MenuMENU

zurück zu Main Labor

25.05.2020, Jamal Tuschick

Nachtfaltergleich

Wie man über Leute redet.

Der Aufstieg fiel ihr leicht. Mit Zwanzig debütierte sie. Beinah vorauseilend räumte man ihr einen Logenplatz ein. Der Erfolg erschien als Begleiterscheinung und verfehlte als Mittel gegen die Daseinsschmerzen einer Empfindsamen alle guten Wirkungen. S. zerriss sich in der Öffentlichkeit. In TV-Runden nagte sie an ihren Nägeln. Da wusste man schon, sie soff und zoffte zwanghaft mit maßgeblichen Leuten. Sich auf S. zu berufen, wurde schließlich ein Ausschlussgrund. Mit siebendreißig war S. ausgebrannt. Sie erinnerte uns an Gisela Elsner, die Roswitha Schieb in ihrer Sammlung exemplarischer Biografien als „radikal emanzipatorisch“ würdigt.

Eine Improvisation nach einer Melodie von Roswitha Schieb, „Risse. Dreißig deutsche Lebensläufe“, Lukas Verlag, 299 Seiten, 24.90 Euro

Klaus Roehler, Elsners Ehemann in den Jahren von 1958 – 1963, rivalisiert mit Bernward Vesper um die Gunst von Gudrun Ensslin „und leidet darunter, dass (Ensslin) Andreas Baader den Vorzug gibt“. Der gemeinsame Sohn Oskar Roehler wird ihm einmal vorwerfen, ein „verkleideter Nazi“ und ewiger Hitlerjunge gewesen zu sein.

Der Regisseur Oskar Roehler besetzt die Rolle seiner Mutter mit Hannelore Elsner.

Wikipedia weiß „Die Unberührbare ist der vierte Spielfilm des deutschen Regisseurs Oskar Roehler aus dem Jahr 2000. Roehler verarbeitete darin die letzte Phase im Leben seiner Mutter Gisela Elsner.“

Schieb beschreibt H. Elsners Spiel als „nachtfaltergleich“.

Nachtfaltergleich „irrt sie in der Sackgasse ihres Lebens“ herum.