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18.11.2020, Jamal Tuschick

I've got a show to play

Franz Dobler zitiert Willie Nelson: I've got a show to play.

When the evenin' sun goes down
You will find me hangin' 'round
Oh, the night life, it ain't no good life
But it's my life ...

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Wenn die Götter schweigen

In seinen Gedichten erzählt Franz Dobler die Geschichten unserer Irrtümer

So haben wir uns oft gesehen. Da waren wir. So wollten wir sein. © Jamal Texas Tuschick

Prinzessin des Texmex

„Die Reformation des Mannes ist auf der ganzen Linie gescheitert.“

„In Wirklichkeit fühlt sich niemand wegen irgendetwas schuldig, und zwar zu Recht.“  Michel Houellebecq

„Meine toten Freunde/ sind alle abgehauen/ ohne sich zu verabschieden./ Alle waren plötzlich weg.“  Franz Dobler

Dobler erzählt Geschichten in seinen Gedichten. Das lyrische Ich im Auftakt war ein Liebling der Götter, bis es aufgegeben und in die Quarantäne sozialer Notdurft geschickt wurde. Die Stimme spekuliert über die Dauer der Ächtung. Hoffnung und Gleichgültigkeit halten sich die Waage. Ein Unternehmer wundert sich über den kaltblütigen Fleiß des Außenseiters. 

Franz Dobler, „Ich will doch immer nur kriegen was ich haben will“, Gedichte 1991 – 2000, mit Fotos von Juliane Liebert, herausgegeben von Manfred Rothenberger, 288 Seiten, starfruit publications, 25,-  

Das lyrische Ich ist so sehr Erzähler, das es sich in meiner Wahrnehmung verwandelt, so dass ich den Autor im Kaminzimmer des Gasthaus-Hotels Lüthemühle beobachte. Er nähert sich einer Enttäuschung mit den größten Erwartungen. Die Verlockungen einer Bücherwand ziehen ihn magisch an. Doch betrachtet er eine Tapete aus entweihten Buchrücken. Selbstverständlich verkneift sich Dobler das sakrale Wort Entweihung. Bei ihm heißt es schreineresk abgesägt.

„Zwei Zentimeter hinter dem Buchrücken/ wurden die Bücher abgesägt.“ 

Ein paar Gedichte weiter findet ein Gasthausgespräch statt in Berlin, wo ein Barmann Bescheid weiß über Tish Hinojosa.

Talent, class, and beauty … Tish Hinohosa (acoustic guitar and lead vocals), Craig Barker (bass), Dave McGill (piano), Leroy Featherston (drums), Brian Cairns (acoustic lead guitar)

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Das berlinfern sozialisierte Ich schwärmt von der „Prinzessin des Texmex“.

Weiter geht es mit Zydeco.

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Aus der Ankündigung

Der Schriftsteller, DJ und Musik-Kenner Franz Dobler hat an keinem Literaturinstitut studiert und schreibt trotzdem oder gerade deshalb sehr gute Gedichte. Dieses Buch enthält 35 neue Gedichte und alles aus Doblers ersten zwei Gedichtbänden »Ich fühlte mich stark wie die Braut im Rosa-Luxemburg-T-Shirt« (2009) und »Jesse James und andere Westerngedichte« (1991).
Doblers Gedichte winden keine Metaphern-Kränze, sondern sind geprägt von Widerspruch und Witz, von Gefühl und Härte, vom Schmerz über den Lauf der Welt. Einer der letzten Wildläufer im deutschen Literaturbetrieb bringt die Dinge auf den Punkt, zeigt poetisch und politisch Kante, schont nichts und niemanden, und am allerwenigsten sich selbst. Man hat das Gefühl, da ist jemand, »mit dem man gern mal einen trinken würde, obwohl man weiß, es wird nicht bei einem Drink bleiben« (Heiko Werning). Das ist selten in der deutschsprachigen Lyrik.
Juliane Lieberts Schwarz-Weiß-Fotografien spielen dazu die passende Begleitmusik, es sind schnelle Shots aus der urbanen Prärie – aus architektonischen, gesellschaftlichen und mentalen Randzonen. In einem dieses Buch abschließenden Gespräch mit Herausgeber Manfred Rothenberger denkt Franz Dobler nach über das Rauchen, den Räuber Mathias Kneißl, Lyrik für die Gartenabteilung eines Baumarkts, ausgewählte Arschlöcher und den Tod.