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24.10.2020, Jamal Tuschick

Großväterliche Anmaßung

Take a walk on the wild side, Honey: Holly came from Miami, F.L.A. Hitch-hiked her way across the U.S.A. Plucked her eyebrows on the way Shaved her legs and then he was a she She says, "Hey babe, take a walk on the wild side" Said, "Hey honey, take a walk on the wild side" © Jamal Texas Tuschick

Jede Ahnenreihe beginnt mit einer besonderen Person. Sie stößt einen transgenerationellen Prozess an. Im konkreten Fall handelt es sich um einen Heilkundigen, der vermutlich in den 1930er Jahren an einem Weltende (aus der europäischen Perspektive) in der afrikanischen Savanne auf eine rührende Weise selbstlos erscheint, bevor ihn ein früher Tod aus dem Spiel nimmt. Sein Sohn ist aus anderem Holz. Er täuscht Kenntnisse vor, bläst sich auf und strotzt vor Geltungsgier. Ihm folgt einer, der zur Redlichkeit des Stammvaters zurückkehrt. Dessen Sohn tritt nun als Held auf in Jonas Jonassons Roman „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“, aus dem Schwedischen von Astrid Arz, C. Bertelsmann, 394 Seiten, 22,-  

Er trägt einen großen, aus einer großväterlichen Anmaßung gewonnenen, längst vom familiären Selbstverständnis geframten Namen: Ole Mbatian.  

Ole ist Christ, wenn auch mit eigenen Ansichten zum Schöpfungsursprung. Als gesunder Egomane weiß er den Höchsten fußläufig in Reichweite, nämlich im Berg Kirinyaga aka Mount Kenya. Irgendwann gerät ein (von dessen Vater im Löwenland ausgesetzten) jungen Schweden mit Schwarzer Mutter in Oles Dunstkreis.

Kevins leiblicher Vater ist so übel, dass ich erst gar nicht von ihm anfangen möchte. Ich rede noch nicht einmal notgedrungen über Victor Svensson, der sich den Edelnamen Alderheim auf heimtückische Weise erheiratet hat.  

Ole macht Kevin zu dem Sohn, den er so lange entbehren musste. Kevin reüssiert auf allen Feldern der Massai-Bildung, findet dann aber doch einen Grund, in Stockholm weiterzumachen. Er trifft da Jenny Alderheim, die geschiedene Frau des furchtbaren Victor. Die beiden fahren aufeinander ab. Gemeinsam wollen sie Rache üben.  

Bald mehr. 

Wunderbar verrückt und respektlos komisch: Profitgieriger schwedischer Galerist, der für Geld über Leichen geht, trifft auf kenianischen Massai-Krieger, der nicht genau weiß, was Geld ist, dafür aber ein millionenschweres Gemälde besitzt … In seiner einzigartigen Erzählweise beschreibt Jonasson einen Kultur-Clash der Extraklasse und hält den Menschen den Spiegel vor. Wie in seinen bisherigen Weltbestsellern umgarnt Jonasson seine Leserinnen und Leser mit überbordendem Ideenreichtum und zeichnet seine Figuren mit so viel Witz und Charme, dass es eine wahre Freude ist!

Jonas Jonasson, geboren 1961 im schwedischen Växjö, arbeitete nach seinem Studium in Göteborg als Journalist unter anderem für die Zeitungen „Smålandsposten“ und „Expressen“. Später gründete er eine eigene Medien-Consulting-Firma. Doch nach 20 Jahren in der Medienwelt verkaufte er seine Firma und schrieb den Roman, über den er schon jahrelang nachgedacht hatte: Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand. Das Buch wurde zunächst in Schweden und später weltweit zu einem Bestseller. Auch die Verfilmung war international höchst erfolgreich. Auch Jonassons weitere Romane wurden gefeierte Bestseller, zuletzt Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte.