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14.12.2020, Jamal Tuschick

Von Tomma Neveling

Veränderungen in der Corona-Zeit - Wie sind Moscheegemeinden digital aufgestellt?

Viele Moscheegemeinden haben ihre Online-Angebote wegen Corona ausgebaut oder planen einen Ausbau. Das zeigt eine Expertise zum Internetauftritt islamischer Gemeinden, die die Religionswissenschaftlerin Samira Tabti für den MEDIENDIENST erstellt hat.

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

Der Beitrag erschien zuerst hier/ Mediendienst Integration

Salafistische Prediger, Propagandavideos, Online-Radikalisierung: Beim Thema Islam und Internet geht es häufig um radikale Gruppen. Diese sind online gut vernetzt und bieten bei Facebook, Youtube und Twitter oft mehrsprachige Angebote an.

Die meisten Gemeinden nutzen einen oder mehrere Onlinedienste

Während es relativ viel Forschung gibt zu Salafismus im Netz, weiß man nur wenig über den Internetauftritt von Moscheegemeinden. Dabei können Gemeinden ein wichtiger Gegenpart zu radikalen Gruppen im Netz sein, schreibt Samira Tabti vom Centrum für Religionswissenschaft der Ruhr-Universität Bochum in einer Expertise für den MEDIENDIENST. Sie hat untersucht, wie Moscheegemeinden und Gebetshäuser im Internet auftreten und was sich durch die Corona-Pandemie verändert hat.

Mehr als die Hälfte der untersuchten Gemeinden nutzen einen oder mehrere Onlinedienste. Facebook wird von den meisten genutzt. Auf Video-Portale wie YouTube greifen Gemeinden nur vereinzelt zurück, um religiöse Inhalte oder Veranstaltungen extern zu präsentieren. Instagram oder Twitter werden selten verwendet. 

Moscheegemeinden bauen ihre Online-Angebote wegen Corona aus

Durch die Kontaktbeschränkungen wegen Corona mussten viele Moscheen neue Wege suchen, um mit ihrer Gemeinde in Verbindung zu bleiben. Viele haben dafür auf Online-Angebote zurückgegriffen. Mehr als ein Viertel der befragten Gemeinden hat ihre digitalen Angebote aufgrund der Pandemie ausgebaut, 18 Prozent planen dies. 16 Prozent der Befragten gaben an, dass sie aktuell keine Online-Dienste anbieten können. Gründe seien eine fehlende Grundausstattung sowie Finanzierungsmöglichkeiten. 

In den vergangenen Jahren waren gerade radikale Gruppierungen bestrebt, ihre religiösen Vorstellungen im Internet zu verbreiten, so Tabti. An attraktiven Online-Angeboten von islamischen Gemeinden habe es bisher gefehlt. Die Corona-Krise biete eine Chance, dass sie das Internet als einen interaktiven Raum für religiöse Paxis ernst nehmen.

Um ihre Online-Reichweite zu erhöhen, müssen sich Gemeinden gezielt mit der Mediennutzung von Jugendlichen und jungen Erwachsen auseinandersetzen und auf Onlinedienste wie YouTube oder Instagram zurückgreifen, rät Tabti. Die Verbände und Gemeinden, die bereits auf YouTube sind, erreichen viele Menschen. Unter ihnen können die Kanäle der Islamische Gemeinschaft Millî Görüş (IGMG) und der Türkisch-Islamischen Union der Anstalt für Religion (DITIB) die meisten Aufrufe vorweisen.