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31.03.2020, Jamal Tuschick

Wenn wir uns selbst schlecht fühlen, heißt das nicht, dass wir die anderen vergessen haben.  

Ich schreibe das, weil ich gemerkt habe, dass hier viele mitlesen, die sich politisch für Mitmenschen und -tiere verantwortlich fühlen. Wenn wir uns selbst schlecht fühlen, heißt das nicht, dass wir die anderen vergessen haben. Und wir tun, und werden weiterhin tun, was wir können, nach bestem Wissen und Gewissen und je nach momentanen Kräften.

Isolation - Ein Einwurf von Hilal Sezgin

Nein, es ist nicht leicht mit dieser Isolation – obwohl ich weiß, dass ich es noch wahnsinnig gut getroffen habe. Ich habe ein schöne Zuhause, rundrum Natur, alles blüht, ich darf raus, und noch dazu habe ich die Schafe und diesen unglaublich anhänglichen Begleiter (in seinen ersten Tagen als Hauskater folgte er mir sogar auf die Toilette – es war ihm vermutlich zu unheimlich, alleine in einem Wohnzimmer zu sein).

Und dann denkt man an all die, die es schlechter haben – die zerstrittenen Familien in kleinen Wohnungen, die unglücklichen Kinder ohne ihre Freunde und ohne Bewegung; an die Flüchtlinge auf Lesbos und anderswo. Dankbar soll man durch solche Vergleiche mit anderen werden, aber bei mir haben sie eher den gegenteiligen Effekt. Wenn ich an die Flüchtlinge in Südosteuropa denke, wird mir schlecht vor Sorge – was können wir denn für sie tun außer ein paar mickrigen Petitionen? Und wenn man sieht , wie sich Covid auf dem afrikanischen Kontinent ausbreitet, wo nicht so viele gut ausgestattete Krankenhäuser sind wie hier, wo nicht mal breit getestet wird – es ist einfach furchtbar.

Von der stets weiterlaufenden bzw. sich sogar verschärfenden Ausbeutung anderer Tiere will ich gar nicht erst sprechen. Und ich will Euch mit diesen Zeilen ja auch nicht unglücklich und mutlos machen, im Gegenteil. Ich denke, bis zu einem gewissen Grad hilft es, einander wenigstens einzugestehen, dass man verzagt und bedrückt ist. Zwar ist es sicher richtig, sich und andere an die politischen Dimensionen und die Situation anderer zu erinnern; aber wenn man gerade depressive Anwandlungen im Nacken sitzen hat, hilft das oft wenig. Und selbst wenn es einem doch objektiv gut geht, hat man „das Recht“, sich subjektiv äußerst bescheiden zu fühlen.

Ich schreibe das, weil ich gemerkt habe, dass hier viele mitlesen, die sich politisch für Mitmenschen und -tiere verantwortlich fühlen. Wenn wir uns selbst schlecht fühlen, heißt das nicht, dass wir die anderen vergessen haben. Und wir tun, und werden weiterhin tun, was wir können, nach bestem Wissen und Gewissen und je nach momentanen Kräften.