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05.08.2020, Jamal Tuschick

„Wir müssen stark sein. Wir müssen den Antisemiten überall auf der Welt immer überlegen sein. Ihnen immer und überall mehrere Schritte voraus sein.“

Arye Sharuz Shalicar in der Jüdischen Allgemeinen

Rache

Eingebetteter Medieninhalt

Der polnische Reichsbahnbedienstete Artur Pronicki gerät zufällig in die Hölle von Treblinka. Als kleinstes Licht in der Beamtenhierarchie ist es an ihm, eine auf dem Postweg ignorierte Mahnung der Bahn dem Lagerkommandanten Franz Stangl persönlich zuzustellen. Ich komme Ihnen jetzt nicht mit Dantes Höllenkreisen. Wir wissen alle, dass wir es nicht wissen. Die industrielle Menschenvernichtung dimensioniert jenseits der Begriffe. „Ein Haufen Kinderschühchen“ macht den größten Eindruck auf den Eisenbahner. Da sich die Opulenz des Grauens nicht in Worte fassen lässt, pointillisiert der Eisenbahner ein Detail. 

Michał Wójcik, „Der Aufstand von Treblinka. Revolte im Vernichtungslager“, auf Deutsch von Paulina Schulz-Gruner, Piper, 410 Seiten, 24,-

Treblinka liegt im Landkreis von Warschau nah einer Bahnstation in einem Stacheldrahtsaum. Man fährt auf der Kurt-Seidel-Straße ein. Unterschieden wird zwischen unterem und oberem Lager. In Treblinka I steht die Rampe vor einer Bahnstationsattrappe und unter dem Schild Treblinka-Obermajdan. Es gibt noch mehr Vortäuschungen eines halbwegs zivilen Standards, so wie die Aufschrift Zum Gutshof. Der ausgeschilderte Tierpark existiert tatsächlich mit Bürgersteigen und Blumenbeeten.

Der Tod dominiert die Atmosphäre - Seine Ausdünstungen „massakrieren die Sinne“

Wójcik gibt seinem Akteur Gelegenheit, das moribunde Panorama mit seinen grotesk-idyllischen Spitzenklöppeleien in sich aufzunehmen. Pronicki begegnet Stangl, einem österreichischen Weber und Polizisten, der 1938 seinen privaten Anschluss vollzog. Der Kommandant präsentiert sich im „überwältigenden Gestank des Todes“ in einer schneeweißen, maßgeschneiderten Galauniform. Während er sich über den vor Bedeutungslosigkeit strotzenden Befehlsempfänger mokiert, laufen sich Alfred Galewski und das Untergrund-Actionteam im Gefolge von Julian Corążycki für einen Aufstand warm.

Diese Männer wollen Rache. Quelle

… „in die Entstehung einer Widerstandsgruppe mit dem Ziel der Rache an den Deutschen“ … Wikipedia weiß: „Der Aufstand von Treblinka fand am 2. August 1943 in dem Vernichtungslager statt. Er erfolgte nach monatelanger Planung, Häftlinge nannten ihn Aktion H. Im Verlauf des Aufstands kamen zahlreiche Häftlinge zu Tode. Es wurden zwar Gebäude beschädigt oder zerstört, die gemauerten Gaskammern jedoch nicht.

Es war der erste bewaffnete Aufstand in einem NS-Vernichtungslager.

Die führenden Mitglieder des Aufstands waren Arbeitshäftlinge mit zentralen Aufgaben im Vernichtungslager, die sich in einem Organisationskomitee organisiert hatten. Das ursprüngliche Komitee zur Vorbereitung des Aufstands bestand aus: Dr. Julian Chorążycki, einem ehemaligen Hauptmann der polnischen Armee; Ze'ew Korland, dem Kapo der als „Lazarett“ bezeichneten und getarnten Erschießungsstelle im Lager, Želomir „Želo“ Bloch, einem Leutnant der tschechoslowakischen Armee, Israel Sudowicz, einem Landwirt aus Warschau, und Władysław Salzberg, einem Schneider aus Kielce.“

Michał Wójcik ist Historiker, Journalist und Autor historischer Bücher. In Polen schrieb er mehrere Bestseller und wurde 2015 mit dem renommierten Geschichtspreis der Polityka ausgezeichnet. Sein neues Buch über den Aufstand in Treblinka wurde von der polnischen Newsweek zum „Buch des Jahres“ erkoren.