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03.05.2020, Jamal Tuschick

documentasplitter 8

Klaus Baum erinnert sich

Frank Barth 1987 (c) Klaus Baum

documentasplitter 8 setzt documentasplitter 7 fort. Da erwähne ich, dass Trakas menschlich beeindruckend war; vielleicht ist er deshalb mit Frank Barth aneinandergeraten. Nun denn, was ich meine ist Folgendes: Ich war mit Trakas in Kassel unterwegs, auf der Suche nach einem Gabelstapler-Verleih. Trakas orientierte sich bei der Frage, mit wem er Geschäfte machte, nicht am Preis, sondern am Charakter, an der charakterlichen Ausstrahlung der Geschäftspartner. In Bettenhausen begegneten wir zwei schmierigen, windigen Typen, bei denen man den Eindruck hatte, sie versprechen viel und halten wenig.
Als der Tag gekommen war, um Baumstämme zu besorgen, die Trakas für sein skulpturales Werk auf dem Königsplatz benötigte, waren wir in einem Waldgebiet östlich von Kassel unterwegs - und trafen am Rande einer Landstraße auf Dieter, der mit seinem Baumstämme-Transporter dort parkte. Dieter war genau der Typ Mensch, den Trakas schätzte: authentisch, ehrlich, offen. Mit ihm unternahmen wir dann nicht nur die Transporte vom Wald zum Arbeitsgelände in Heligenrode, sondern auch die von dort zum Königsplatz. Ich erinnere noch eine Situation: Wir saßen zu dritt draußen am unteren Rand des Königsplatzes an einem der Restauranttische, aßen eine Kleinigkeit und bestellten je ein Bier, das es dort nur in Flaschen gab. Kann sein, es war von Hütt, jedenfalls stand auf dem Etikett: Privat Hell. Für den englischsprachigen Trakas hieß das aber: Private Hölle. Und dazu, zur Hölle, entwickelte sich dann auch das Skulpturenprojekt von Trakas auf dem Königsplatz, nämlich von dem Moment an, als Frank Barth zwischen die skulpturale Gestaltung des Geldes wegen Imbissbuden reinknallte, die Sauerkraut mit Bratwurst auf Plastiktellern und mit Plastikbesteck verkauften.

Dann hatte ich meinen Streit mit Barth. Trakas war plötzlich verschwunden und hatte seinen Suzuki Super Carry ordentlich aufgeräumt und abgeschlossen im Durchgang vom Zwehrener Turm untergestellt. Ich hatte inzwischen zum Führungsdienst von Michael Grauer gewechselt und den Blaumann mit einem hellgrauen Anzug getauscht. Auf Barth traf ich vorm Fridericianum kurz vor der Eröffnung der d8. Er berichtete mir vom Verschwinden Georges und davon, dass der Suzuki auf der Rückseite des Museums stand. Ich sagte Barth, wo er den Autoschlüssel fände, nämlich unterm Auto, befestigt mit Panzerband. Barth verlangte von mir, dass ich unters Auto krieche und den Schlüssel hervorfummle. Ich verweigerte ihm dieses Ansinnen, mit dem Hinweis, dass ich einen Anzug anhätte, mit dem ich ungern auf dem Trottoir herumkriechen möchte, außerdem hätte er mir nichts mehr zu sagen, da Grauer seit einigen Tagen mein Chef sei. Doch Barh war nicht der einzige mit autoritärem Gehabe auf der d8.