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28.02.2020, Jamal Tuschick

Erzählheu

Das Clay Mathematics Institute führt den Beweis der Vermutung von Hodge auf der Liste seiner Millennium-Probleme. T.C. Boyle lässt einen Nerd mit der Hoffnung allein, ausgerechnet er könne das Problem lösen. Der Autor liefert seinen Erzähler einer quasi biblischen Plage aus. Heuschrecken werden zu Ameisen, und wieder ist es ein Außenseiter (ein Moses unter pensionierten Geldeintreibern), der die Insekteninvasion effektiver als die anderen bekämpft. Er leimt die Ameisen mit Honig, in dem Pestizide so unsichtbar wie Navy-Seals-Taucher*innen ihren Einsatz erwarten.  

Eingebetteter Medieninhalt

Seit es eine Gesellschaft gibt, die über bloße Nachbarschaft und eine Staatsidee hinausreicht, bäumt sich der nordamerikanisch-anglosphärische Individualismus gegen Vorschriften auf, die unabhängig von ihrem Gegenstand als Einengungen oder zumindest als versuchte Einengungen verstanden werden. Obwohl seit hundertfünfzig Jahren kein Mensch mehr im Treck-Style nach Westen aufgebrochen und das ewige Licht der Pioniersfunzel erloschen ist, beherbergt der Durchschnitts-US-Bürger eine höchst kontraproduktive Ablehnung wohlfahrtsorientierter Standards. Ich glaube, dass selbst Boyle nicht bemerkt, wo oft er Akteure unter dem Mindestlohnteppich hervorzieht, um sie dann in Klapperkisten in ein Nirgendwo davonfahren zu lassen. Es ist immer die gleiche mürbe Bewegung: eine Gebärde zwischen Aufbruch und Resignation. Die historische Dimension hebt sie an. Das Streckengras zwischen Abfahrt und Ankunft verwandelt sich in strohtrockenes Erzählheu.

T.C. Boyle, „Sind wir nicht Menschen“, Stories, aus dem Englischen von Anette Grube und Dirk van Gunsteren, Hanser, 397 Seiten, 23,-

Trotzdem lese ich lieber Geschichten, die ohne Maschinen und Techniken der Zukunft auskommen; in denen die Tristesse der Wirklichkeit triumphiert und Männer Sätze sagen, die eines Frank Boardman „Pistol Pete“ Eaton (1860 -1958) würdig sind.

„I’d rather have the prayers of a good woman in a fight than half a dozen hot guns: she’s talking to Headquarters.“

Darum geht es doch: Leute tun sich zusammen, um an Sachen heranzukommen, die sie aus eigener Kraft nicht beziehen können. Sie langweilen sich auf dem Weg dahin, die einen beim Sex, die anderen auf einer langen Fahrt. Schließlich erreichen sie ihr Ziel, ohne die Konsequenzen zu bedenken:

„Das Haus, das wir mieteten, befand sich auf einer Klippe mit Blick aufs Meer.“

Im nächsten Augenblick setzt ihre Kolonisierung ein. Und gleich darauf verzagt die Gegenwehr angesichts einer Ameiseninvasion. Ich rede von einem Paar mit Säugling, das sich keine Stunde nach der Ankunft in einem real gewordenen Horrorfilmszenario wiederfindet. Der furchtbare Aufmarsch isoliert den Erzähler und seine Liebsten. So aufgerückt die Nachbarn auch den Eingebungen der Lethargie frönen mögen, das Grauen bildet eine Barriere.

Wie soll man über einen Ameisenangriff sprechen?

Die Insektizide im häuslichen Vorrat der Einheimischen gelangen ohne Trostversprechen in den Besitz des Erzählers. Er vergiftet das Baby, das außerdem grün wird von der toxischen Melange, die sein Vater aufs Freigiebigste ausgegossen hat.

Nein, das Baby wird nur grün, sonst geschieht ihm vorerst nichts.

Der Erzähler wendet sich an einen ausgezeichneten Flachmann und ehemaligen Geldeintreiber. Der Captain hat die Ameisen begriffen als Vollverdränger aller anderen Ameisenarten. Sie ticken wie die Zellen eines Körpers und ergeben sich einem gemeinsamen Organismus, „und ihre Königin ist das Gehirn“.

Der Captain bringt es auf den Punkt: Man muss der Chefin die Arbeiter*innen nehmen. Isoliert man sie von ihren Millionen Zuträger*innen, die wie eine gigantische Fressermaschine funktionieren, verhungert sie sofort.

*

Die Insekten übernehmen die Regie. Der Erzähler geht durch Täler der Verzweiflung und über Höhen lodernder Mordlust. Doch schließlich verschafft sich auch in der Höhle seines verrannten Seins die Vernunft persönlich Zutritt. Sie sagt ihm, was zu tun ist:

Lerne zu leben mit den Ameisen.  

*

Die schlichte Einsicht verbessert die Sicht des Erzählers auf ein mathematisches Problem. Er befasst sich mit der Hodge-Vermutung.

Wikipedia weiß: „Die Vermutung von Hodge ist eines der großen ungelösten Probleme der algebraischen Geometrie. Sie ist die Darstellung eines vermuteten Bindeglieds zwischen der algebraischen Topologie nicht-singulärer komplexer algebraischer Varietäten und ihrer Geometrie, die durch Untervarietäten definierende polynomiale Gleichungen beschrieben wird. Die Vermutung ist das Ergebnis der Arbeit von William Vallance Douglas Hodge (1903–1975), der …“

Toxische Achtlosigkeit

„Misery acquaints a man with strange bedfellows.“ Shakespeare

Es bricht nicht aus ihr heraus. Noch nicht mal das. Nach einem Abend mit „in Keile geschnittenem Eisbergsalat (und) Burgunder aus der Vier-Liter-Flasche“ in einem „umgebauten Hühnerstall“, der die triste Verzweiflung seiner Bewohner zum Kummerkasten gemacht hat, schaut Nora „in den Topf auf dem Herd“ und sagt zu Keith: „Ich kann so nicht leben.“

Die unterbliebene Eruption veranlasst das Paar das Ausmaß seiner sozialen Stämmigkeit zu erkunden. Auf einem engen Markt hat es wenig anzubieten. Es scheitert aus eigener Kraft. Während sich seine guten Erlebnisse episodisch verkrümeln und als Erinnerungen verblassen, so dass man sie nicht wieder aufleben lassen kann wie ein Kindheitsaroma, das sich unter bewährten Vorzeichen lange einfach einstellte, schwillt der Strom aus den Abflüssen schlechter Erfahrungen weiter und bewahrt seine negative Potenz. Doch dann taucht unverhofft Licht am Ende des Tunnels auf. Keiths bester Freund Artie sagt am Telefon:

„Ich weiß nicht, ob ihr überhaupt interessiert seid, weil es nicht wirklich was zu mieten ist – es geht eher darum, ein Haus zu hüten – und es ist nur vorübergehend.“

Nora und Keith bewerben sich als Hüterin und Hüter eines Hauses in einer Gegend mit privaten Tennisplätzen und überdimensionierten Vorgärten, die den Eindruck von Parks machen. Vor dieser Kulisse erscheint die Schäbigkeit der halbwegs Obdachlosen dramatisch.

Keith raubt Ehrfurcht den Atem, als stünde er auf einem Steinseitenscheitel des Mount Rushmore National Memorial mit den vier amerikanischen Oberhäuptern. Er gibt sich als Noras Ehemann aus, um seiner Misere nicht mehr zu gönnen als das Offensichtliche. Er spekuliert über das Leben jener, die tatsächlich etwas als Eigentümer besitzen.

Wieder thematisiert Boyle den Abstieg der Boomer und Post-Boomer von jener Wundertütenzugspitze eines weißen Wohlstands, der mit Kindern, Kreuzfahrten, Kunstgegenständen und eidgehärteten Beziehungen in knüppelhart verdichteter Unterschiedlichkeit verbunden ist/war.

Eva und Anton Kuenzli, die Repräsentanten der anachronistischen Gediegenheit, wirken viel fiktiver und stereotyper als die verarmte, von der allgemeinen Pracht abgebürstete Brut auf der Türschwelle.

Der anti-bourgeoisen Attitüde zum Trotz erscheinen die Ankömmlinge wie in ihrer Abwesenheit enteignete Heimkehrer. Boyle beschreibt eine Verführungsszene. Als Verführerinnen treten die Architektur und das Interieur auf. Das Wohnzimmer „ist so groß wie ein Basketballfeld“. Ein „Billardtisch mit Schieferplatte“ in Turnierqualität und eine Anlage von Bang & Olufsen werden als Einrichtungshöhepunkte angesprochen.

Boyle pimpt die Szene mit einer Überdosis Luxus. Aus dem Stand gehen „Nora und ich“ aus der Stellvertretung in die Selbstermächtigung. Sie laden Leute ein und spielen sich als Gastgeber auf. Die toxische Achtlosigkeit gegenüber den ihrer Sorgfalt anheimgestellten Werten (Lebensmarken der Kuenzlis) erniedrigt die Kleindarsteller*innen der Lässigkeit.

Der Erzähler begreift den selbstschädigenden Aktionismus durch die Blume einer subtilen Zurückweisung. Die arbeitslose Lehrerin Nora nimmt einen Job als Empfangsdame an. Sie entzieht sich der resignativen Turbulenz. Sie macht was Richtiges und setzt so ein Fragezeichen vor ein älteres Richtig. Wenn man nicht mehr weiß, ob man das Richtige studiert hat, weiß man vielleicht auch nicht mehr, ob man den richtigen Geliebten hat.

Die Neubewertung einer Position kann leicht in eine erdrutschartige Bewegung übergehen. Boyle beschreibt das Phänomen paradox. Der beständige, auf dem Erzählschauplatz ursprüngliche Keith verliert seine Fassung als Zeuge von Noras Veränderung. Unterschwellig stellt er in einem Kneipengespräch seine Beziehung zur Disposition. Er suggeriert dem Tresennachbar Steve, „dass unser Zusammenleben ein gescheitertes Experiment war“.   

Das hätte er besser nicht getan.

Leichte Beute

Sie ist ein Geschöpf der Gefangenschaft. Die menschliche Hybris prägt sich ihr ein. Erst wirkt die Kontamination wie eine Leine, dann wie ein Appell. Doch verheißt sie schließlich nur noch leichte Beute. Davon ahnt niemand etwas, als man die in einem englischen Zoo geborene Tigerin Tara nach einem langen Transport nahe der Grenze zu Nepal dem smart alternden Billy Arjan Singh anvertraut.

Narrativer Zeigefinger

Billy ist einer von uns. Ein geborener Trapper, dessen Dasein Jahrzehnte auf die natürlichste Weise vom Jagdtrieb bestimmt wurde, bis er im Zuge einer sozialevolutionären Anpassung auf wildschützenden Naturhüter umschulte. T.C. Boyle verzichtet auf die Entwicklungsschmiere in einer Darstellung der Wandlung seines Helden vom Dschungel-Saulus zum Nationalpark-Paulus. Der narrative Zeigefinger ist ohnehin ständig auf die schöne Tara gerichtet. Das Projekt ihrer Auswilderung beginnt in der Ranger-Lodge des Dudhwa-Nationalparks.

Wikipedia weiß: „Der Dudhwa-Nationalpark liegt im nordindischen Bundesstaat Uttar Pradesh … Er umfasst eine Fläche von rund 490 Quadratkilometern. Dank des Einsatzes der einstigen indischen Premierministerin Indira Gandhi und des berühmten Naturschützers Billy Arjan Singh … erhielt die Fläche im Jahr 1977 Nationalparkstatus. Berühmt machten Dudwha seine Tiefland-Barasinghas (über 1600) und Tiger (98 im Jahr 1995).“

Tara führt sich auf wie ein Hund. Sie bevorzugt getauten Gulasch. An lebende Nahrung muss Billy sie gewöhnen. Sie fängt klein an und braucht lange bis zum ersten kapitalen Riss. Endlich weiß Tara, wofür sie geschaffen wurde, und geht ihrem Business als große Katze nach. Sie erlegt Sambars, eine tropische Hirschart, die sich mit ihrem offensiven Verteidigungsrepertoire von anderen Stirnwaffenträgern abhebt.

Taras Verhältnis zu Billy entspricht zunächst einem Dschungelbuchtraum. Die Entfremdung folgt der Gewöhnung ans Buschmilieu. Tara paart sich und wirft. Das ursprüngliche Programm erfasst alle ihre Glieder. Nur die angeborene Scheu vor dem Menschen ist pfutsch.

Die Liebe der Menschenfresserin

Eine Tigerin wird zum Problem. Sie flaniert über Dorfpromenaden, sie macht keinen Unterschied zwischen einem indischen Pferdehirsch und einer indischen Hausfrau.

Tara meidet den Menschen, aber sie fürchtet ihn nicht. Sie ist besser bewaffnet, das heißt, sie ist besser informiert. Was man so braucht zum Überleben, das hat sie in der kleinsten Kralle zur ständigen Verfügung. Sie kennt jeden Einheimischen nach seinen Eigenarten.

Immer schon gab es Menschenfresserinnen im Dschungel. Doch nie wusste eine so viel über ihre Beute wie Tara. Sie ist im Zoo zur Ethnologin geworden. Sie hat genau registriert, wie Billy seine Killeraffentechniken von letal auf investigativ drehte. Man verwahrt die Büchse und greift zur Kamera. Das ändert nichts an dem menschlichen Willen zur Dominanz.

Die promovierte Greiferin Tara gibt einen feuchten Dreck auf das Gedöns der Menschen. Und was macht Billy? Der falsche Hase holt sich eine Neue aus dem Frankfurter Zoo. Die Tigerin und ich könnten uns gekannt haben. Ich habe lange neben dem Zoo gewohnt und im Zoo viel geschrieben.

Biografische Kernschmelze

„Die Kunst lebt vom Zwang und stirbt an der Freiheit.“ André Gide

Eine biografische Kernschmelze erlebt Lehrer Todd, als ihm in einem untergejubelten Adult-Video die eigene Frau als Hauptdarstellerin begegnet.

Todds berufliche Umgebung ist „drogenfrei, alkoholfrei, tabakfrei, und jeder Lehrer muss jedes Jahr einen zweistündigen Online-Kurs zum Thema sexuelle Belästigung“ absolvieren. Vor dieser Kulisse betrachtet der Held Laurie „auf allen vieren, der Mann (steht) hinter ihr und (bearbeitet) sie.

Die Konserve versaut Todd den Tag. Er verliert seine Selbstbeherrschung an die Überlieferung einer Konstellation, die ihn herzlich wenig angeht. Die Aufzeichnung ist älter als seine Beziehung mit Laurie. Doch verhilft der Streifen dem aufgegebenen Liebhaber Jared (einem Künstler, „sehr visuell“, stets darauf erpicht, das Licht anzulassen) zu einer Art Auferstehung von den Toten aus Lauries Leben vor Todd.

Todd verabschiedet sich fürs Erste und lässt es in einer Kneipe krachen. In mir keimt der Verdacht, dass der bürgerlich getünchte Hippie sowieso am liebsten aus der Sterilität seiner häuslichen Misere in einem schlecht gebauten Rahmen brechen möchte, um endlich einmal wieder an einem soliden Tresen Whiskey zu trinken.  

Das Ende vom Lied überrascht. Todd kehrt heim und legt sich zu seiner Frau. Im Weiteren bereichert er mit der Studierenden-Report-Epsiode sein Beischlafphantasieportfolio.

Ich erzähle eine Kurzgeschichte nach der anderen nach so wie ich im Verlauf von Jahrzehnten ein Boyle-Buch nach dem anderen gelesen habe. Als ich anfing, Einladungen zu kriegen, war Boyle ein weltweit präsenter Autor, und jetzt, wo ich den Lohn meiner Intelligenz verzehre, ist er immer noch überall da. Nietzsche sagt: „Das Ende zu finden wissen. - Die Meister des ersten Ranges geben sich dadurch zu erkennen, dass sie im Großen wie im Kleinen auf eine vollkommene Weise das Ende zu finden wissen, sei es das Ende einer Melodie oder eines Gedankens, sei es der fünfte Akt einer Tragödie oder Staats-Aktion. Die ersten der zweiten Stufe werden immer gegen das Ende hin unruhig, und fallen nicht in so stolzem ruhigem Gleichmaße in‘s Meer ab, wie zum Beispiel das Gebirge bei Portofino dort, wo die Bucht von Genua ihre Melodie zu Ende singt.“

Oft hieß es unter Kolleg*innen, Boyle sei zu manisch/ rhapsodisch für den ersten Rang. Nie auch nur einen Tag ließ er nach eigener Angabe verstreichen zwischen der Beendigung eines Werks und des nächsten Riemens Anfang. Das Unentwegte erklärte er mit einer umgeleiteten Sucht. Auch Peter Kurzeck behauptete, dem ruhenden Alkoholismus die Hausordnung literarisch verkündet zu haben.

Es gibt eine Zeit für Bier vor vier

und eine Zeit für Tee

zu jeder Stunde.

Ein Paar spürt sich in seinem Schlafzimmer nah einem stinkenden Fluss, am Ende eines friedlichen Ferientages, dem eine durchtanzte Nacht voranging. Lamellen brechen das Licht. Der Erzähler schreitet vom prekären Ich zum schwarmhaft-unbefestigten Wir. Fremd sind dem Plural die Ansprüche der Eltern geworden. Für ihn gibt es nicht einmal mehr das Kassengestell. Vielmehr stammen die Fassungen der Brillengläser aus der Drogerie und müssen auf die tapferste Weise als Freizeichen getragen werden: als Unabhängigkeitsaccessoires.

„Wir hatten keine Stellen … Stellen waren ein Mythos, ein Gerücht … wir blieben an der Universität.“

Echte Studierende kommen und gehen. Der Lehrkörper bleibt opak. Berufliche Penetrationsversuche erinnern an den Hund, der die Sofalehne im hastigen Unrund mangelnder Grazie besteigt. Man fängt an, die Schuld bei sich und die Nähe anderer Versager zu suchen. Eine gewisse Peinlichkeit wird zur Routine, eine Verminderung Standard. Man ergattert Zufluchten, spielt mit dem Bluegrass-Landleben im Mittleren Westen; riecht den Schafschweiß und -scheiß in Erwartung einer Offenbarung.

Auf so einer gemieteten Farmfiliale ist man genauso verkehrt wie an der Uni als akademische Hilfskraft deutlich über Dreißig.

Boyle erzählt so wie man mit einer speichelfeuchten Fingerkuppe ein Register blättert. Das Erhabene der Erzählung, ein Streit im Milieu des akademischen Prekariats, unterliegt den Statusmeldungen, die eine Zeitleiste überqueren. Zwar landet neben dem Erzähler und seiner verstimmten Freundin Mallory ein bisschen Weltraumschrott wie bei einer persönlichen Zustellung. Die Geschichte gewinnt ihre Bedeutung trotzdem nicht im Einfallsreichtum des Autors, sondern in der bizarren Genauigkeit, mit der Boyle die Ratlosigkeit seiner Akteure schildert. Obwohl sie geborene Stadtamerikaner sind, wirken sie wie Geflüchtete aus irgendeiner Fremde. Jeder Hund, der sich normal verhält, bringt sie aus der Fassung. Ich weiß nicht, ob Boyle wirklich so weit geht, das zu sagen, aber er legt dem Leser nah zu denken: Diese Leute haben verlernt zu leben. Anderenfalls wären ihre Empfindungen, wäre ihr Repertoire nicht so lächerlich phantomhaft und apokalyptisch. 

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