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06.07.2020, Jamal Tuschick

documentasplitter 14

Klaus Baum erinnert sich

Michael Buthe mit zwei seiner Arbeiten 1967 oder 1968 auf dem Hinterhof seines Ateliers im Kasseler Königstor © Klaus Baum

Das Interesse für die documenta habe ich meinem Deutschlehrer Wolfgang Bosse zu verdanken. Er schwärmte für die Moderne und pries die Offenherzigkeit der Damen auf der Eröffnungsfeier der documenta 3. Seine Wohnung war möbliert mit Eames und Bertoia, Hermann Miller Collection und Knoll International. Herr Bosse fuhr auch mit dem Galeristen Ricke, der Anfang der sechziger Jahre noch seine Räume im Souterrain der Brandkasse in der Kölnischen Straße hatte, nach Paris und kaufte dort in der Galerie Sonnabend Warhol und Rauschenberg für'n Appel und 'nen Ei.
Später, als Bosse in der Olgastraße eine riesige Altbauwohnung bezog, leistete er sich eine wandfüllende Arbeit von Michael Buthe, dessen dreifache documenta-Teilnahme in den Sechzigern noch nicht absehbar war. Das große Zeichentalent Buthe hatte das Kunstvolle verlassen, um Kunst zu machen. Längliche Holzkästen semi-umwickelte er mit weißer beziehungsweise schwarzer Plastikfolie und Bosse hatte eine dieser Arbeiten in ziemlicher Größe erworben. Aus Gründen, die ich nicht mehr erinnere, musste er umziehen, und zwar in eine Neubauwohnung mit einer Standarddeckenhöhe von Zwei-Meter-Fünfzig. Der Buthe passte da nicht mehr rein, und weil Bosse mittlerweile Professor an der Gesamthochschule war, nutzte er die Gelegenheit, das Riesenwerk von Buthe in einem der Keller der Uni abzustellen. Doch eines Tages war das Werk verschwunden. Der Hausmeister hatte es entsorgt.