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05.01.2021, Jamal Tuschick

Von Alina Bachmayr-Heyda

Diese 20 Frauen veränderten 2020 die Welt - Erster Teil

2020 war durchwachsen. Die Corona-Pandemie gesellte sich zu Problemen, mit denen die Welt schon länger zu kämpfen hat. Doch es wurde nicht alles schlechter – dafür sorgten auch diese 20 inspirierenden Frauen. Sie haben Länder regiert, gegen Ungerechtigkeiten gekämpft, Karl-Heinz Grasser verurteilt, Bestseller und Hits geschrieben, autoritäre Regime ins Wanken gebracht und Impfstoffe entwickelt. 

Symbolfoto © Jamal Texas Tuschick

ÖZLEM TÜRECI

Die Onkologin führt zusammen mit ihrem Mann Ugur Sahin die Pharma-Firma BioNtech. Zusammen mit der US-Firma Pfizer brachten das Paar mit türkischen Wurzeln die erste zugelassen Corona-Impfung auf den Markt.

Gemeinsam mit ihrem Ehemann, dessen Vater bei einem Autohersteller in Köln arbeitete, gründete sie die Pharma-Firma BioNtech. Nach eigenen Aussagen wollten sie flexibler forschen können, als es die universitäre Wissenschaft zulässt. Bis 2020 arbeiteten sie an der Krebs-Forschung, als sie im Jänner ein Paper über eine neuartige Lungenwegs-Erkrankung in China lasen. Sie stellten in Windeseile von Krebs- auf COVID-Forschung um. Sahin sagt, dass es sich dabei um eine humanitäre Entscheidung handelte: Sie wollen eine Impfung herstellen, die für die ganze Welt verfügbar ist. Die Verträge mit den Industrie-Staaten der Welt, die sich große Mengen des Impfstoffs vorreservierten, lassen auf ein anderes Ergebnis schließen.

JACINDA ARDERN

Neuseeland hat weltweit eine der geringsten Corona-Todesraten. Es war das erste Land, das – zumindest zwischenzeitlich – virusfrei war. Die Bevölkerung ist zufrieden mit dem Management von der Premierministerin. Die Premierministerin Jacinda Ardern wurde 2020 in ihre zweite Amtsperiode gewählt – und  Die Sozialdemokratin setzte neue Schritte in der Führung des Landes. Sie löste eines ihrer wichtigsten Wahlversprechen ein und führte ein Lebensqualität-Budget ein. Damit stellt sie soziale Gerechtigkeit und Umweltschutz auf dieselbe Stufe wie den wirtschaftlichen Erfolg und das BIP-Wachstum Neuseelands.

Außerdem verbot sie ausländischen Spekulanten den Kauf von Bestandsimmobilien. So dämmt sie die Wohnpreise ein – mit Erfolg. Obwohl ihre Anstrengungen schon erste Früchte tragen, gibt sich Jacinda Ardern nicht mit ihren Erfolgen zufrieden. Sie sieht die Probleme ihres Landes und nennt sie beim Namen: Obdachlosigkeit und eine hohe Selbstmordrate bei Jugendlichen sind ihr ein Dorn im Auge.

Jedes Regierungsvorhaben muss deswegen in Zukunft dem gesellschaftlichen Wohlbefinden und nicht (nur) dem wirtschaftlichen Wachstum nutzen. Erst dann wird das Budget für ein Projekt freigegeben.

KAMALA HARRIS

Im Jahr 2017 wurde Kamala Harris sowohl die erste südasiatisch-amerikanische als auch die zweite afroamerikanische Senatorin der USA. Nun ist Harris die erste Person of Color und die erste Frau, die das Amt der Vizepräsidentin bekleidet.

Harris ist die Tochter einer Krebsforscherin aus Indien und eines Wirtschaftsprofessors aus Jamaika, die sich während des Studiums in Berkeley kennenlernten. Über ihre Eltern sagt sie: „Der Grund, warum ich mich ganz bewusst dafür entschieden habe, Staatsanwältin zu werden, ist, dass ich das Kind von Menschen bin, die, wie heute wieder, auf den Straßen für Gerechtigkeit marschierten und sie laut einforderten.“ 

Sie setzt sich für die landesweite Legalisierung von Marihuana und die Entkriminalisierung von Prostitution ein. Gemeinsam mit Alexandria Ocasio-Cortez stellte sie den Green New Deal zur Bekämpfung der Klimakrise vor.

Als Leiterin der Strafverfolgungsbehörden in ihrem Heimatstaat Kalifornien engagierte sie sich für eine verstärkte Waffenkontrolle, die Gleichstellung gleichgeschlechtlicher Ehen und gegen die Todesstrafe. In ihrer damaligen Position griff sie für die Bekämpfung von Schulverweigerern und Bandenkriminalität zu harten Mitteln. Sie verhängte Strafen gegen die Eltern der Schulschwänzer, mehrere Haftstrafen wurden verhängt. Obwohl die Bandenkriminalität zurückging, distanzierte sie sich später von dem Gesetz.

SANNA MARIN

Sanna Marin steht seit 2019 als Premierministerin an der an der Spitze der finnischen Regierung, die aus fünf Parteien besteht. Alle fünf Regierungsparteien werden übrigens von Frauen geführt. Vier der fünf Spitzenpolitikerinnen waren bei der Angelobung unter 35. Die Sozialdemokratin ist nicht nur die erste Akademikerin, sondern auch die erste Maturantin in ihrer Familie. Das hat sie dem finnischen Sozialstaat zu verdanken, wie sie stets selbst betont. Als Tochter einer alleinerziehenden Mutter kennt sie die finanziellen Sorgen einer Arbeiter-Familie und spricht offen darüber. Sie forderte bereits 2018 die 4-Tage-Woche und den 6-Stunden-Tag. Im Kampf gegen Corona ist Finnland besonders erfolgreich: Nicht nur in der ersten Welle konnte das Land unter Marins Leitung niedrige Zahlen verzeichnen. Auch im Herbst entgingen die Finnen einem Lockdown. Der Grund: Durch schnelle Reaktionen konnte das Virus im Sommer fast ausgerottet werden, so die Johns-Hopkins-Universität. Ein akuter Ausbau der Testkapazitäten und der Kontakt-Nachverfolgung, die in Österreich im Herbst zusammenbrach, sicherte den Wellenbrecher. Der Schlüssel zum Erfolg sind laut den Wissenschaftern klare Richtlinien und die Bereitschaft der Bevölkerung, diesen zu folgen. Marin baute auf aktive Kommunikation und setzte dafür auch Social Media-Influencer ein.

TSAI ING-WEN

Einen völlig anderen Weg als Marin ging in der Corona-Krise Tsai Ing-wen. Das erste weibliche, unverheiratete Staatsoberhaupt von Taiwan wurde 2016 ins Amt und 2020 wiedergewählt. Ihr Wahlsieg wird als Zurückweisung Chinas gesehen, das den Inselstaat fester an sich binden will. Denn Tsai pflegt verstärkt Beziehungen zu den USA und das sorgt so für Spannungen mit China. Gleichzeitig stärkt sie die wirtschaftliche Selbstständigkeit durch Investitionen in Biotechnologie und grüne Energie. 

Durch die Pandemie kam Taiwan trotz der geografischen Nähe zu China und den 404.000 Pendlern gut. Obwohl die amerikanische Johns-Hopkins-Universität noch im Jänner die meisten Corona-Importe aus China prognostizierte, konnte die Insel das Virus besiegen – mit umstrittenen Mitteln. Seit Monaten gibt es offiziell keine Corona-Fälle mehr in dem dicht besiedelten 24 Millionen Einwohner-Land. Anstatt zum Lockdown griff Tsai zu einem rigorosen Tracking- und Überwachungssystem und rigiden Einreise-Bestimmungen.

VANDANA SHIVA

Die indische Wissenschaftlerin und Aktivistin Vandana Shiva steht für soziale Gerechtigkeit und kompromisslose Nachhaltigkeit. Weltweite Aufmerksamkeit bekam die Preisträgerin des Alternativen Nobelpreises für ihren Kampf gegen Konzerne wie Monsanto und Nestlé. Vandana Shiva kämpft nicht nur für freies Saatgut. Sie kritisiert die Macht der Konzerne, die Konzentration von Reichtum und kämpft für ein besseres Zusammenleben.

Im Jänner 2020 hielt sie die Eröffnungsrede der Lessing-Tage am Thaliatheater und erinnerte daran, dass „alle Menschen es in der Hand haben, den Lauf der Welt zu ändern.“

NICOLA STURGEON

„Dass die britische Regierung entschlossen scheint, einen EU-Ausstieg ohne Abkommen voranzutreiben, wäre schon in normalen Zeiten töricht; inmitten einer globalen Pandemie ist es vollkommen verantwortungslos“, kritisiert Schottlands Premier Nicola Sturgeon ihren Amtskollegen Boris Johnson offen. Und weiter: Da die Regierung in London entschlossen sei, „Konsens und Solidarität den Rücken zu kehren“, brauche Schottland „einen alternativen Weg nach vorn“.

Die Tochter eines Ingenieurs und einer Politikerin studierte Recht in Glasgow, was nicht möglich gewesen wäre, hätte es damals Studiengebühren gegeben, wie sie später sagte. In die Politik ging sie, nachdem die Sozialdemokratie in Schottland keine Chance gegen Margaret Thatcher hatte. Einerseits zeigte Sturgeon ihr Beispiel, dass Frauen erfolgreich Politik machen können, andererseits lehnte sie ihre Inhalte ab. So schloss sie sich der separatistische, linksliberalen Scottish National Party an.

Die schottische Premierministerin kämpft schon lange für ein unabhängiges Schottland. Bei dem EU-Mitgliedschaftsreferendum 2016 sprachen sich Schottland und Nordirland im Gegensatz zu England und Wales mit klarer Mehrheit für die EU aus. In Schottland stimmten alle Wahlkreise geschlossen für Remain. Zwei Jahre zuvor stimmten die Schotten auch für einen Verbleib im Vereinten Königreich. Seit der Brexit-Abstimmung kämpft Sturgeon für ein erneutes Unabhängigkeitsreferendum: Doch London muss dem Referendum zustimmen – und hat das bisher nicht getan.

Der Beitrag erschien zuerst auf Kontrast.at        

Das sozialdemokratische Magazin Kontrast.at begleitet mit seinen Beiträgen die aktuelle Politik. Wir betrachten Gesellschaft, Staat und Wirtschaft von einem progressiven, emanzipatorischen Standpunkt aus. Kontrast wirft den Blick der sozialen Gerechtigkeit auf die Welt.