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29.04.2020, Jamal Tuschick

documentasplitter 6

Robert Rauschenberg in seiner Arbeit - Klaus Baum erinnert sich

Zwei Aufnahmen aus der Neuen Galerie, die damals noch Alte Galerie hieß; entstanden im Auftrag von Grace Glück. Zu sehen sind Robert Rauschenberg in seiner Arbeit „solstice“ und ein von Edward Kienholz gestaltetes Zimmer.

Im Jahr der documenta 3 war ich noch Lehrling bei der EAM, deren Hauptverwaltung sich in einem Hochhaus am oberen Ende der Treppenstraße befand. Ich hatte einen kleinen Text geschrieben, den der EAM-Bote veröffentlichen wollte. Den Chefredakteur nannte man 1964 noch Schriftleiter, und so war er auch. Unten auf der Straße fuhr ein offener Laster vorüber, der mit einer Skulptur von Henry Moore beladen war. Der Schriftleiter kommentierte das Ereignis mit den Worten: "Da kommt sie wieder, die entartete Kunst."
Vier Jahre später, als ich für Christo fotografierte, begegnete ich der Kunstkritikerin Grace Glück, die für die New York Times Fotos aus der Alten-Neuen Galerie haben wollte. Um Zutritt zu erhalten, es war der Tag der Eröffnung der documenta 4, benötigte ich die Erlaubnis von Arnold Bode, die er mir auf einem Zettel schriftlich erteilte. Als ich die Wärter am Eingang passiert hatte und in der Eingangshalle noch an meiner Kamera herumfummelte, wurde ich Zeuge folgender Szene: Ein Oberschüler erhielt von einem uniformierten älteren Mann eine Anweisung, deren Inhalt ich nicht mehr erinnere, aber der junge Mann fragte den Alten, warum das so sei, welchen Sinn die Anweisung habe, und der Uniformierte von der Wach- und Schließgesellschaft reagierte abrupt mit den Worten: „Du bist entlassen!“

Ich wunderte mich damals, dass die Weltkunstausstellung der Moderne Nazis zu ihrer Bewachung beschäftigte.

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