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16.07.2020, Jamal Tuschick

Betreff: Robin DiAngelos »Wir müssen über Rassismus sprechen« erscheint heute bei Hoffmann und Campe

White Fragility

Rassismus ist, wie jüngste Ereignisse wieder zeigen, in unserer Gesellschaft und ihren Institutionen tief verwurzelt. Wie sehr Weiße daran mitwirken dieses System zu stärken und davon profitieren, ist häufig nicht offensichtlich. Indem Rassismus klar als "Böse" kategorisiert wird, wird das Problem außerhalb des Individuums angesiedelt und die Verantwortung abgeschoben. 
In ihrem wegweisenden Buch erklärt die bekannte Diversity-Trainerin und Wissenschaftlerin Robin DiAngelo, warum Rassismus ein Thema ist, das uns alle angeht: Um ihn als System zu bekämpfen, müssen wir erkennen, dass wir ein Teil davon sind und daran teilnehmen. Werden rassistische Denkmuster angesprochen, ist die Reaktion oft Trotz und Empfindlichkeit. Für die Ablehnung der Mehrheitsgesellschaft, über dieses Thema zu sprechen, hat DiAngelo den Begriff »weiße Fragilität« (»white fragility«) geprägt. 
 
Die Autorin erörtert die Ressentiments Weißer soziologisch und zeigt, wie sie überwunden werden können. Das Buch richtet sich somit klar an ein weißes Publikum. Die Lektüre kann weh tun, ist unbequem und zieht uns alle zur Verantwortung. Ein Must-Read für jede/n, der/die der Meinung ist, Rassismus betreffe ihn/sie nicht.
 
Hier spricht Robin DiAngelo mit Jimmy Fallon in der Tonight Show über ihr Buch White Fragility.

Aus der Ankündigung: Rassismus ist kein Phänomen, das man lediglich am rechten Rand unserer Gesellschaft findet. Doch wir haben verlernt, ihn zu sehen und streiten ab, dass er in unserem Denken eine Rolle spielt (etwa, wenn Sigmar Gabriel Clemens Tönnies mit den Worten verteidigt: »Das ist Quatsch, wer ihn kennt, weiß, dass er kein Rassist ist. Vor allem aber verniedlicht dieser Vergleich die wirklichen Rassisten!«). Dieses Herunterspielen von Hetze und Vorurteilen und das Umdrehen eines solchen Vorwurfs als persönlichen Angriff gegen den Sprecher nennt Robin DiAngelo »Weiße Fragilität«. DiAngelo zeigt, wie wir ihn alle (oft unbewusst) nutzen. Dabei wissen wir aus jüngster Vergangenheit, wie schnell aus scheinbar harmlosen Worten Taten werden. Wie weit sich diese gefährliche Rhetorik vom rechten Rand bereits in die Mitte vorgefressen hat, zeigt Rassismus-Forscherin DiAngelo anhand erschreckender alltäglicher Beispiele. Ein Buch, das weh tut, das aufweckt, das aber auch zeigt, wie rassistisches Denken endlich aus unserer Gesellschaft verschwinden kann.

Robin DiAngelo © Gabriel Solis

Robin DiAngelo ist Soziologin und forscht seit Jahren zum Thema Rassismus. Sie lehrt unter anderem an der University of Washington in Seattle. Außerdem gibt sie seit mehr als 20 Jahren Kurse zu Antirassismus. 2011 hat sie den Begriff "white fragility" geprägt, der die abwehrende und aggressive Reaktion vieler Weißer bezeichnet, wenn sie mit dem Rassismus konfrontiert werden, der von ihnen ausgeht. Ihr Buch Wir müssen über Rassismus sprechen steht in den USA seit Erscheinen im Juni 2018 bis heute auf der New York Times Bestsellerliste.