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26.03.2020, Jamal Tuschick

Betreff: "Die rbb Reporter - Wie Corona unser Leben verändert" | Sa, 28.3., 19:00 | rbb Fernsehen

Die Traditionskneipe "Metzer Eck" in Prenzlauer Berg hat zwei Weltkriege und die DDR-Planwirtschaft überstanden. Doch nun bangt Besitzerin Sylvia Falkner um ihre Existenz.

Aus meiner Berliner Frühzeit:

Obwohl sonst kein Mensch an Ort und Stelle nach Laufkundschaft aussieht, kriege ich umgehend den Stempel der Unbedenklichkeit aufgedrückt. Hier sind Leute in einer Tradition zuhause. Die Edeleckkneipe „Metzer Eck“ existiert seit 1913 und ist ihr eigenes Museum. Es gibt sogar einen „Novomat“, eine spielautomatische Antiquität, die ihre Gewinne in „Warenbezugsscheinen“ ausschüttete. In Gang gekommen in der Ära gusseiserner Beschläge. Ich lerne dazu, in der Heimlichkeit der Beobachtung. Im 19. Jahrhundert war dieser Flecken im Prenzlauer Berg noch ländlich genug für Windmühlen. In meinen topografischen Betrachtungen Berlins entdecke ich eine Genügsamkeit, die mich belustigt. Jedes Straßenschild könnte eine Verfehlung anzeigen, die Quartiere purzeln im Knobelbecher meiner Unverbundenheit. Kein Anschluss. Die Neugier: schon ein altes Tier. Wer was gesagt hat und wo was war, ist mir wurscht geworden. Mein Annäherungswille hat sich erschöpft, geblieben ist er auf den Strecken von tausend Tresen und anderen Wegmarken der großen Sprecharie des kleinen Mannes, dem im Schrebergarten seines Daseins ständig der Himmel auf den Kopf zu fallen droht.

Die Küche empfiehlt Eisbein. Das Schnitzel unter dem Ei schmeckt förmlich nach der Begeisterung für einen Feierabend in schierer Pantoffelöffentlichkeit. Das Wetter wird besprochen, mit heidnischen Einflüsterungen. Es mussten die Winter ja stets überlebt werden, mit der Aussicht auf einen Frühling. Älteste Befürchtungen stecken in den Wetterberichten, die man sich so zukommen lässt, als hätte jeder sein eigenes Wetter. Ein Fuchs schnürt über die Metzer Straße, das ist keine große Sache, manchmal kehrt der Fuchs auch ein.

Ein Film von Katja Riha und Clemens Riha

Erst waren es Clubs, Bars, Konzerthäuser, Theater und Sportstätten, die schlossen. Dann folgten Schulen und Kitas. In nur wenigen Tagen hat sich das Leben der Berlinerinnen und Berliner dramatisch verändert. Eine Woche lang begleiten die Filmemacher Katja und Clemens Riha ihre eigene Familie und andere Hauptstädter durch die Krise. 

Die Traditionskneipe "Metzer Eck" in Prenzlauer Berg hat zwei Weltkriege und die DDR-Planwirtschaft überstanden. Doch nun bangt Besitzerin Sylvia Falkner um ihre Existenz. Auch der Friseursalon "Rouge und Blond" ein paar Straßen weiter hat von einem Tag auf den anderen keine Kundschaft mehr und muss seine Mitarbeiterinnen in Kurzarbeit schicken. Vor allem für Familien ist die Situation schwierig. Plötzlich sind die Kinder den ganzen Tag zu Hause und sollen von dort lernen. Doch die Eltern müssen weiter arbeiten – auch in den eigenen vier Wänden. So wie Familie Kuran, die aus der Türkei stammt und seit vielen Jahren in Berlin lebt. In Marzahn-Hellersdorf kennt sich Bernd Siggelkow mit Krisen aus. Er kümmert sich mit seiner "Arche" um Familien in Not. Doch nun muss auch die Kindereinrichtung schließen und er nach neuen Wegen suchen, um die Familien weiterhin zu versorgen.

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