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07.12.2020, Jamal Tuschick

Air-Aristokrat Max Claro aka Tom Baumann und Pfiff Pfeifer, der treue Knappe und ewige Zweite © Heller Verlag

Groundrush

Groundrush Adventure - Im rumänischen Arad nehmen Tom und Pfiff an einem Groundrush-Wettbewerb teil. 

"In skydiving, we use the phrase ground rush to succinctly describe the optical illusion that the ground is abruptly rushing up to meet you." Quelle

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Die Freunde steigen auf mit einer Antonov An2, „dem größten noch fliegenden Doppeldecker“. Der Pilot hält sich mit Wodka fit; das Flaschendepot ist ein Drahtgestell am Sitz. Für einen Aufpreis begeistert er seine Passagiere mit Loopings. Tom nähert sich der einzigen Frau in der spartanisch ausgestatteten Kabine. Tatjana, eine Russin mit einem Rekord von 3800 Formationssprüngen, geht auf ein hochriskantes Ansinnen ein.

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Im freien Fall © Heller Verlag

Was zuvor geschah

Wie leicht ist es, in unserem Rechtsstaat einen Bürger in die Psychiatrie zu verfrachten? Diese Frage beantworten sich die Münchner Rettungssanitär Peter Pfiff Pfeifer und Thomas Tom Baumann im Praxistest. Sie veranlassen einen Krawattenträger zum Krawall, übermannen, fixieren und sedieren den aller Wahrscheinlichkeit nach Unbescholtenen, ziehen einen Polizisten zur Bestätigung der Rechtmäßigkeit ihres Übergriffs heran und liefern jemanden auf einer geschlossenen Abteilung ab, der sich Doktor Uwe Bärlauch nennt. 

Max Claro, „Drei Monate im August“, Roman, Heller Verlag, 412 Seiten, 9.90 Euro

So geht es weiter

Heimlich springen sie von Hochhäusern. Tom und Pfiff sind exzessive Basejumper*.

„Base-Jumping, auch BASE oder B.A.S.E. Jumping geschrieben, Objektsprung oder Objektspringen, ist das Fallschirmspringen von festen Objekten. Der erste Wortteil gilt üblicherweise als Akronym für:  B: building, A: antenna, S: span, E: earth.“ Wikipedia  

Den ersten überlebten und belegten Objektsprung absolvierte der Münchner Hartmut Huber 1963. Huber sprang von einer achtundsechzig Meter hohen Autobahnbrücke (Mangfall) auf der Strecke München/Rosenheim. 

Zweifellos gibt es einen Suchtfaktor. Tom „reitet“ auf einer Rettungshubschrauberkufe (vom Piloten unbemerkt) durch den Himmel über München. Zum ersten Mal plagt den Außenborder(liner) die Angst. Doch kaum ist Tom auf dem Dach des Nordklinikums gelandet, zwingt ihn eine Begegnung mit Doktor Olga Jankovskaia, „vollschlank und sexy … mit ihrem naturgeilen Blick“ zurück in die Rolle des allzeit kollaborierenden Quickie-Kameraden. Frau Doktor hat nur zehn Minuten bis zum nächsten Auftritt in der Notaufnahme. Man beeilt sich im „geräumigen Behinderten-WC“.    

Olga, Julia … und immer wieder Anni. Mit der Krankenschwester experimentiert Tom in einem Ruderboot, bevor er ein dekadentes Wochenende mit Isabell einläutet. Ich halte mich mit Einzelheiten nicht auf. Irgendwann steht die Wohnung in Flammen und eine von Tom aus der Fassung gebrachte Geliebte sucht das Weite auf Nimmerwiedersehen.

Im nächsten Durchgang begegnet Tom einem prominenten Arzt im weißen Badekittel des Bordellbesuchers. So geht das immer weiter. Tom trennt kaum zwischen Arbeit und Leben. Immer in Aktion, ist der notorische Sperma-Spreader fast immer im Dienst. Privat reist er mit Pfiff nach Arad zum 1. Internationalen Bodenrausch-Wettbewerb. Die Freunde steigen auf mit einer Antonov An2, „dem größten noch fliegenden Doppeldecker“. Der Pilot hält sich mit Wodka fit; das Flaschendepot ist ein Drahtgestell am Sitz. Für einen Aufpreis begeistert er seine Passagiere mit Loopings. 

Tom nähert sich der einzigen Frau in der spartanisch ausgestatteten Kabine. Tatjana, eine Russin mit einem Rekord von 3800 Formationssprüngen, geht auf ein hochriskantes Ansinnen ein.

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Da ihn keiner überbieten kann, übertrifft Tom sich eben selbst. Für ihn ist das Leben eine Serie von leicht zu meisternden Herausforderungen und so auch eine Abfolge von Wettkämpfen, die er ständig mit großen Vorsprüngen gewinnt. In Toms Gegenwart sollte man keine lange Leitung haben und sowieso auf alles gefasst sein. Er foppt, neckt, veräppelt, vernascht und verarscht seine Zeitgenoss*innen und beweist bei alldem einen unbeschreiblichen Einfallsreichtum.

Wer ihm krumm kommt, dem leuchtet Tom heim; oft in einer Allianz mit Pfiff, der dem Freund zwar nicht das Wasser reichen kann, aber doch mit redlichem Bemühen wenigstens halbwegs wettmacht, was ihm an der Wiege nicht gesungen wurde. Seine eifrig-ergebene Anhänglichkeit rührt den Leser; zumal Pfiffs Mutter als Ausbund der Lieblosigkeit dem Sohn alldieweil Unlust beschert.  

Überschwang ist das eine, verbrecherische Gewissenlosigkeit etwas ganz anderes. Die Angelegenheit rund um den internierten Doktor Bärlauch liegt Tom schwer im Magen. 

Ein Meister fällt vom Himmel © Heller Verlag

Freifallextremismus

Wenn ein Mann alles kann. Der Freifallradikale Tom absolviert einen Tandem-Sprung mit der Diplom-Psychologin und Lachyoga-Expertin Isabell, die sofort nach der Landung in einem Tal der Allgäuer Alpen auf Sex besteht. Das Bett im Kornfeld auf Bayrisch; mit ihren Nägeln reißt Isabell dem Adrenalinjunkie und Kakerlaken-Aficionado die Haut am Rücken in Streifen. Bei der nächsten Gelegenheit desinfiziert der Malträtierte die infektiösen Einfallsschneisen mit Whiskey. Er ist vom Fach und das in jeder Hinsicht. 

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Mit Sondersignalen zum Pizzaholen

Woran erkennen Sie echtes Selbstvertrauen? Ich denke, Tom beweist es, indem er beim Sprung von einer Brücke nach den Vorgaben des Weg-Zeit-Gesetzes die Differenz zum Tod berechnet. 

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Tom hat geerbt und gut investiert, zumal in eine Haidhausener Szenekneipe. Nötig hat er gar nichts. Und schon gar nicht einen Job, der wie ein Ehrenamt entlohnt wird. Der leidenschaftliche Rettungssanitäter Tom fährt im Rausch der Eigenliebe „mit Sondersignalen zum Pizzaholen“. Seine Lieblingsgeliebte chauffiert er im Rettungswagen unter Einsatz von Blaulicht und Presslufthorn zum Pink-Konzert auf dem Olympiagelände. Er schiebt Anni, eine patente, vor Lebensfreude aus der Tracht platzenden Krankenschwester, im Rollstuhl in die VIP-Lounge. Da wähnt sie sich im Siebten Himmel und träumt von der Ehe mit einem Hallodri. 

Pink „legte eine atemberaubende Show mit zirkusreifen akrobatischen Einlagen hin und brachte den Saal … zum Kochen.“

Nach der Veranstaltung möchte Anni wissen, was Tom in seinem Lust-Utensilien-Rucksack transportiert. Ich erwähne nur die Zahnbürste und eine Ingwerwurzel zur Behandlung erogener Zonen.

Annis Schüchternheit gehört zum Repertoire. Wann haben Sie zuletzt einen Schmöker gelesen, in dem eine Breitling Avenger Skyland* dem Helden die Zeit anzeigt, und der Genuss ohne Reue im Plural seiner Erscheinungen dem Helden jeden Tag versüßt. 

*„Power in Action. Die Breitling Avenger ist eine Studie der Superlative: unvergleichlich sicher und verlässlich, extrem robust und stoßfest, maximal funktionell und unglaublich gut ablesbar. Bereit, wenn Sie es sind!“

Ja, nicht jede Existenz überschattet ein Tonnengewölbe des Elends. Tom eilt von Anni („mit ihrem ebenmäßigen Engelsgesicht“ als perfekter Tarnung ihrer Agenda) „in seinem Sportwagen (einem knallgelben Porsche) so schnell er konnte“ via Cloudine (so heißt sein Sprungfallschirm) zu Isabell.  

Tom ist süchtig nach Adrenalin, Endorphine und Dopamin.

Aus der Ankündigung

Tom, ein erfolgreicher Kneipier und der Anästhesie-Fachpfleger Pfiff teilen drei große Leidenschaften: Rettungsdienst, Fallschirmspringen und amouröse Abenteuer. Immer auf der Suche nach dem ultimativen Kick erleben sie turbulente Tage in München - bis irgendwann die Überholspur des Lebens zur Sackgasse wird.
Authentisch, packend und voll Humor - zwischen Fallschirmsprung, Lotterbett und Lebensrettung. Langeweile ist ein Fremdwort.