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11.09.2020, Jamal Tuschick

Einst traf ich im Antiquariat Schutt den größten Bibliomanen des Rheinmain-Deltas. Herbert Heckmann stammte aus dem Kuhwald, er hatte als Kind Zeppeline über dem Messegelände aufsteigen sehen. Der barocke Professor konnte boxen, das unterschied ihn von den Bohemeschlappen. Sein Haus in Bad Vilbel war einsturzgefährdet, weil es der Last der Bücher, die Heckmann zu horten beliebte, im Grunde eines Heimchenherzens nicht gewachsen war. Heckmann war auch ein leidenschaftlicher Fußgänger. Manchmal astete ich mit ihm von Bernem beinah allzeit an der Nidda nach Vilbel. Ja, das Antiquariat Schutt gehört zu Frankfurt am Main wie der grüne Fichtenkranz vor die herrlichsten Apfelweinschwemmen. 

Solidarität mit Schutt

"Das Antiquariat der Buchhandlung Schutt ist seit Jahrzehnten ein Kraftwerk der Kultur in Frankfurt und einziger Treffpunkt der Bohème. Ohne diesen Ort wäre die Stadt ärmer als ohne den Main oder den Goetheturm. Ach was, es wäre schlimmer als ein 2:8 der Eintracht gegen die Kickers.“ Jan Seghers

In eigener Sache

Seit über zwanzig Jahren führe ich mit meinem Team die Buchhandlung Schutt in Bornheim Mitte. Diese Traditionsbuchhandlung gehört zu Bornheim wie das Uhrtürmchen und sie ist auch fast so alt.
Der Vermieter der Buchhandlung hat mir eine Räumungsklage geschickt, die am 25. September vor dem Landgericht Frankfurt verhandelt wird.

Seitdem ich mich gegen die Zerschlagung der Buchhandlung und den Verlust des Arbeitsplatzes meiner Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter wehre, werde ich mit diversen Schikanen mürbe gemacht.

Das Antiquariat in der Arnsburger Straße ist ein ganz besonderer Ort. Es gibt keinen zweiten dieser Art in Frankfurt – er ist das kulturelle Wohnzimmer dieses Viertels. Hier gab es legendäre Veranstaltungen mit Robert Gernhardt, Eckard Henscheid, Wilhelm Genazino, Martin Mosebach, Michi Herl und Jan Seghers. Er ist und war das Zuhause der Neuen Frankfurter Schule. Hier wurden Autoren bekannt gemacht und Buchpremieren gefeiert.
Ich habe einen gültigen Vertrag mit dem Besitzer und bin nicht Willens und auch nicht in der Lage, eine Mieterhöhung von fast 2.000 Euro zu bezahlen. Sollte die Buchhandlung auf den kleinen Verkaufsraum reduziert werden, ist sie nicht mehr lebensfähig und Bornheim verliert sein kulturelles Zentrum.

Gerade während des Shutdowns haben wir eine Unterstützung unserer Kundinnen und Kunden erfahren, die uns überwältigt hat.

Kampflos werden wir die älteste Traditionsbuchhandlung der internationalen Messestadt Frankfurt nicht aufgeben!

Angelika Schleindl