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25.05.2020, Jamal Tuschick

Zurzeit lesen Mainlaboranten Leon Uris‘ Birth-of-a-nation-Sundowner „Exodus“.

Aliyah Bet

Wir vom #Mainlabor finden es wichtig, dass man ab und zu mal eine Probe der Trivia nimmt, mit der man sozialisiert wurde. Der Erfolg von „Exodus“ war auf allen Feldern der Verbreitung gigantisch. Die narrative und sentimentale Exploitation des Flüchtlingselends als einer Verwerfungsfolge des Faschismus dimensionierte und dynamisierte eine Industrie. Zudem wirkte sich die Schwarte auf den israelischen Staatsgründungsmythos aus. Es gab wohl nicht wenig Schulkinder, die Ari ben Kanaan für eine Person der Zeitgeschichte hielten.

Ein fiktiver Charakter überflügelt eine Reihe israelischer Leitfiguren. Leon Uris' taffer Flüchtlingshelfer Ari ben Kanaan hat einen Weg in die Wirklichkeit gefunden. Im Film wird er von Paul Newman verkörpert.

Zypern 1946 - Während der angeschlagene amerikanische Korrespondent Mark Parker auf die Liebe seines Lebens wartet, ich rede von Kitty, verwitwete Fremont, Tom Fremont fiel in der Normandie, er hatte sich freiwillig gemeldet als Sieger auf der ganzen Linie des Lebens im Wettstreit mit Mark, dem ein Mangel an Exzellenz Zweifel an sich eingeben, fiebert David ben Ami einer anderen Begegnung entgegen. Wir sehen ihn in einem verfallenen Haus über einer Bucht, „nördlich von Famagusta“. Der Himmel hat sich hinter Wolken zurückgezogen. David ben Ami hört einen Schiffsmotor und läuft zum Strand. Er entsichert seine Maschinenpistole. Sollte eine britische Patrouille um die Ecke biegen, sähe er sich gezwungen, das Feuer zu eröffnen.

Mich wundert es nicht, dass Kitty noch schöner ist, als Mark sie in Erinnerung hatte. Sie wirft sich in seine Arme und gähnt:

„Mark.“

Ari ben Kanaan taucht kernig aus dem Meer auf und raucht erst mal eine. Der Mossad Aliyah Bet-Agent erklärt:

„Die Zentrale hat mich hierhergeschickt, eine Massenflucht aus den Lagern zu organisieren.“

Zur gleichen Zeit tanzen Kitty und Mark auf einer Hotelterrasse. Sie finden sich sexy. Doch sieht sich Mark zu diesem Kitsch veranlasst:

„Er ... wollte sie nicht begehren. Es gab für Mark ... nicht viel auf dieser Welt, wovor er Achtung hatte. Es war ihm ein Bedürfnis, Kitty Achtung entgegen zu bringen.“

Sorgen macht sich inzwischen Gouverneur Reginald Thomas Herbert Fletcher. Im Roman heißt er anders. Er fürchtet nichts mehr als schlechte Presse. Die britische Palästina-Präsenz ist ein Desaster im Rahmen eines allgemeinen Niedergangs des Empires. Der Statthalter des Königs trinkt Gin in der historischen Abendstunde. Er vertritt Ideen ohne Zukunft. Er steht für eine verfallende Ordnung. Sein Albtraum ist Ari ben Kanaans Lebenstraum.

Wie ein Turm so groß und breit steht er über den Männern, deren Kleinmut sein größtes Problem ist. Dem Sinn nach sagt Ari ben Kanaan zu den Schwankenden: Scheißt auf den Stacheldraht, die Wachen und das Meer. Wir gehen da rein und entweder gehen wir drauf oder wir holen die Leute raus.

Er weiß, dass die Briten auf Zypern am Ende sind. Ihnen kommt gerade der koloniale Hochmut abhanden. Sie delegitimieren sich täglich, indem sie Leute internieren, die aus Lagern kommen. Sie schlafen so schlecht wie Verdammte. Die ihrer Aufsicht Unterstellten tragen aber einen Hoffnungskeim in sich, der sie immun macht gegen alle Widrigkeiten.

Dem Unterhaltungsschriftsteller Uris gelingt es besser als manchem Vertreter der Hochkultur den springenden Punkt anzusteuern. Männer wie Ari ben Kanaan wissen, dass die Mandatsträger nur noch nach Hause wollen. Vor allem wollen die Briten keine Bilder von Verfolgten des Nationalsozialismus hinter englischem Stacheldraht.

Uris‘ Helden berufen sich auf Bar-Kochba. Seine Helden formulieren einen zeitlosen Plural. So wie wir gegen die Römer gekämpft haben, kämpfen wir nun … Bald mehr.