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17.09.2020, Jamal Tuschick

Inklang - contemporary pan:sori

© Koreanisches Kulturinstitut Berlin

Junge koreanische Talente 2020 / Online / Ensemble INklang mit Volker Sondermann

Eingebetteter Medieninhalt

Ha Lym Kim: Koreanische Perkussion, Stimme

Bo-Sung Kim: Koreanische Perkussion, Objekte, Stimme
Sol-i So: Gesang, Performance, Komposition
Volker Sondermann: Koreanische Perkussion, Elektronik, Komposition

Programm

Sol-i So
Feldblumen (2016)
für Stimme, Sori-Buk und Jing

Feldblumen erzählt die Geschichte über das Schicksal von vier Frauen zur Zeit des
Widerstands gegen die Annexionsbestrebungen des japanischen Kaiserreiches am Ende der Joseon-Zeit (1392 - 1910).

Dramatis Personae sind:
Eine strenge und stolze Großmutter aus wohlhabendem Yangban-Haushalt und deren Schwiegertochter, die ihren Mann und ihre Kinder im Krieg verlor sowie eine hartgesotteneBäuerin, die als Pächterin in einem großen Abhängigkeitsverhältnis steht und deren Tochter, die auf der Flucht von japanischen Soldaten missbraucht wurde. So Sol-i wird eine Szene, in der diese vier Frauen gemeinsam auf der Flucht sind, performen.

Bei der Vorbereitung des Stückes ging es der Künstlerin nicht darum, die Traurigkeit oder den Zorn über die vergangene, schmerzhafte Geschichte in uns wachzurufen. Es ist vielmehr ein Ritual für diese, den Feldblumen gleichenden Frauen. So Sol-i möchte mit diesem Werk ihre Dankbarkeit gegenüber den vielen namenlosen Frauen, die unser eigenes Dasein durch ihr Opfer erst ermöglichten, zum Ausdruck bringen.

Sol-i So
Bambusgarten - Jirisan 1951 (2018)
für Stimmen, Sori-Buks, Objekten und Zuspiel

Der Berg Jirisan im Süden Koreas ist während des Koreakrieges (1950–53) ein Ort des Rückzugs. Soldaten verstecken sich hier. Oft besuchen sie das Dorf am Fuße des Berges, um den dort lebenden Frauen – die Männer sind im Krieg oder schon tot – Essensvorrätezu rauben. Eines Tages versteckt sich in dem von der südkoreanischen Armee besetzten Dorf ein nordkoreanischer Soldat im Bambusgarten einer Witwe. Sie verlieben sich. Doch ihre Freundin erpresst den Soldaten, zwingt ihn zum Sex, wird schwanger und begeht daraufhin Selbstmord. Tage später brennt die südkoreanische Armee den Wald nieder; dabei stirbt auch der nordkoreanische Soldat.

Diese in Korea bekannte Geschichte über das Schicksal der koreanischen Frauen, die sich keiner der beiden Kriegsparteien verpflichtet fühlten und in ihrem Überlebenskampf auch die damals strengen Moralregeln außer Acht ließen, bildet den Plot des rhapsodischen Hörstücks der südkoreanischen Komponistin Sol-i So, das im Auftrag von hr2-kultur entstanden ist.

Volker Sondermann und Sol-i So
Wetterleuchten I (Uraufführung)
für Janggu, Kkwaenggwari, Buk, Jing, Stimme und Live-Elektronik

Die vier traditionellen koreanischen Perkussionsinstrumente Janggu, Kkwaenggwari, Buk und Jing stehen für die Wetterelemente Regen, Blitz, Wolken und Wind und sind im Samulnori-Genre als Ensemble zusammengestellt worden. Diese Musikrichtung entstammt einer bäuerlichen Musiktradition, die einen starken Bezug zum Element Erde hat. In ihrem neuen Stück "Wetterleuchten" (UA) verbindet das Ensemble INklang gemeinsam mit ihrem Gast-Komponisten und -Musiker Volker Sondermann diesen Topos mit den Mitteln der Live-Elektronik, welche dem eher abstrakten und technisierten Teil der europäischen Tradition entstammt. Sie steht für das Leuchten, das einen umfassenderen Blick auf die Details und Übergänge erlaubt. Als verbindendes Element steht der Gesang So Sol-is, die mit beiden Traditionen durch ihre Studien gleichermaßen vertraut ist. Somit steht dieses Stück auch für einen Versuch, einen fruchtbaren Dialog zwischen beiden Kulturen herzustellen, der die Grundlage für zukünftige Projekte bilden könnte.

MITWIRKENDE

Halym Kim
wurde in Südkorea geboren und ist in Deutschland aufgewachsen. Er absolvierte sein Diplom an der Hochschule für Musik Dresden im Fach Jazz-Schlagzeug und arbeitet seitdem als Künstler mit verschiedenen musikalischen Projekten. Halym Kim ist seit 2017 DAAD-Stipendiat und absolviert derzeit in Kopenhagen sein Masterstudium an der Hochschule "Rytmisk Musikkonservatorium". In seinen musikalischen Projekten fokussiert er sich auf die traditionelle koreanische Musik und arbeitet an der Frage der Anwendung der Eigenschaften in der zeitgenössische europäische Musik.

Bo-Sung Kim
wurde in Südkorea geboren und ist in Berlin aufgewachsen, hat an der Korean National University of Arts in Seoulin Südkorea den Bachelor of Traditional Arts (2004) erworben. Sie ist Mitglied des SamulNori Ensembles Doodul Sori (ehemalig “ChonDungSori”, gegründet 1994 alserstes SamulNori-Ensemble in Deutschland), das europaweit mit einem Repertoire auftritt, das sich aus koreanischer Perkussionsmusik und Tanz zusammensetzt. Außerdem ist sie ein Gründungsmitglied des Ensemble ~su (gegründet 2005), ein experimentelles und interdisziplinäres Projekt auf Basis koreanischer Rhythmen, Musik und Bewegungen zur Erweiterung von Klang und Bewegungsformen in Zusammenarbeit und im Austausch mit PerformerInnen, die verschiedenen Genres und kulturellen Hintergründen zugehörig sind. Sie unterrichtet Koreanische Perkussion an der Global Music Academy und im Koreanischen Kulturzentrum in Berlin und gibt europaweit Workshops im Auftrag des National Gugak Centers.

Sol-i So
ist in Jeonju (Südkorea) geboren und besuchte die Chung-Ang Universität. Sie machte einen Bachelor in traditionellem koreanischen Musiktheater und studiert momentanan der Musikhochschule in Dresden zeitgenössische Komposition. Neben der Ausbildung im koreanischen Gesang Pansori ist Sol-i So derzeit auch in der zeitgenössischen Musik als Komponistin tätig und spielt Konzerte u.a. mit dem traditionellen koreanischen Ensemble “Doodulsori”. Sie arbeitet im Rahmenverschiedener Projekte an zeitgenössischen Interpretationen auch in Bezug auf die traditionelle koreanische Musik mit Einflüssen aus Gesang, Tanz und Schauspielerei. Neben den künstlerischen Tätigkeiten unterrichtet sie koreanische Volksmusik am Koreanischen Kulturzentrum.

Volker Sondermann
studierte zunächst Philosophie und Medienkunst bevor er sich der klassischen Komposition zuwandte, die er nun bei Mark Andre, Manos Tsangaris und Stefan Prins in Dresden studiert. In seinem künstlerischen Schaffen bewegt er sich in den Grenzbereichen von Musik, Performance und bildender Kunst und beschäftigt sich mit Ästhetiken außerhalb der europäischen Tradition.