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21.03.2020, Jamal Tuschick

Pressemitteilung des Hauses für Poesie

21. poesiefestival berlin: Sieben Tage Poesie auf Planet P

Anne Carson, poetischer Aktivismus, kanadisch-deutscher Versschmuggel

Das 21. poesiefestival berlin lädt vom 5. bis zum 11. Juni 2020 unter dem Motto Planet P in die Akademie der Künste am Hanseatenweg ein, unsere Sprachen und unsere Welt genauer unter die Lupe zu nehmen. Planet P ist nicht allein der Planet der Poesie, das Motto will Raum lassen für ein Nachdenken über unseren Planeten, der unter verschiedenen Aspekten akut gefährdet ist. Poesie ist im Hier und Jetzt verhaftet, ob in Auseinandersetzung mit Kriegen, Migration, Mehrsprachigkeit oder politischem Aktivismus. Es werden 150 DichterInnen aus aller Welt erwartet.

Schwerpunkt Kanada

Das poesiefestival berlin steht dieses Jahr im Zeichen des Länderschwerpunktes Kanada. So wird die Berliner Rede 2020 von der gefeierten kanadischen Dichterin Anne Carson gehalten. In 13 Kurzvorträgen unternimmt Carson darin poetologische und philosophische Streifzüge, die in die Antike und die eigene Kindheit führen. Sie führt vor, wie aus Fehlern Poesie entsteht und wie Metaphern uns lehren können, Genuss aus dem Irrtum zu ziehen. Die Rede erscheint in gedruckter Form im Wallstein Verlag.

Zu einem anspruchsvollen dreisprachigen VERSschmuggel sind 18 deutsch-, englisch- und französischsprachige AutorInnen sowie DichterInnen der first nations eingeladen. Im Vorfeld des Festivals übersetzen sie sich paarweise in Übersetzungsworkshops, eine lange VERSschmuggel-Nacht präsentiert die Ergebnisse als Highlight auf dem Festival.

Die diesjährige
Festivalausstellung Chorus bringt kanadische und deutsche KlangkünstlerInnen, DichterInnen und VideokünstlerInnen in einer dreisprachigen multimedialen Installation zusammen, an der auch die BesucherInnen sensorgesteuert durch ihre Bewegung mitwirken. Die Ausstellung öffnet bereits eine Woche vor Festivalbeginn (30. Mai). Poésie Go! unterhält die FestivalbesucherInnen an Hörstationen zusätzlich mit Poesie-Podcasts aus Kanada und Deutschland.

Lyrik, Politik und Migration

Ein Forum mit Aleida Assmann widmet sich dem Gedächtnis von Social Media und Internet, ein Abend u.a. mit Kathrin Passig beleuchtet digitale Poesie und ihre Distribution. In einer weiteren Veranstaltung geben Dichtkunst-AktivistInnen einen Einblick in ihre Arbeitsweisen und die Orte, an denen ihre Poesie entsteht: Gefängnisse, Friedhöfe oder Krankenwagen wie beim irakischen Dichter Kadhem Khanyar oder öffentliche Plätze bei der Belgierin Maud Vanhauwaert.

Migrantische Perspektiven werden an einem Abend zur Poesie der afrikanischen Diaspora in Europa und in einer Kooperationsveranstaltung mit vier AutorInnen der gleichzeitig stattfindenden Konferenz des
International Cities of Refuge Network (ICORN) beleuchtet.

Klassiker beim poesiefestival

Ein paar Tage vor Festivalstart (3. Juni) präsentiert Poets‘ Corner an einem Abend in zeitgleich stattfindenden Lesungen und Performances die DichterInnen sieben verschiedener Berliner Bezirke jeweils in ihrem Kiez.

Eröffnet wird das poesiefestival berlin mit
Weltklang, der langen Nacht der Poesie. Es lesen und performen neun DichterInnen aus der ganzen Welt in ihren Sprachen, dieses Mal u.a. Mircea Cărtărescu (Rumänien), den man bisher hierzulande nicht als Dichter kennt, Koleka Putuma (Südafrika), die mit Collective Amnesia in ihrer Heimat einen Bestseller vorgelegt hat, und Ariana Reines (USA), die kürzlich den hochdotierten Kingsley Tufts Poetry Award gewonnen hat. Das Publikum verfolgt das Sprachkonzert mit Taschenlampe und Reader.

Am Sonntag des Eröffnungswochenendes laden der
Lyrikmarkt mit Marktständen von 40 Lyrikverlagen und -magazinen sowie die Lesungen im Buchengarten zum Verweilen ein.

Ein umfangreiches Rahmenprogramm für alle von 0–99 hat die
Poetische Bildung zu bieten: mehrsprachige Programme, Workshops mit DichterInnen, ein Übersetzungsworkshop zu Anne Carson, queeres Dichten sowie Limonadenbaumlisten und 75 Jahre Pippi Langstrumpf!

Das poesiefestival berlin findet seit 2000 statt und ist das größte seiner Art in Europa. Neben dem Buch hat sich die Dichtkunst längst auch andere Präsentationsformen gesucht und experimentiert mit Theater, Performance, Musik, Tanz, Film und digitalen Medien. Das Festival macht Poesie in ihrer ganzen Formenvielfalt erlebbar und zählt bis zu 13.000 BesucherInnen jedes Jahr.

Das poesiefestival berlin ist ein Projekt vom Haus für Poesie in Kooperation mit der Akademie der Künste und wird gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds.


FR 5.6.– DO 11.6.2020
21. poesiefestival berlin

Akademie der Künste
Hanseatenweg 10
10557 Berlin


Auftaktveranstaltungen
SA 30.5. Chorus

Ausstellungseröffnung (Ausstellung läuft bis zum 11.6.)
MI 3.6. Poets Corner
Lesungen in den Berliner Bezirken

Tickets
können ab Anfang Mai online und an den Kassen der AdK am Pariser Platz und am Hanseatenweg sowie an der Abendkasse erworben werden.

Social Media
Facebook @poesiefestivalberlin
Instagram @hausfuerpoesie


Website
haus-fuer-poesie.org/

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