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21.09.2020, Jamal Tuschick

Becoming one with the incoming force - Sifu Sergio P. Iadarola feiert die Gegner*innenenergie. Baby, gib mir alles, was du hast, bittet er den/die Kontrahenten/Kontrahentin ... zum Tanz um das Goldene Kalb des antimuskulären Triumphs.

Center of Equilibrium

Calm under pressure/Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

Um unser tägliches Gong-fu-Gespräch nicht zu versäumen

Heute geht es mit Sifu Sergio P. Iadarola um   

The Center of Equilibrium

Ein Zauberwort des Wing Chun lautet Zentrallinie. Manche bezeichnen so eine geometrische Gerade zwischen Kontrahenten. Sifu Sergio konstatiert: Die Hauptzentrallinie bildet eine Achse im Körper, auf der wesentliche Dreh- und Angelpunkte liegen. Der Meister beschreibt so das Gleichgewichtszentrum.

“If you control the Center of Equilibrium you control the fight.”

Die Aussage ist komplex. Sie impliziert die Idee, dass es ausreicht, das eigene Gleichgewicht zu behalten. Diese Einsicht lässt sich in Gold nicht aufwiegen; sagt sie doch: du hast es in der Hand. Kannst du dein Gleichgewicht wahren, musst du erst gar nicht am Feind herum pullen & pushen. Er kriegt dich nicht. Fertigaus!

Auf allen Ebenen dreht sich alles darum, sich nicht über den eigenen Schwerpunkt hinaus zu bewegen. Jede Manipulation am Ideal erschöpft sich in Varianten von Push & Pull. Ein schönes Wort dazu liefert der Chen Style Taiji Quan Master Adam Hsu. Er empfiehlt:

„Shake your opponent’s foundation.“

Sifu Sergio rät zur Dekompression der Gelenke. Man soll sich selbst von allen unnötigen Spannungen befreien. Diese Selbstbefreiung entspricht einer Arbeitsvoraussetzung. Nur wenn Sie gelöst sind, können Sie die feindlichen Vorspiele ohne martialische Wimpel neutralisieren. So nehmen Sie die Wirkungen aus den Aktionen genauso wie Sie ein Buch aus einem Regal ziehen, während Sie selbst als Akteur nicht markiert werden können.

Stets entscheidend ist die Rückseite des Offensichtlichen. Eine wesentliche Funktion des Gong-fu-Körpers, den Sie erst einmal herstellen müssen, liegt in der Fähigkeit, auf dem Weg zum Wesentlichen nicht zu stolpern und auch sonst jede Selbstgefährdung auszuschließen.

In den Spielarten der Selbstgefährdung liegen die größten Gefahren.

Im Prinzip müssen Sie einfach immer nur entspannter bleiben als der Gegner.  

Zur Neutralisation von sozialen/geistigen und körperlichen Angriffen gehören ständige Verbesserungen der Absorptionsfähigkeiten. Auf der sozial/geistigen Ebene adaptieren Sie alles, was kommt. Sie goutieren es in den Gully.

Im leiblichen Sektor entscheidet das Stressresistenzniveau. Solange man noch nicht mit Qi segelt, hilft nur Abhärtung. Eine Hypertrophierung normaler Härte zwingt den Überlegenen in ein Dilemma. Entweder exponiert er sich und dokumentiert so nachweislich seine Überschreitungsbereitschaft oder er muss abrücken im Sinne eines Verhungerns vor vollen Schüsseln.  

Anders gesagt: Solange er klebt, versorgt er Sie. Sobald er den Abstand vergrößert, verliert er Sie.