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12.07.2020, Jamal Tuschick

Träume verbinden, auch wenn sie sich nicht erfüllen.

Zwei Leben, drei Träume - Von Vito Avantario

© Vito Avantario

Als Sven und ich uns an einem Trainingstag zu Beginn der 80er-Jahre auf einem Hamburger Ascheplatz zum ersten Mal begegnet sind, waren wir sehr unterschiedliche Kinder. Er lebte in einem prächtigen Haus in der Isestraße, ich in einem kaputten Altbau in Eimsbüttel. Sven und ich spielten einige Jahre in der Jugend des ETV, er als Torwart, ich war sein Vorstopper.

Weil er auf seiner Position talentierter war als ich auf meiner, spielte er bald in der Deutschen Junioren-Nationalmannschaft. Später wechselte er zu Werder Bremen und zum HSV. Ich verlor ihn aus den Augen und beobachtete seine Laufbahn aus der Entfernung. Immerhin hatte es mich erst zu einem Verein in die Hamburger Verbandsliga, später dann zurück zum ETV in die Landesliga gespült. Sven erlitt bald einige schwere Sportverletzungen, so dass sich sein Traum, Profi zu werden, nicht verwirklichte. Ich stieg 1993 aus und wechselte zum Boxen und Karate.

Heute, 40 Jahre später, haben Sven und ich uns wiedergetroffen. Sven ist Leiter der Nachwuchsabteilung beim HSV. Er hat mich für zwei Stunden in seinem Reich herumgeführt. Als wir am Ende an seinem Schreibtisch saßen, hat er einen Schrank geöffnet und einen alten Leitzordner herausgezogen, in dem er seine Erinnerungen aufbewahrt hat. Darunter waren zwei akkurat beschriebene Blätter, Kinderschrift, mit allen gemeinsam bestrittenen Partien der Aufstiegsrunde zur B-Jugendleistungsklasse (1980/81), die wir genauso wenig erreichten, wie den Traum vom Profifußball.

Träume verbinden, auch wenn sie sich nicht erfüllen.

Vito Avantario, 54, Reporter, Buchautor, Personal Coach