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11.12.2020, Jamal Tuschick

Storytelling und Fiktional-Existenzialismus - Lebe deine Geschichte. Werde Präsidentin deines Textlandes

Rebecca Vogels weiß: „Storytelling kann uns helfen, uns selbst besser zu verstehen und klarer zu sehen, was uns wichtig im Leben ist.“  

Ob Rockgigantin oder Glühweinaktivistin - Es liegt an dir. Sei kein Frosch. Geh und hol dir deine Geschichte. © Jamal Texas Tuschick

Gut so. Gut ist, dass Rebecca Vogels in Workshops und Seminaren ihr Wissen verbreitet. Sie hilft „Menschen, ihre eigene Geschichte zu definieren“. Oft begegnet der Mentorin eine unterbelichtete Skepsis.

Rebecca Vogels. „Erzähl dein Leben neu“, Droemer Knaur, 267 Seiten, 14.99 Euro

Den Zaghaften hält Vogels entgegen: „Wir alle haben eine Geschichte. Wir haben bestimmte Erlebnisse, die uns zu der Person gemacht haben, die wir heute sind. Und wir alle können Storytelling nutzen.“

Vogels rät: Setz dich mit den Höhen, Tiefen und Wendepunkten deines Lebens auseinander. Denk mal nach und überleg dir was. Die Spezialistin empfiehlt eine Struktur. Bruce Lee würde Vogels widersprechen: Sei wie das Wasser. Sei formlos, würde er sagen. Jede Struktur kann kollabieren. Wasser kollabiert nicht. Verlass dich auf die fluide Potenz der großen Erzählung, diesem Fluss, dessen Strömung dich ans Ziel bringt.

Vogels datiert frühe Erkenntnisse auf ihre Zeit in New York. Sie war dreiundzwanzig und kannte niemanden in Megapolis. Auf sich zurückgeworfen, erkannte sie ihre Daseinsmuster. 

„Welche wiederkehrenden Muster gibt es ...?“

Narrative Realität

„Jeder von uns hat eine Geschichte.“
Mit dieser Einsicht taktet Rebecca Vogels auf. Diese Geschichte erklärt unser Leben und vielleicht ist sie sogar noch mehr. Ich lebe in meinen Geschichten. Mein Lebenstraum heißt Textland. Deshalb besticht mich Vogels Idee auf Anhieb.

Aus dem Pressetext

Stellen Sie sich manchmal auch folgende Fragen:

  • Wie kann ich mich im Gespräch interessanter machen?
  • Wie schaffe ich es, intensivere Beziehungen aufzubauen?
  • Wie würde es sich anfühlen, AutorIn der eigenen authentischen Lebensgeschichte zu sein?

Die Antwort lautet: Vergessen Sie Smalltalk. Vergessen Sie all die eingemeißelten und doch so austauschbaren Daten und Fakten. Erzählen Sie ihre eigene persönliche Lebensgeschichte! Und lassen Sie vor allem nicht die wirklich prägenden Erlebnisse aus. Rebecca Vogels zeigt, wie wir mit der Methode des Storytellings unser Leben selbst in die Hand nehmen und unsere Identität definieren können.

Fiktional-Existenzialismus

„Was ist meine Geschichte?“
Zum ersten Mal denkt die Autorin in New York über die Frage nach. Sie ist dreiundzwanzig und hat soeben einen Sprung ohne Netz und doppelten Boden gewagt. Woah! Wie smash ist das denn. In New York wissen die Leute, wie es geht. „Kurz und prägnant“ und oft auch „lustig“ tellen sie ihre Story im Plural der People.

„Egal ob bei einer Fahrt im Taxi, beim Bäcker in der Schlange oder in der U-Bahn – überall (erzählen) mir Menschen ihre Story.“

In Arenen des Zufalls listen sie ihre Antriebe. Gern erläutern sie, was sie morgens in Gang setzt und abends aufs Laufband treibt. Sie zeichnen der Zuhörerin eine Schatzkarte, auf der Highspeed-Quellen ihres Ehrgeizes vermerkt sind. Zu erkennen geben sie sich stets als gewiefte Krisenmanager*innen.  

Vogels begreift: „Wir sind alle die (Autor*innen) unserer eigenen Lebensgeschichte.“

Storytelling als strategische Intervention 

Die Großerzählung bietet uns buchstäblich phantastische Gestaltungsmöglichkeiten. Sie erlaubt, die Walze der Phantasie aus dem Innenweltfuhrpark in den physischen Raum zu steuern. Ich sage das kurz mit meinen Worten. Der Fiktional-Existenzialismus zählt zur Gedankenkraft und die Gedankenkraft findet statt im Milieu von Magic Force (man sieht etwas, erkennt aber nicht, wie es zustande kommt). Das ist sehr weit weg von Stupid Force und Monkey Dance. 

Der Fiktional-Existenzialismus koinzidiert mit der Totalfiktion. Er hebt uns an und macht uns endlich zu Regisseur*innen. Jetzt entscheiden wir, wer welche Rolle spielt. Wir beanspruchen die Deutungshoheit, soweit es unser Leben betrifft. Dafür gehen wir durch die Decke, wenn es denn sein muss. Wir stoßen aus der Passivität in die kontrollierte Offensive vor, unabhängig von unseren geografischen und sozialen Standorten. Vogels zieht von New York nach Wien, dann nach Boston und San Francisco. Sie schließt ihr Studium ab, heiratet Benjamin nach langer Prüfung und macht sich selbständig. Sie betreibt eine Art Geburtshilfe für das biografische Begreifen. Vogels schlägt ihre Klient*innen aus den Massenverpackungen und zeigt ihnen das ureigene Bio-Path-Outfit. Wer den Bio-Path beschreitet, avanciert zwangsläufig zur Herzogin des Selbst. 

Aus der Ankündigung

Erzähl dein Leben neu - Wie Storytelling dir zeigt, wer du wirklich bist
Was ist unsere Story? Und wie würde die Geschichte unseres Lebens aussehen, wenn wir selbst ihre Autorin oder ihr Autor sein könnten?

Rebecca Vogels, Unternehmerin, Keynote-Speakerin und Story-Consultant, hat in den USA gelernt, wie man die eigene Story kurz, prägnant und witzig mit anderen teilt - und obendrein offener und positiver auf das eigene Leben mit all seinen Chancen blickt.
Doch Storytelling bringt noch mehr: Wenn wir uns mit unserer Geschichte auseinandersetzen, erkennen wir, was uns antreibt und was wir wirklich wollen, wir sehen rote Fäden, die vielleicht auf den ersten Blick nicht sichtbar waren, und wir können unser Leben mit diesem Wissen besser gestalten.
Gemäß dem Motto “Story first” können wir unsere Geschichte planen, die Muster in unserem Leben erkennen und unser Leben selbstbestimmt in die Hand nehmen.

In diesem Buch lädt Rebecca Vogels uns ein nachzuforschen, was uns wirklich antreibt. Sie erklärt, wie wir unsere “Bewerbungsgesprächs-Motivationen” loslassen, wie wir großzügiger mit uns selbst werden und warum wir - genauso wie die neuen Netflix-Serien - unsere eigenen Gegensätze zelebrieren sollten. Denn die machen eine Geschichte ja erst interessant.

Rebecca Vogels vermittelt einfache Strategien, die eigene Lebensgeschichte besser zu verstehen und zu erzählen. Und lädt uns darüber hinaus ein, an ihrer eigenen Story teilzuhaben. Die führt von Manhattan in die Provinz, von Netflix zu YouTube-Yoga, von Meeresschildkröten zu Schlangenherzen, von Croissants zu Anthony Bourdain und von ihrer eigenen Familie zu Jesus und dem American Dream. Ihr Beispiel zeigt, wieviel Spaß es machen kann, wenn man sich traut, nicht nur irgendeine Story zu leben, sondern die ganz eigene. Und das kann jeder lernen!

Rebecca Vogels, 1984, in Bonn geboren, ist Unternehmerin und hat ihre eigene Firma für Story-Consulting, mit der sie internationalen Unternehmen hilft, ihre Geschichte zu erzählen. Während ihrer Arbeit im Silicon Valley hat sie sich intensiv mit Storytelling beschäftigt und herausgefunden, das wir alle unsere persönliche Geschichte planen und leben können. Rebecca Vogels wurde ausgezeichnet als Top 50 Most Powerful Women in Tech vom California Diversity Council und war shortlistet als Entrepreneur of the Year. Sie ist ist Keynote Speaker und schreibt unter anderem für Forbes, HuffPost, t3n und WOMAN.