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31.10.2020, Jamal Tuschick

Aus dem Volksmund

Wer sich nicht wehrt, kommt an den Herd.

Ist die Küche noch so klein, einer muss das A*loch sein. 

...

Es gibt sogar eine Kultur der Schneidebretter in der französischen Küche, meldet Bill Buford.

“Yes, there is a regime (in the french kitchen). And yes, it's pretty fascist and yes, it's pretty oppressive.”  BB

Eingebetteter Medieninhalt 

Sanft abgespült

Lange bevor er die Herdfeuertaufe besteht, besucht Bill Buford das 'Blue Hill' in New York, wo man ihm, haltet euch fest, „kompromisslos und geschmacksorientiert“ eine Karotte so unterjubelt: „dreißig Minuten zuvor aus der Erde gezogen, sanft abgespült, aber nicht geschält, auf einem geschnitzten Holzsockel schwebend serviert, mit einigen Körnchen gutem Salz und einem Tropfen …“

Aus dem Überschuss

Wenn man so viel liest wie ich, bleibt es nicht aus, einen Überhang an Zitaten einfach nicht abtragen zu können. Deshalb gibt es jetzt eine Tuschicks Textland-Region für den Überschuss.

“After the clinch, it doesn't matter what happens, one way or another, we're going to hit the ground, and we'll be in my world. The ground is my ocean, I'm the shark, and most people don't even know how to swim.”  R.L. Machado

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Bob Woodward sagt: Trump wurde gewählt, um Regeln zu brechen. Für ihn stimm(t)en Leute, die nichts mehr hassen als jene, die im amerikanischen Traum angekommen sind; so „smart und selbstgewiss“ wie ich, so Bob in seinen eigenen Worten.

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Consensus Trance - “Most of us live in consensus trance, and under ‘most’ I mean almost all of us. Consensus trance is a state of consciousness produced by ideological blunting of our intellect through intensive manipulation (brainwashing), which forces us to accept false conception of reality.” “Consensus Trance“, Walter Bowart, H. P. Albarelli, Juri Lina, Jerry Smith  

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Özlem Topçu spielt auf Twitter mit der phonetischen Nähe von lütfen  & lüften. Lütfen heißt Bitte auf Türkisch. Zu der Annäherung an einem Gleichklang gesellt sich mit wie vor der Brust verschränkten Armen eine triftige Bedeutung. 

Herdfeuertaufe

Wir sind von der Vorstellung abgekommen, dass im Gemeinsinn die Wahrheit liegt, da ein Volk nicht in einem Irrtum übereinstimmen könne. Der kollektive Irrtum ist längst als Erkenntnis zum Lapsus geworden, ein Allgemeinplatz mehr. Sobald es aber um die Küche geht, glauben wir immer noch gern, dass die Franzosen die Brücke zu den Göttern besetzt halten.

Das Urteil der Welt wiederholt lediglich ihr eigenes Urteil. Und so sollten wir es selbstverständlich finden, dass die Koryphäen am Rand des Weges, den Bill Buford einschlägt, sich einig sind in der Feststellung:

„Die französische Ausbildung ist das Wichtigste überhaupt.“

„Die meisten Amerikaner glauben, sie könnten es ohne französische Ausbildung schaffen. Aber sie wissen nicht, was sie verpassen.“

Buford war mal Redakteur in New York. Doch bald nach seiner Hochzeit im ländlichsten Virginia erkannte der Pressemann den Free Lancer in sich. Seither recherchiert Buford mit vollem Einsatz. Er grüßt Meister in ihren magischen Kreisen und erwirbt Zugangsberechtigungen in der Rolle des Zauberlehrlings.   

Bill Buford, „Dreck“, aus dem Englischen von Sabine Hübner, Hanser Verlag, 26,- 

Lange bevor er die Herdfeuertaufe besteht, besucht Buford das Blue Hill in NY, wo man ihm, haltet euch fest, „kompromisslos und geschmacksorientiert“ eine Karotte so unterjubelt: „dreißig Minuten zuvor aus der Erde gezogen, sanft abgespült, aber nicht geschält, auf einem geschnitzten Holzsockel schwebend serviert, mit einigen Körnchen gutem Salz und einem Tropfen …“

Aus der Ankündigung

Bill Buford, Kultautor des Bestsellers „Hitze“, ist zurück am Herd! – Selbstironisch und urkomisch ist die Odyssee auf der Suche nach den Geheimnissen der französischen Küche.

Bill Buford, Starautor des „New Yorker“, setzt sich gern Extremen aus. Er lebte unter Hooligans und arbeitete in Italien als Pastamacher. Nun unterwirft er sich den Regeln der französischen Spitzenküche. Dafür verpflanzt er seine Frau und seine dreijährigen Zwillingssöhne kurzerhand nach Lyon. Er wird Bäckerlehrling, Schüler des Institut Paul Bocuse und Praktikant im legendären La Mère Brazier, wo er lernt, wie man ein Fischfilet auf 62,5 Millimeter filetiert, Hummertürmchen baut und wie nah Kameradschaft und Intrige in der Küche beieinanderliegen. Aller Widerstände zum Trotz gibt Buford nicht auf, denn ihn treibt die Frage an: Liegt der Ursprung der französischen Küche in Italien? Eine faszinierende kulinarische Reportage.

Bill Buford, 1954 in Lousiana geboren, studierte in Berkeley und Cambridge, war Gründungsredakteur und sechzehn Jahre lang Herausgeber des Literaturmagazins „Granta“ und später Verleger bei Granta Books. Von 1995 bis 2002 arbeitete er als Literaturredakteur für den „New Yorker“, für den er auch heute noch tätig ist. Bei Hanser erschienen der Tatsachenbericht Geil auf Gewalt. Unter Hooligans (1992) sowie Hitze. Abenteuer eines Amateurs als Küchensklave, Sous-Chef, Pastamacher und Metzgerlehrling (2010). Buford lebt in New York.