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08.06.2020, Jamal Tuschick

Art Now im Gropiusbau

Mit The Dining Project geht Lee Mingwei der Frage nach, ob eine Kunstinstitution Raum für emotionale Verbindungen bieten kann. Für den Gropius Bau wird diese Arbeit an die aktuelle Situation angepasst und in einer veränderten Form im digitalen Raum stattfinden. Lee Mingwei lädt Besucher*innen zu einer virtuellen Teestunde ein, wobei er und die*der nach dem Zufallsprinzip ausgeloste Teilnehmer*in im Vorfeld ein Rezept für ein Gebäck austauschen, das sie dann bei einem digitalen Treffen gemeinsam essen.

Lee Mingwei - The Dining Project (1997/2020) © Courtesy: Taipei Fine Arts Museum

Die virtuellen Teestunden finden im Zeitraum vom 14. Mai bis 9. Juli 2020 immer dienstags und donnerstags um 16:30 statt (in englischer Sprache). Um an der Verlosung teilzunehmen, senden Sie bitte eine E-Mail mit Ihrem Namen, Ihrer Telefonnummer und dem Termin Ihrer Wahl an opencalls@gropiusbau.de. Wenn Ihr Name ausgelost wird, werden Sie eine Woche vor dem von Ihnen angegebenen Termin informiert.

9. Juni 2020 – 16:30
11. Juni 2020 – 16:30
16. Juni 2020 – 16:30
18. Juni 2020 – 16:30
23. Juni 2020 – 16:30
25. Juni 2020 – 16:30
30. Juni 2020 – 16:30
2. Juli 2020 – 16:30
7. Juli 2020 – 16:30
9. Juli 2020 – 16:30
(Alle Zeiten MESZ)

Ihre Angaben werden vertraulich behandelt; alle Daten werden mit Ende der Ausstellung gelöscht.

Ein Austausch in verschiedene Richtungen

Aus einem Interview von Stephanie Rosenthal mit Lee Mingwei

Lee Mingwei, Guernica in Sand, 2006/2020. Installationsansicht Lee Mingwei: Li, Geschenke und Rituale, Gropius Bau, Berlin, 2020 © Laura Fiorio

STEPHANIE ROSENTHAL: Als wir anfingen, über deine Ausstellung nachzudenken, brachten unsere Diskussionen wesentliche Wörter und Begriffe ins Spiel. Drei dieser miteinander verbundenen Wörter lauten „Vertrauen“, „Zufall“ und „Unbeständigkeit“. Beginnen wir mit dem Zufall: Wie manifestiert sich dieser in deinen Arbeiten?

LEE MINGWEI: Wenn ich über den Zufall nachdenke, wird mir bewusst, dass das der rote Faden ist, der alles durchzieht, was ich tue, und – in einem gewissen Sinn – alles, was jede*r tut. Ich erwähne dies aus einem bestimmten Grund: Wenn du dir einen Stammbaum vorstellst, dann befindest du dich an seinem unteren Ende. Deine Eltern sind der vorhergehende Punkt, davor kommen deine Großeltern und so weiter. Vielleicht gelangst du an einen Punkt, an dem eine*r deiner Vorfahr*innen „dazwischen“ ist – sie*er ist menschlich und nichtmenschlich zugleich. Wenn wir unsere Punkt-zu-Punkt-Logik fortsetzen, wird dir schnell bewusst, dass eine*r deiner Vorfahr*innen ein Wesen zwischen Säugetier und Amphibie sein könnte. Du kannst diesen Punkt bis zu einer einzigen Zelle zurückverfolgen. Eine*r deiner Amöben-Vorfahr*innen könnte von einer anderen Amöbe verschlungen worden sein, was nicht geschehen ist. Eine*r deiner Insekten-Vorfahr*innen könnte durch einen Regentropfen oder einen herabfallenden Meteoriten zerstört worden sein, was nicht geschehen ist. Es ist ein Wunder, dass wir durch Zufall überlebt haben. Das sagt meiner Meinung nach sehr viel über Zufall und Vertrauen aus: Wir sind von ihrer Gnade abhängig.