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14.06.2020, Jamal Tuschick

Der Kampf um die Symbole weißer Vorherrschaft ist verloren

Ja, es stellt sich die Frage: Wie über Churchill reden? Nein, man sollte einen Denkmalsturz nicht tragisch nennen. Tragisch war das Schicksal der Versklavten. Jeder, der bereit ist, für seine Überzeugungen einzustehen, kann von Churchill lernen. Churchill bezwang Hitler in gewisser Weise persönlich, indem er seinen Willen weniger willensstarken Leuten aufzwang. Er nahm einen zunächst überlegenen Feind an. Ich werde das weiterhin wunderbar finden. Trotzdem verkörpert Churchill das Empire in der Manier von there is no Black in the Union Jack.

Der Kolonialismus war eine europäische Selbstverständlichkeit und ein gesellschaftliches Großprojekt mit starken pädagogischen Motoren. Jahrhunderte wurde jeder Jahrgang auf die weiße Rolle vorbereitet. Man erachtete die Kolonien als Höfe, die fachkundig bewirtschaftet werden mussten. Auf der einen Seite standen die europäischen Spezialisten und auf der anderen Seite vegetierten in die Objekthaltung gepferchte, der Ausbeutung preisgegebene Wesen, deren Wert von ihrem Nutzen abhing. Der Komplex war so umfassend, dass sich kein Außen erkennen ließ. Man züchtete den weißen Hochmut und die Idee von der natürlichen Überlegenheit in einem Rahmen, der sich als Totalität darstellte.

Es gab nichts anderes als den weißen Blick auf das Schwarze Ungenügen. So wurden Tatsachen festgestellt. Die Ungeheuerlichkeit bleibt manifest in der Literatur und auch in den Statuen, die in London und anderswo in Gefahr sind.

Ja, es stellt sich die Frage: Wie über Churchill reden? Nein, man sollte einen Denkmalsturz nicht tragisch nennen. Tragisch war das Schicksal der Versklavten. Jeder, der bereit ist, für seine Überzeugungen einzustehen, kann von Churchill lernen. Churchill bezwang Hitler in gewisser Weise persönlich, indem er seinen Willen weniger willensstarken Leuten aufzwang. Er nahm einen zunächst überlegenen Feind an. Ich werde das weiterhin wunderbar finden. Trotzdem verkörpert er das Empire in der Manier von there is no Black in the Union Jack. Wir müssen auch über Mark Twain reden und uns David Hugendicks Einschätzung einer neuen Lese- und Schreibweise von Huckleberry Finn vornehmen. 2011 schrieb Hugendick in der ZEIT: „Den frommen Puritanern ging es ... um den Herumtreiber Huck, den sie als unzivilisiert und unmoralisch empfanden. Seit Jahrzehnten nun nehmen manche Politiker und Aktivisten Anstoß an dem Wort "Nigger", das wie kein anderes für das Martyrium der schwarzen Amerikaner steht. Eine neue Edition soll es jetzt aus dem Werk verbannen und durch "Sklave" ersetzen . Insgesamt 219 Mal hat Alan Gribben das N-Wort gezählt. Er ist Professor an der Auburn Universität und Herausgeber der neuen Ausgabe, die im Februar erscheint. Vermutlich wird er damit ein paar verschreckte Eltern beruhigen und manch einem Lehrer die unangenehme Last nehmen, dieses Wort vor seinen Schülern auszusprechen. Was Gribben aber dem Werk antut, ist seine Enthistorisierung.“

Ich schätze, eine Wiederholung dieser Einschätzung wird Hugendick nicht liefern. Es gibt keinen einzigen Grund für das N-Wort aus dem Mund eines Weißen.