgeous. Die Superoptimierer von McCrowley pflegen einen abgehobenen Lebensstil.

Gorgeous

Das Du kommt näher. Es robbt sich heran. Ute Cohen schreibt: „Herrlich! Diese Pointen, dieser Eigensinn! Ich bin begeistert von diesem Austausch, Jamal!“

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Fly with the flow lautet die Maxime. In Evas Jobwelt ist alles gorgeous. Die Superoptimierer von McCrowley pflegen einen abgehobenen Lebensstil. Es herrscht Phrasenreichtum über einem erotischen Grundrauschen. Als blutige Anfängerin arbeitet sich Eva ihrem ersten Zusammenbruch im Agenturjoch entgegen. Bei McCrowley ist sowieso jeder gefangen zwischen den Positionen Global Player & arme Sau.

Eva tut, was man von ihr erwartet. Sie unterwirft sich Baal und folgt seinen Einflüsterungen.

Das Christentum hat den Fruchtbarkeitsgott Baal zum diabolischen Hausmeister degradiert. Evas Dämon für den Hausgebrauch heißt André. Er erklärt ihr, wie man am Schlausten einen Betrug kaschiert; worauf geachtet werden muss, wenn man in Brüssel am Telefon behauptet, gerade in London zu sein.

Er verrät ihr seine Routinen. Er verrät sich, ohne seine Attraktivität zu verlieren.

Eva lässt sich küssen und denkt an Black Coffee In Bed von Squeeze.

There‘s a stain on my notebook/ Where your coffee cup was/ And there‘s ash in the pages/ Now I‘ve got myself lost/ I was writing to tell you/ That my feelings tonight …

Alles vollzieht sich auf einer schmalen Linie des Einvernehmens. Das andere wird zurückgehalten in den Reservaten der Vorbehalte und Ressentiments. In Andrés „intimen Portfolio“ atmen die Alternativen zu Eva ruhig weiter.

Eva besteht den Elchtest für potentielle Ehefrauen. Sie lässt sich zurückpfeifen: beim ersten Anzeichen von Überschwang außerhalb der Rollenspiele.

McCrowley schickt sie nach Russland. Im Himmel über Moskau ereilt sie eine Ahnung. Am vorläufigen Ende „würde sie ihrer biologischen Bestimmung folgen“. Die postsowjetische Gesellschaft bietet trüben Gedanken passende Kulissen. Die sozialistische Architektur ist eine einzige Trostlosigkeit.

Ute Cohen lässt ihre Leser*innen darüber im Unklaren, ob zu Evas Verstimmung das gefühlte Wissen beiträgt, dass André auch jetzt noch nichts anbrennen lässt und mit Dana in gewohnt komplizierter Weise verkehrt.

André ist Rassist. Araber sind für ihn „hinterfotzige Wüstenhurensöhne“. Ich muss gelegentlich Ute fragen, warum sie André so angelegt hat.

Liebe Ute, als Rassist steht sich André selbst im Weg. Warum hast du ihn mit diesem Handicap ausgestattet?

André fürchtet, dass es Eva in Russland zu gut geht. Evas Dolmetscherin hat den Besuch aus Deutschland zu sich nach Haus eingeladen, wo Eva hemmungslos das Lied ihrer (vom Vater auf die Tochter übertragenen) Russlandliebe singen konnte.

Es gab Krautwickel.

Krautwickel klingt nach Glück im Winkel, also nach Tod durch Bescheidenheit in einem „soften Neo-Stalinismus“ aka gelenkter, die Rituale des Westens verätzend imitierender Demokratie.

André assoziiert gerade zu wenig Luxus mit Eva. Deshalb denkt er verschärft an die „blonde Pharmazeutin“ Aurélie. Er erinnert eine Szene mit A. in der Hauptrolle: „Nachts auf dem Motorboot … mit wippenden Brüsten, rauchig stöhnend“.

Die Kehrseite – Aurélie scheut sich nicht, André unter die Armen zu rechnen:

„Du kannst mir nichts bieten. Selbst zum Vögeln müssen wir auf das Boot meiner Eltern gehen.“