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22.11.2020, Jamal Tuschick

Online-Format der 4. Ausgabe des „Korea Independent“ Filmfestivals

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Das Filmfestival „Korea Independent“ in Berlin gilt als Plattform, um den koreanischen Independent-Film in Deutschland vorzustellen. In diesem Jahr begegnet es seinem Publikum online. Angesichts der weltweiten Ausbreitung der bislang beispiellosen Pandemie Covid-19 haben wir uns für dieses Format entschieden, um die Sicherheit der Zuschauer an erste Stelle zu setzen. Zu den präsentierten Filmen, die die Augen und Ohren des (der Corona-Pandemie langsam überdrüssigen) Publikums erfreuen sollen, gehören acht Spielfilme und ein Dokumentarfilm. Die Filme des 4. Filmfestivals „Korea Independent“ können vom 23. November bis zum 6. Dezember kostenlos auf k-movie.kulturkorea.org angesehen werden.

Der Eröffnungsfilm stammt von dem Regisseur Suk-young Park, der eine tiefe Verbindung zu „Korea Independent“ hat. Der Filmemacher, der Berlin bereits vor vier Jahren mit Steel Flower besucht hat, eröffnet das diesjährige Festival mit The Hill of Wind. Anhand der Wiederbegegnung zwischen einer Mutter und einer Tochter, die lange Zeit getrennt waren, untersucht der Film die Existenz der Familie und die inhärente Einsamkeit des Menschen. Werden die Mutter und die Tochter, die dem harschen Wind des Lebens ausgesetzt waren, einander erkennen und annehmen können? Die Stadt Taebaek in Gangwondo, die als Kulisse des Films dient, ist ein weiterer Bonuspunkt, der den Film sehenswert macht.

Die „Generation ‚Aufgeben‘” ist eine Generation, die angesichts schwieriger gesellschaftlicher Verhältnisse Dinge wie die Jobsuche oder die Heirat aufgibt. Mate verfolgt das Leid dieser Generation anhand der Beziehung zwischen einem Mann und einer Frau. Es ist die bittersüße Geschichte über die Liebesbeziehung zwischen einem Mann, der nicht noch einmal verletzt werden möchte, und einer Frau, die nichts außer ihrem Herz besitzt. Auch in Write or Dance treten junge Protagonisten auf. Der Schriftsteller Si-Hyung hat noch nie einen seiner literarischen Entwürfe beendet. Der Prozess, wie er durch die Frauen, denen er zufällig begegnet, endlich sein Werk fertigstellen kann, wird auf komische und emotionale Weise porträtiert.

Beim diesjährigen Filmfestival werden verschiedene Filme gezeigt, die die Bedeutung der Familie hinterfragen. Move the Grave ist die Geschichte von fünf Geschwistern, die sich versammeln, um das Grab ihres Vaters zu verlegen. Es ist ein Film, der auf witzige und scharfe Weise die Realität des koreanischen Patriarchats skizziert. In I am Home geht es um einen Vater und eine Tochter, die sich fremdgeworden sind. Die Erinnerungen, die über das gesamte Haus verteilt sind, füllen die zeitlichen Leerstellen, die sich zwischen ihnen entwickelt haben. Das Zuhause durchdringt als filmischer Protagonist mit großer Intensität den gesamten Film. Die Familienmitglieder in Happy Bus Day scheinen alle irgendein charakterliches Defizit zu haben. So wie die Charaktere ist auch die Familiengeschichte schockierend und unkonventionell. Die kraftvolle Regie, die einen unbequemen Stoff mit Witz und Empathie behandelt, und das großartige Spiel der Schauspieler*innen sind beeindruckend.

Zuschauer, die experimentelle und unkonventionelle Filme lieben, sollten einen näheren Blick auf A French Woman und The Pregnant Tree and the Goblin werfen. A French Woman ist die Geschichte von einer Frau, die die Grenzen zwischen dem Paris und Seoul, zwischen der Vergangenheit und der Gegenwart, zwischen dem Traum und der Wirklichkeit überschreitet. Der Film, der das Gefühlschaos der Protagonistin aufzeichnet, die mit diesen Grenzen konfrontiert ist, führt den Zuschauer an einen völlig unerwarteten Punkt. Bei dem Werk fällt besonders die delikate psychologische Beschreibung ins Auge. The Pregnant Tree and the Goblin, der von Frauen erzählt, die in der Nähe einer amerikanischen Militärbasis leben, ist ein mutiges Werk, das irgendwo zwischen Dokumentarfilm und Spielfilm angesiedelt ist. Der Film wird insbesondere Filmenthusiasten erfreuen.

Und wenn jemand, der seine gesamte Existenz davon gelebt hat, Filme anzusehen, über Nacht überflüssig geworden ist? Lucky Chan-sil ist ein Film, der denjenigen, die Angst vor einer ungewissen Zukunft haben, Mut zuspricht. Wenn es Zeit für die Ending Credits wird, wird der Zuschauer, dem der Titel vielleicht wie eine schreckliche Ironie erscheinen mag, Trost empfinden. Ein Film, der gerade rechtzeitig zu Zeiten von Covid-19 kommt.

Alle Filme werden auf Koreanisch mit englischen Untertiteln gezeigt.