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07.10.2020, Jamal Tuschick

Betreff: Mit Videoabruf! | Mein Land wird 30: "Plötzlich Volksvertreter"- Ein Jahr im Brandenburger Landtag | Mi 07.10.2020 | 22:15 | rbb Fernsehen

Plötzlich Volksvertreter - Ein Jahr im Brandenburger Landtag

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

rbb Pressetext

Film von Lars Seefeldt

Er sieht aus wie eine 20-Cent-Münze – und öffnet eine neue Welt. Ein Pförtner drückt Elske Hildebrandt den elektronischen Schlüssel in die Hand, für die Türen im Potsdamer Landtagsgebäude. Jetzt ist die 46-Jährige plötzlich drin im Parlament. Eine von 88 Frauen und Männern, die hier Entscheidungen treffen sollen für ein ganzes Land. Mehr als die Hälfte von ihnen sind Neu-Einsteiger. Was können sie erreichen? Welche Illusionen zerbrechen? Die Dokumentation begleitet vier neue Abgeordnete des Brandenburger Landtags – vom Wahlabend im September 2019 bis in den Herbst 2020.

Die SPD-Frau Elske Hildebrandt nimmt sich viel vor. Sie sitzt in drei Ausschüssen, einem mehr als üblich, betreut neben ihrem eigenen noch einen zweiten Wahlkreis, versucht, immer ansprechbar zu sein. Das kostet Kraft. "Manchmal weiß ich nicht, ob ich fünf Jahre durchhalte", gesteht sagt sie am Ende des ersten Jahres im Parlament.

Auch Steffen Kubitzki erreicht auf Anhieb viele Posten, wird sogar Mitglied im Landtags-Präsidium. Und dass, obwohl der 56-Jährige zur AfD gehört. Nicht alle sind davon begeistert. "Dass ich jetzt angeblich so eine miese Raupe bin, so ein Faschist und so ein Rechtsradikaler - damit habe ich ganz schön zu kämpfen", sagt der ehemalige Kraftwerksmeister. Als der Verfassungsschutz prüft, die gesamte Brandenburger AfD zu überwachen, gerät Kubitzki in Gewissensnot. Soll er die Fraktion verlassen?

Hohen Druck verspürt auch Marie Schäffer aus Potsdam. Die junge Informatikerin ist die erste Grüne, die in Brandenburg ein Direktmandat holt. Doch die Euphorie verfliegt schnell. Eines ihrer Themen: demokratische Teilhabe. In der Corona-Krise soll sie plötzlich die Hand dafür heben, dass keine Demonstrationen mehr stattfinden können. "Das muss man sich klarmachen, was das für eine krasse Einschränkung ist von Freiheitsrechten", sagt die 30-Jährige. "Mir tut das wirklich im Herzen weh."

Und schließlich ist da Julian Brüning von der CDU. Mit 26 Jahren der zweitjüngste Abgeordnete im Brandenburger Parlament. Er plant einen Aufschlag in der Drogenpolitik, am Ende könnte die Legalisierung von Cannabis stehen. Dafür will der Lausitzer medienwirksam in die USA reisen. "Man muss sich manchmal hohe Ziele stecken und dafür kämpfen." Doch dann wirft die Pandemie auch seine Pläne über den Haufen.

Die Dokumentation "Plötzlich Volksvertreter - Ein Jahr im Brandenburger Parlament" zeigt vier Menschen, die versuchen, in eine neue Rolle zu finden – und dabei Höhen und Tiefen durchleben. Entstanden sind ungewöhnliche Einblicke in den Politik-Betrieb.